Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
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69 drohte, den Leitern der klösterlichen Bibliotheken und Handschriftenfabriken reizlos, wo nicht gar gefährlich erscheinen. Viel fesselnder und erbaulicher musste auf jenes in Wundersucht versunkene Geschlecht die andere Reihe Severischer Arbeiten wirken, welche das Leben des Martiniis mit dem Nimbus grotesker Mirakel verzieren 5 und diese Schriftstücke wurden denn auch in den Martins- und in allen, wie immer benannten, Klöstern mit einer Emsigkeit vervielfältigt, unter deren Früchten noch jetzt die Manuscriptenschränke jeder grösseren Bibliothek zu seufzen haben. Um die Chronik dagegen kümmerte man sich so wenig, dass ihre Erhaltung, bevor dieselbe in der zweiten Hälfte des sechszehnten Jahrhunderts durch den Druck gesichert worden, an den dünnen Fäden blos zweier Handschriften hing, zu welchen die sorgfältigste Nachforschung bisher keine dritte88) hat fügen können. Aber das sechszehnte Jahrhundert war nun auch ganz in der Stimmung, um die Chronik nach ihren positiven wie negativen Vorzügen zu würdigen und als einen köstlichen, für seine Bedürfnisse gleichsam geschaffenen Fund mit Jubel zu begrüssen. Die Entwickelung der Neuzeit hatte die europäischen Menschen aus der legendarischen Ammenstube in die stählende Luft historischer Forschung hinausgeführt; zugleich mit der Befestigung des geschichtlichen Sinnes war das Gefühl für sprachliche Reinheit und Richtigkeit wieder geschärft worden*, eifrig war man, zuerst in Deutschland und nach deutschem Vorgang in den übrigen Ländern, bemüht, die an den humanistischen Studien erstarkte Methode einer gesunden Auffassung des geschriebenen Worts nun auch auf diejenige Schrift anzuwenden, welche als die heilige verehrt wird; und nicht minder eifrig strebte man, die klar erkannte Ueberlieferung der heiligen Schrift mit der, endlich wieder in den Schulen gelehrten, allgemeinen Menschengeschichte in Verbindung zu setzen. Nichts konnte daher den leitenden Männern des sechszehnten Jahrhunderts, zumal für den Jugendunterricht, erwünschter kommen als ein Compendium biblischer Geschichte gleich dem Severischen, abgefasst in einem Latein das nicht erst, wie so manches andere ecclesiastische, auf Grund seines religiösen Inhalts einen grammatischen Freibrief zu verlangen brauchte, vielfältig hinweisend auf den Zusammenhang der biblischen mit der ausserbiblischen Welt, und jeglicher dogmatischen Schlussfolgerung so streng entsagend, dass die zwei grossen Religionsparteien, welche mit der Heftigkeit des noch frischen Streites damals sich befehdeten, beide gleich unbedenklich dieses Büchlein als ein rein thatsächliches und daher neutrales in ihre Schulen einführen durften. Auf Geheiss eines römischen Kardinals hat Carolus Sigonius für die italienischen Schulen den besten unter allen vorhandenen Commentaren der Chronik ausgearbeitet, und in den protestantischen Niederlanden haben ckraft Beschlusses der Generalstaaten zum Gebrauch der holländischen und friesischen Schulen die Elzevire einen Textesabdruck89) besorgt, mit dessen gediegener Schönheit neuere Schulausgaben vergeblich wetteifern. Bis zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts hat die Chronik sich die so errungene Geltung in dem französischen, deutschen und niederländischen Unterricht zu bewahren 88) Die bibliographischen Belege für das hier und in der Folge Gesagte giebt theils der Anhang, theils Schönemann bibliotheca patrum latinorum II 366— 410. 69) Da er einen eigenthümlichen kritischen Werth nicht besitzt, so musste er im Anhang unerwähnt bleiben. Der Titel lautet: Sulpiti Severi Historia Sacra Continuata Ex Johannis Sleydani libro De Quatuor summis Imperiis: Edita in u&um Sckolarum Hollandicarum et West-Frisicarum: Ex Decreto Illustrium ac Potentium D. D. Ordinum Hollandiae et West- Frisiae. Lugduni Batavorum, Ex Officina Bonaventurae et Abrahami Elzevir. Academiae Typograph. CIO 10 CXXVI. 8. 271 S.S.