Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
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63 Gewähr ihrer eigenen Echtheit giebt und die Aufklärung über die bisher gangbare, erst jetzt nach ihrem vollen Unwerthe zu würdigende Interpolation adversus quem Scipio Africani frater bellavit. Verschollen aber ist die Form Asiagenes in ganz ungewöhnlichem Maasse; aus der gesammten lateinischen und griechischen Litteratur haben die vereinten Bemühungen mehrerer Kenner nur vier Belegstellen, ausser der jetzt hinzutretenden Severischen, sammeln können; eine bei Diodoros XXX,r/r p. 153 Bek., eine zweite bei Livius XXXIX 44, eine dritte bei Sidonius Carm. VII 80 sind von J. F. Gronovius Observ. IV c. 25 besprochen; die vierte bei Eutropius IV 2 weist Theodor Mommsen nach. Dazu kommt dann noch die Scipioneninschrift bei Orelli 557, auf welcher die wunderlich gräcisirende Form in noch wunderlicherer 83) Weise zu Asiagenus latinisirt ist, und endlich eine ebenfalls schon von Gronovius angeführte Münze mit L. SCIP. ASIAG., welche Mommsens Münzwerk S. 575 verzeichnet. An den zahlreichen übrigen Stellen, in denen der antiochische Krieg und jener Scipio erwähnt wird, erscheint der Ehrenname immer in der Form Asiaticus, und auch die Fasten kennen nur diese. Wenn daher das ältere und seltene Asiagenes bei Severus wieder auftaucht, so erweckt dies eine recht günstige Vorstellung von dem Werthe der Quellen, welchen er seine Angaben über die Seleukiden entnommen hat. Jedoch wie reichen oder dürftigen Ertrag dieses und die anderen nichtbiblischen Stücke der Chronik dem jetzigen Geschichtsforscher bieten mögen — unabhängig von dem heutigen, theilweise durch zufällige Umstände bedingten Nutzen der einzelnen Nachrichten ist der Einfluss, welchen diese Partien in ihrer Gesammtheit schon durch ihr blosses Vorhandensein auf die Physiognomie des Severischen Werkes gewinnen. Denn da sie nicht, wie es z. B. in der eusebianischen Chronik geschieht, nur tabellarisch neben die biblischen Thatsachen gestellt sondern zu einer einheitlichen Erzählung mit denselben verwoben sind, so wirken sie auf den Ton des Erzählers wie auf die Stimmung des Lesers, und tragen recht wesentlich dazu bei, dem Ganzen jene concret geschichtliche Lebendigkeit zu verleihen, welche gleich weit entfernt ist von allegorischer Verflüchtigung wie von dogmatischer Verknöcherung. Vor diesen beiden Abwegen, welche den Behandlern der biblischen Schriften so gefährlich zu werden pflegen, hat Severus sich streng gehütet. Alles Dogmatische, auf das er überhaupt sich einlässt, bleibt den späteren, kirchengeschichtlichen Abschnitten vorbehalten, wo es zum Verständniss der Erzählung unentbehrlich ist und dennoch meistens sehr kurz abgethan wird; die Lehre der Arianer z. B. findet sich II, 35, 3 in einer Fas- 83) Begreiflich ist übrigens die Verlegenheit der Gelehrten, welche bei Festsetzung des Ehrennamens für den EhreneScipio von Asien' gewiss zu Rath gezogen wurden. Die scheinbar nächstliegende Form Asianus war unbrauchbar; namendiese hätte statt einer Ehre einen eben solchen Schimpf ergeben wie wenn man den Publius Scipio nicht Africanus genannt hätte sondern Afer. Denn Asianus ist das stehende Etlmikon für einen geborenen Asiaten, diese Ehrentitel aber Bollen unmittelbar von dem Namen des eroberten Landes gebildet und zugleich auf eine in das Ohr fallende Weise von dem herkömmlichen Namen der Eingeborenen unterschieden sein, wie z B. Africanus Creticus Delmaticus Germanicus Macedonicus JXumidicus von Africa Greta Delmatia Germania Macedonia Numidia gebildet und von Afer Cres Delmata Germanus Macedo Numida unterschieden sind. In der Noth griff man daher zu dem griechischen 'Aaiaysviqg, und als Asiagenes, besonders wohl wegen der griechischen Endung, Anstoss gab, suchte man sich theils durch die grobe Latinisirung Asiagenus zu helfen, theils verstand man sich zu Asiaticus, welches nun zwar von Asianus deutlich genug abklingt, aber aus der Analogie der übrigen Ehrennamen in so fern heraustritt, als es nicht von Asia sondern von Asiates gebildet ist.