Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1862
- Date
- 1862-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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4 den, als bei grösserem Verkehr und geordneten Zuständen ein gesetzlicher Curs für das gemünzte Geld eingeführt wurde und das Wägen der einzelnen Stücke nicht mehr nöthig war. "Wir haben nun für unsere Untersuchungen immer zu unterscheiden, in welchem Falle irgend ein Ausdruck Gewicht oder Münze bedeutet. Als Gewicht drückt er die Schwere des gewogenen Gegenstandes aus, als Münze hängt der eigentliche Werth des eingetauschten Gegenstandes nicht allein von dem Gewichte des betreffenden Münzstückes ab, sondern auch von seiner Legirung, von der gesetzlichen Bestimmung, wie dasselbe ausgemünzt werden sollte, und von dem Curse, der durch den geschäftlichen Verkehr in seinen mannigfaltigen Wechselfällen bedingt war. So erklärt der Talmud3) den Ausdruck "1ED fcnt3"6, da er ihm als in der Bedeutung eines Pfundes Fleisch nicht passend genug ist, mit "KZQ fcHl^D für eine Münze litra Fleisch. Da nun, der naturgemässen Entwikkelung der Münzverhältnisse folgend, die Kenntniss des Gewichts der der Münzen vorangeht, so wird hier mit den Untersuchungen über die Gewichte der Anfang gemacht, welchen die über Münzen und an einem anderen Orte über Maasse folgen werden. I. Gewichte. A. -mjl Gera. Im Talmud wird, auf die biblische Bezeichnung Bezug nehmend, als Gewichtseinheit das Gera angegeben. Wie bekannt, sind mannigfache Hypothesen über das biblische Gera aufgestellt worden; je nachdem dieses als Johannisbrodbohne, oder als Gerstenkorn, oder als ein Gewichtchen in Korn- oder Schrotform überhaupt angesehen wurde, hatte man ilim grösseres oder kleineres Gewicht beigelegt. Raba4) setzt das Gera einem Maah, dem vierundzwanzigsten Theil eines tyrischen Sela, gleich. Als Gewährsmann für diese Gleichung Gera Maah wird daselbst der alte chaldäische Pentateuchübersetzer Onkelos zu 2 M. 30,13 citirt, welcher zwanzig Gera durch zwanzig Maah wiedergiebt. Das biblische Gera wurde also in der nachbiblischen Zeit durch die gangbare Münze Maah näher bezeichnet. Dass Raba dieses Maah als tyrischen Obolus oder Maah ansieht, ist zweifellos, indem dort angeführt wird: sechs Silbermaah seien einem Denar gleich, also, da der Sela 4 Denare galt, so ist ein Sela 24 Silbermaah gleich, und diese letztere Gleichung fand bei der tyrischen Silbermünze Sela statt5). Eine weitere Werthung des Gewichtes dieses Maah findet im Talmud nicht statt, man kann sie jedoch aus den noch vorhandenen tyrischen Silberstücken bestimmen. Das schwerste vorgekommene tyrische Silberstück wiegt 14,34 Gramm 0,8604 Neuloth, der vierundzwanzigste Theil hiervon 0,5975 Gramm 0,03585 Neuloth wäre daher ein Maah6). Es wurde hier das schwerste vorhandene Silberstück der Rechnung zu Grunde gelegt, da man die Abnutzung der Stücke nicht kennt, und daher bei dem schwersten Stücke der dabei begangene Fehler am kleinsten ausfällt. Ein etwas grösseres Gewicht des Gera, nämlich 0,68215 Gramm 3) Ketuboth 67, b. 4) Bechoroth 50, a. s) Boekh a. a. O. pag. 59. °) üeber Neuloth ist zu merken: 1. Nach den preussischen Gesetzen v. 17. Mai 1856 u. 4. Mai 1857 über die Einführung eines allgemeinen Landesgewichtes, welche mit dem 1. Juli 1858 in Kraft getreten sind, hat das preuss. Neupfund die Schwere