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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1862-01-01 · 1862 · page 4

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1862
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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IRI
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2 des jüdischen Staates, 70 der üblichen Zeitrechnung, bis zum Untergange des Patriarchats um 420, bildete das jüdische Palästina noch immer eine eigene religiöse, sociale und geschichtliche Politie, stand noch, wenn man so sagen darf, auf seinem alten Grunde, hatte noch seine eigene, wenn auch mit fremden Elementen gemischte Sprache, seine alten, vielleicht noch aus der biblischen Zeit stammenden, jedenfalls aber seinem ehemaligen Staatsleben erwachsenen Verhältnisse, war mit einem Worte ein in sich geschlossener Volksorganismus, der, wenn auch räumlich sein* beschränkt, ein die jüdische Zukunft befruchtendes Leben führte. Ein Niederschlag dieses Lebens seit dem Untergange des jüdischen Staates durch Titus ist die Mischna mit ihren verschiedenen Ausläufern. Diese tahnudische Geschichtsperiode, wie man sie bezeichnen kann, blieb aber keinesweges in ihrer nationalen Ursprünglichkeit.. Hatten sich schon während des Bestandes des jüdischen Staates griechische und römische Einflüsse in Sprache, täglichem Verkehr, Sitten und Denkweise geltend gemacht, so war dieses noch mehr der Fall, als die palästinensischen Juden eines politischen Mittelpunktes entbehrten und ihre Einheit nur ideal in dem Patriarchate und den Lehrhäusera zu behaupten "vermochten. Wie sich daher griechische und römische Sprachelemente in das jüdisch-palästinensische Idiom nach und nach naturalisirten, ebenso und gleichzeitig bürgerten sich die realen Verhältnisse des griechischen und römischen Gewicht-, Münz- und Maass-Sjstems im Verkehr ein. Die Literatur dieser Zeitepoche (kurzweg Mischna und Talmud) reflectirt daher diese Mischung von Eigenem und Fremdem, von Ueberresten aus alter Zeit und neu hinzugekommenen Elementen. Diese Mischung hat aber nicht den mechanischen Charakter eines Aggregatzustandes, sondern ist chemisch geschichtlich so verarbeitet, dass es zuweilen dem kundigsten Forscher schwer wird, zu erkennen, was altjüdisch oder entlehnt Fremdes ist. Die talmudische Numismatik und Metrologie hat aber nicht blos ein speciell jüdisches Interesse zur Kenntniss der damaligen historischen Verhältnisse, sondern auch ein allgemeineres, indem dadurch jenes geschichtliche Postulat offen zur Erscheinung kommt, wie geschichtliche Factoren auf den sprödesten Stoff einwirken und ihn theilweise umwandeln. Denn mehr noch als die Germanen, Gallier und Britten empfanden die Juden eine unüberwindliche Antipathie gegen das Römerthum, welches ihr Heiligthum zerstört, ihre Nationalität geknickt hatte; dennoch nahmen sie die römischen Gewichts-, Münz- und Maass - Bestimmungen nach und nach an und versetzten sie mit ihren eigenen. Wir sagten oben, dass die Mischna mit ihren Appendices die Hauptliteratur zur Kenntniss der talmudischen Numismatik und Metrologie bildet. Unter diesen Ausläufern der Mischna versteht man zunächst die Boraitas und die Tosifta, welche in gleicher Weise wie die Mschna und fast gleichzeitig mit ihr auf palästinensischem Boden entstanden sind. Auch der jerusalemische Talmud gehört dazu, ist nur eine Fortsetzung derselben und reflectirt besonders die geschichtlichen Verhältnisse des jüdischen Palästina des dritten und vierten Jahrhunderts. Aber auch der babylonische Talmud ist ein wesentliches Element zur Erforschung dieses wissenschaftlichen Objectes, denn wiewohl auf einem andern Boden entstanden und andere (persische und parthische) Einflüsse darstellend, hängt der babylonische Talmud doch innig mit der in Palästina ausgebildeten talmudischen Literatur zusammen. Er hat nämlich zu seiner Hauptaufgabe die Elemente der Mischna zu interpretiren und zieht bei dieser Gelegenheit Traditionen heran, welche die Gründer der babylonisch-jüdischen Lehrhäuser aus Palästina mitgebracht haben. Wanderungen von Palästinensern nach Babylon und

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