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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 67

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 67)
Language
German
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65 Bedrückung zu einer geistigen Knechtschaft umgedeutet werden soll, muss das geistige Moment klar bezeichnet werden; Hinzufügung eines Genetivs zu captivitas ist uuerlässlich, mag man nun für peccati sich entscheiden, das De Prato vorschlägt, oder, mit Vorstius, das derbere diaboli wählen. Recht anstössig ist ferner die verschrobene Stellung von forma. Und durchaus unlösbar ist der begriffliche "Widerspruch, in welchen das fragliche Sätzchen zu dem unmittelbar vorhergehenden tritt. Denn der Anlass zu einer Allegorie liegt ja lediglich darin dass Debora, obzwar ein Weib, dennoch den Krieg leitete. Hätte nun Severus dieses Verhältniss allegorisch vernutzen wollen, so hätte er es nicht erst in einfacher und dem Sinn der Bibel (lud. 4, 9) gemässer Weise geschichtlich verwerthen dürfen, was er doch thut indem er sagt: cDas Vertrauen auf die Feldherren war so sehr geschwunden, dass man weiblichen Beistandes zur Vertheidigung bedurfte.1 Dadurch dass dies in berichtendem Tone erzählt worden, ist gegen jede Allegorie ein Riegel vorgeschoben; und wenn nun trotzdem eine solche sich einfindet, so bleibt nur die Annahme übrig dass sie, wie so manches Andere (s. Anm. 52), vom Rande her eingedrungen ist. Eben die geschichtliche Einfachheit der Severischen Auffassung war einem Leser, der aus des Ambrosius, Augustinus 84J und gewiss noch aus vielen anderen Schriften das Weib Debora als Bild der Kirche kennen gelernt hatte, allzu trocken erschienen; er hatte deshalb den Worten des Severus eine auf jenen cTypusa hinzielende Randbemerkung in flüchtiger Fassung gegenübergestellt, welche dann bei ihrer Versetzung in den Text durch die in solchen Fällen gewöhnliche Verwirrung den unumgänglichen Genetiv zu captivitas einbüsste. Nach Aussonderung der Marginalie tritt nun auch die enge Verbindung zwischen ut muliebri auxilio defenderentur und dem demonstrativen Pronomen Sub hac duce wieder in ungetrübter Ursprünglichkeit hervor. Sonach geschieht es nicht dreisondern in der ganzen Chronik nur zweimal, dass Severus die geschichtliche Klarheit mit mysteriösem Dunkel — nicht wirklich vertauscht sondern nur zu vertauschen Miene macht. Denn selbst in jenen zwei, nach Wegfall der symbolischen Debora zurückbleibenden, auf Lamech und Abraham bezüglichen Stellen wird ja das Mysterium nicht dem Anblick ausgesetzt; es wird blos auf den Vorhang gedeutet, hinter welchem ein Mysterium verborgen sein soll; und Stellen, deren Zahl so klein, deren Umfang so gering und deren Ton so leise ist, können nicht störend sondern höchstens als bestätigender Contrast wirken auf den sonst nach allen Seiten sich bewährenden geschichtlichen Gesammtcharakter des Werks. Aber um so lehrreichere Winke enthalten selbst diese wenigen und behutsamen Stellen für die Charakteristik des Verfassers. Die allegorisirende Doppelsichtigkeit gehört zu denjenigen Affectionen des geistigen Auges, bei welchen auch die spärlichsten und gelindesten äusseren Symptome auf das innerliche Vorhandensein des Uebels in seiner vollen Stärke schliessen lassen; und in Severus' Falle verrathen die Symptome eigentlich nur das, was nach der ganzen Richtung des damaligen Zeitalters, selbst ohne jedwedes Wahrzeichen, vorausgesetzt werden durfte. Die besten Köpfe und 84) De Prato hat die Stellen ausgeschrieben. — Auf eine ähnliche typische Interpolation mnss wohl zurückgeinterpo. führt werden was Gregor von Tours Hist. Franc. I c. 7 hinsichtlich der Opferung Isaacs erwähnt: hoc vero kolocaustum iati°«>- (vidimae commutatae) in monte Caloariae, quo Dominus crucißxus est, oblatum fuisse Severus narrat in Chronica. An der betreffenden Stelle unserer Chronik I, 7, 2 findet sich weder eine Spur von diesen Worten noch das leiseste Anzeichen einer Lücke. 9

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