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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1862-01-01 · 1862 · page 3

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1862
Date
1862-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Unter den verschiedenen Hilfsmitteln zur Beurtheilung des geschichtlichen Lebens der Völker nehmen die numismatischen und metrologischen Verhältnisse darum eine so hervorragende Stelle ein, weil sie uns in die innere Gestaltung des Weltverkehrs einführen. Durch die festgestellten Begriffe dieser Elemente der Quantität alles Gewogenen, Gezählten und Gemessenen erhalten die Gegenstände unserer Umgebung in unserem Vorstellungskreise einen neuen Gehalt, ohne welchen die Objecte in uns nur die einseitige Anschauung der Qualität hervorrufen; mit ihm hingegen haben wir die Gegenstände in ihrer Totalität erfasst. Die wissenschaftliche Geschichtsforschung legt daher mit Recht auf Numismatik und Metrologie ein besonderes Gewicht, indem dadurch nicht nur das eigentliche Verkehrsleben erkannt, sondern auch statistisches Material gewonnen wird, um die internationalen Beziehungen der Völker in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit zu ermitteln. Auch für das biblische Altertnum wurden die numismatischen und metrologischen Verhältnisse mit vieler Sorgfalt in nähere Erwägung gezogen, aber mehr in exegetischem als in historischem Interesse. Weniger eingehende Forschungen hat man der talmudischen Numismatik und Metrologie zugewendet, und doch haben auch diese ihre Bedeutung, ja man könnte fast sagen, sie verdienen für das allgemeine geschichtliche Interesse mehr Würdigung als die biblische, weil sie historische Verhältnisse berühren, welche mit den uns mehr bekannten Völkern des Alterthums in näherer Beziehung stehen. Der jüdische Stamm war nämlich nicht mit seinen letzten Kriegern, welche mit Aufopferung ihres Lebens die römische Tyrannei abwehren wollten, ausgestorben. Er überlebte vielmehr seinen Staat und bildete trotz so vieler Trümmer noch immer ein eigenes Gemeinwesen, machte auch noch eine Zeitlang eine eigene Nationalität aus und hielt lange an der Hoffnung fest, eine Restauration des Staates herbeizuführen. Erst der gehäufte Druck des bigotten und verrotteten byzantinischen Hofes mit seiner raffinirten Beamtenhierarchie war im Stande, das jüdische Gemeinwesen, wie es sich namentlich in Palästina Jahrhunderte lang behauptete, zu sprengen, und es in untereinander zusammenhanglose Gemeinden aufzulösen1). Während jener Zeit, vom Untergange l) Vergl. Grätz, Geschichte der Juden, 4. Band, pag. 450 ff. 1

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