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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 63

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 63)
Language
German
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61 erfahren hatten. Unbekannt war dieser Gesichtspunkt auch dem Josephus nicht; das zeigen die Worte, welche er seine Minorität im Kriegsrath sprechen lässt, cman werde von allen Orten her sich um den Tempel schaaren (oben S. 50)\ Aber das anschauliche Verständniss dieser kurzen Andeutung und die Erkenntniss gewonnen zu haben dass nicht die Minorität sondern die von Titus geleitete Majorität jenen Gesichtspunkt gefasst und demgemäss die Zerstörung angeordnet hat — dies ist ein Ertrag, den die Geschichtskunde nicht dem Josephus sondern jetzt allein der Chronik des Severus und ihrer auf klassische Historiker wie Tacitus81) zurückgreifenden Anlage verdanken muss. Nicht minder lohnend als die Aufspürung der Severischen Quelle für die römische Kaisergeschichte, aber viel verwickelter und für den hiesigen Zweck allzu weitläufig würde eine Untersuchung ausfallen, die sich in ähnlicher Weise auf eine andere Reihe nichtbiblischer, die Seleukidenherrscher betreffender, Angaben der Chronik richten wollte. Bei der Trümmerhaftigkeit unserer Ueberlieferung über die an sich schon so wirre Diadochenzeit könnte es nur der vollständigsten, auch das Kleinste nicht verschmähenden Sammlung und Vergleichung aller sonst erhaltenen Nachrichten vielleicht gelingen, die Quellen zu entdecken, aus welchen die chronologischen Ansätze und thatsächlichen Berichte des Severus geflossen sind. Dafür jedoch dass es jedenfalls alte und gute Quellen waren, kann auch in der Kürze ein Anzeichen beigebracht werden, dessen Besprechung zugleich auf den Zustand des gangbaren Textes nach kritischer Seite ein helles Licht werfen wird. Die Analyse der Makkabäerbücher ist es, welche den Severus veranlasst, die Reihenfolge der syrischen Könige von Alexander dem Grossen bis auf Antiochos Epiphanes zu verzeichnen. Nachdem der zweite Antiochos, cder Gott1, erwähnt worden, fährt der Text der bisherigen Ausgaben folgendermaassen fort (II, 19, 3): Post hunc Seleucus filius cognomine Callinicus annos unum et viginti [regnavif]. Item Seleucus ßlius Callinici annos tres. Hoc defuncto, Antiochus frater CaUinici Asiam et Syriam tenuit annos Septem et triginta. Hie est Antiochus, adversus quem Scipio Africani frater bellavit, quo hello metus et imperii parte multatus est. Der letzte, auf Antiochos den Grossen bezügliche Theil dieser Stelle ist zwiefach verderbt, durch eine offenliegende Interpolation und 81) Mit der sorgfältigen Benatzung des Tacitus bei ausführlich erzählten und dem Hauptzweck der Chronik so Flüchtigwesentlichen Dingen, wie Christenverfolgung und Zerstörung Jerusalems, verträgt es sich ganz wohl dass bei Nebenk|everusS dingen, die Severus nur kurz und flüchtig berührt, ihm nun auch Flüchtigkeiten begegnen, welche zeigen, dass er weder den Tacitus noch überhaupt eine Quellenschrift eigens nachgeschlagen, sondern sich auf sein trügendes Gedächtniss verlassen hat. Z. B. heisst es II, 30, 3, 'Vitellius habe sich selbst umgebracht {cum se Vitellius interfecisset)'', was bereits Scaliger zu Eusebios p. 198 ed. sec. rügt. Von Otho dagegen war kurz vorher II, 30, 2 gesagt, 'derselbe sei umgebracht worden (Oihone interfedo)'. Severus hat also die Todesarten dieser zwei kurzlebigen Kaiser vertauscht. — Eben so unrichtig heisst es II, 30, 2 von Vespasianus ut mos est, diademate capiti imposito, ab exercitu Imperator consalutatus, worüber Lipsius zu Tacitus Hist. II, 80 bemerkt: palam illa falsa. Nec mos eius aevi diadema tulit, nec Flavius per somnium usurpavit. Der zweite Theil dieser Rüge ist etwas zu allgemein gefasst. Denn von dem Flavier Titus wird allerdings bei Suetonius c. 5 folgendes berichtet: nata suspicio est, quasi desciscei'e a patre Orientisque reynum sibi vindicare tempiasset; quam suspicionem auxit, postquam Alexandriam petens in consecrando apud Memphim bove Apide diadema gestavit, de more quidem rituque priscae religionis; sed non deerant qui sequius interpretarentur, und die dunkle Erinnerung an solche Stellen mag den Severus zu seinem Irrthum verführt haben. Aber unter allen Umständen bleibt es ein arger Anachronismus, wenn Severus die 'Sitte' seiner eigenen, nachdiocletäanischen (s. oben S. 25) Zeit auf die flavische überträgt.

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