Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 61

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 61)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2720904-2720919-2720920--0380-2721622
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

59 ist bei der Weitsinnigkeit, welche für die orientalischen Culte seit lange gehegt wurde, eben so wenig auffallend wie es z. B. die dem Tempel der Himmelskönigin zu Karthago verliehenen Corporationsrechte sind (Ulpianus fr. 22, 6). Sacrare aedem für consecrare findet sich bei Tacitus auch Annal. II, 49, während Severus sonst von dem jüdischen Tempel nicht sacrata sondern das gewöhnliche sacra aedes (II, 10, 1) gebraucht. — Endlich ist quippe für nam innerhalb eines Referats fremder Meinungen in abhängiger Rede echt taciteisch (z. B. Annal. 7, 79; Bist. II, 66); in der Severischen Chronik ist es ausser an diesem Orte wohl nicht nachzuweisen; und auch in direkter Rede scheint es nur in Stellen von taciteischem Colorit (s. Anm. 70) vorzukommen. Darf nun nach diesem Allen Tacitus statt Severus als Zeuge mit Josephus confrontirt werden, so gewinnt, wenn wir die bisher zerstreut hervorgetretenen Umstände vereinigt überblicken, das historische Problem folgende Gestalt: Ueber einen römischen Kriegsrath liegen zwei Berichte vor, welche den Inhalt der zur Verhandlung gekommenen Ansichten ohne wesentliche Abweichung angeben, sich aber schnurstraks widersprechen in den Angaben über die Vertreter dieser Ansichten und über den endgiltig gefassten Beschluss. Der eine Bericht, nach welchem Cäsar Titas die Schonung des jüdischen Tempels befürwortet und durchgesetzt hätte, die trotzdem eingetretene Verwüstung aus einem Zufall entstanden wäre, ward unter Titus' Augen von seinem ergebenen Schützling Josephus zu einer Zeit redigirt als der Kaiser für einen milden Charakter galt und gelten wollte. Der andere Bericht ward verfasst als nicht blos Titus gestorben sondern auch seine Dynastie erloschen war; er lässt den Zufall aus dem Spiele und sieht in der schliesslichen Zerstörung die Ausführung eines Beschlusses, welchen Titus als Leiter des Kriegsraths aus gewichtigen Gründen der inneren Reichspolitik empfohlen hatte. Der Urheber dieses anderen Berichts ist Tacitus, d. h. ein Geschichtschreiber, der nach Zeitverhältnissen und gesellschaftlicher Stellung in der Lage war, über die Vorgänge im Kriegsrath sich mittelbar oder unmittelbar von unabhängigen Mitgliedern des römischen Generalstabes unterrichten zu lassen. — Man darf wohl wie der alte Scaurus (Asc. in Scaur. p. 22 Or.) fragen: cWem glaubt Ihr, Quinten?1 Glaubt man nun aber hinsichtlich der Katastrophe dem durch Severus aufbewahrten Bericht des Tacitus, so müssen auch hinsichtlich der Aufforderungen zum Frieden und zur Ergebung, welche nach Josephus' Erzählung (Bell. V, 9, 2; VI, 2, 3; VI, 6, 2) während der Belagerung die Römer an die Juden zu richten nicht müde wurden, schwere Bedenken aufsteigen wenn man bei Severus das gerade Gegentheil gesagt findet, dass nämlich die Belagerten cweder zu einem friedlichen Abkommen noch zur UebergabB zugelassen worden* und daher eine Hungersnoth ausgebrochen sei, welche nun noch düsterer als bei Josephus in einer Weise geschildert wird, die unwillkührlichT9) an Tacitus' Pinsel erinnert. Gewiss spricht hier die Analogie des römischen gut als solchem erklärt wissen, pro Flacco 28 § 63: non enim credo religionem et Iudaeorum et hostium impedimento prae- Pompeil stantissimo imperutori sed pudorem fuisse. Was Cicero 'nicht glauben' mag, war offenbar von den Anklägern des Flaccus behauptet worden und war wohl auch die allgemein verbreitete Meinung. 79) II, 30, 0 Interea Iudaei obsidione clausi, quia nulla neque pacis negue deditionis copia dabatur, ad extremum fame interibant passünque viae oppleri cadaveribus coepere, victo iam officio humandi; quin omnia nefanda esca super ausi (diese vortreffliche Lesart des Vaticanus ist, weil man das dem Ablativ nachgesetzte super nicht verstand, bei Flacius durch die 8*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.