Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
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60 Kriegsbrauchs gegen die von Josephus gepriesene Milde; die früheren Kaiser so wenig wie der republikanische Senat pflegten Rebellen zum Pacisciren aufzufordern; und es wäre für die Flavier wahrlich ein glanzloser Regierungsantritt geworden, wenn sie statt Münzen mit der Trauergestalt der cgefangenen Judäa3 schlagen zu können, von Jerusalem hätten abziehen müssen wie Mancinus von Nuniantia. Ist aher wirklich Josephus so oft wie er angiebt als Parlementär an die Belagerten abgesandt worden, so mag das zu augenblicklichen strategischen Zwecken geschehen, und die angebotenen Bedingungen werden der Art gewesen sein, dass man ihre Zurückweisung von vornherein voraussah; oder auch, man war entschlossen, sich eintretenden Falles über dieselben eben so hinwegzusetzen wie Vespasianus sein den Gefangenen von Taricheä gegebenes "Wort mit einer treulosen Härte gebrochen hat, welche selbst Josephus nicht zu bemänteln vermag und daher möglichst rasch erzählt {Bell. HI, 10, 10). Tacitus nun aber und der ihm folgende Severus hatten keine Aufforderung, die Gutmüthigkeit der flavischen Dynastie herauszustreichen; sie lassen daher die Friedensanträge als unwesentliche ausser Acht und geben den leitenden Gedanken der römischen Kriegführung dahin an, dass ein friedlicher Ausgang unmöglich geworden und vernichtende Unterwerfung das alleinige Ziel war, welches in vorwiegender Rücksicht auf die religiösen und socialen Bewegungen im Innern des gesammten Reiches man von Anfang an sich gesteckt hatte 80). Dieser allgemeinen Rücksicht, welche für Pompeius, den ersten römischen Eroberer Jerusalems, bei der damaligen Ungefährlichkeit der jüdischen Diaspora noch nicht bestanden hatte, glaubten die Flavier den persönlichen Ruhm und Vortheil opfern zu müssen, der aus der Schonung und dem Besitz einer Stadt wie Jerusalem ihnen erwachsen wäre. Denn auch die stärkste Besatzung hätte die Ruhe nur im nächsten Umkreise zu sichern vermocht; aber da über Italien und die meisten Provinzen hin Juden wie Christen verbreitet waren und beide, wie man meinte, in Jerusalem ihre religiöse cWurzer ehrten, so fürchtete man, das blosse Dasein der Tempelstadt und des Tempels werde wie eine Sturmfahne unaufhörlichen Aufruhrs wirken. Um die Provinzen vor Ruhestörungen zu bewahren verhängte daher das Kaiserthum, trotz der veränderten militärischen Verhältnisse, über Jerusalem dasselbe Schicksal, welches Karthago und Korinth von der Republik sinnlose Interpolation nefanda insuper ausi verdrängt) ne humanis quidem corporibus pepercerunt, nisi quae eiusmodi alimentis tabes praeripuerat. Bei dieser Stelle konnte sagar De Prato den Gedanken an Tacitus nicht unterdrücken. Seine Anmerkung zu den Worten neque pacis neque deditionis macht auf den Widerspruch gegen Josephus aufmerksam und schliesst folgendermaassen: Verum Jiaec et alia quae infra traduntur cum Iosephi historia minus congruentia hic foriasse hausit ex Taciti Hist. libro V. quem iws extrema sui parte mutilatum hahemus, in qua Hierosolymorum supremum diem se traditurum initio proßtetur. Die Worte alia quae infra traduntur beziehen sich in De Prato's Sinn nur auf das Verzehren der Leichname, welches, wie er in einer späteren Anmerkung hervorhebt, bei Josephus Bell. VI, 7, 3 nicht als eingetretene Thatsache, sondern nur als eine drohende, jedoch durch die baldige Einnahme der Stadt verhinderte Möglichkeit erwähnt wird um durch eine Hyperbel die Wildheit der Zeloten zu schildern. — Es ist recht bezeichnend für den kritischen Kleinmuth des guten De Prato, dass er die hier gewonnene Einsicht über die Quelle des Severus nicht auch auf den Bericht hinsichtlich der Tempelzerstörung auszudehnen wagte, dessen Ursprung er in den oben Anm. 69 mitgetheilten Worten schlechthin für 'ungewiss' erklärt. 80) Darauf beziehen sich die 'finsteren Befehle (axv&Qcojta TtaQttyyelaaza~)\ welche beim Beginn des Feldzuges " von Vespasianus empfangen zu haben Titus selbst bekennt in einer Rede bei Josephus Bell. VI, 6, 2, die sich von den übrigen rhetorischen Einlagen dieses Werks durch ihren geschäftsmässigen Ton merklich unterscheidet und gewiss nicht in allen Theilen fingirt ist.