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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 60

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 60)
Language
German
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58 wie einen Kriegsrath berührt, Sellien ihm Berufung auf fremde Erzählung nöthig, eben um eine Unterstellung des Ersinnens, wie Sigonius sie gewagt hat, von vornherein auszuschliessen. Tacitus hat natürlich, nachdem er einmal auf den Gang der Debatte im Kriegsrath sich eingelassen, darüber nicht gerüchtweise sondern, wie in den oben (S. 56) angegebenen ähnlichen Fällen, unter eigener Verantwortung berichtet. Ebenso gewiss ist es und durch dieselbe Analogie empfohlen dass Tacitus die verschiedenen Meinungen von bestimmten und namentlich bezeichneten Rathen vortragen Hess, wie es ja auch Josephus {Bell. VI, 4, 3) thut; nur müssen die Personen bei Tacitus anders als bei Josephus vertheilt gewesen sein, da das Ergebniss der Berathung ein entgegengesetztes ist. Severus übergeht nach Excerptorenart die untergeordneten Namen; Titus allein scheint ihm einer ausdrücklichen Erwähnung würdig, die Anderen treten zurück als nonnnlli und alii. — Aus religiösen Gründen mussten alsdann die von Tacitus, wie von jedem Klassiker in solchem Falle, gebrauchten Wörter snperstitio und superstitiones den kirchlich unklassischen religio und reliyiones weichen; und in ähnlichen Rücksichten ist wohl auch der Ursprung der überschwänglichen Phrase ultra omnia mortalia illustrem zu suchen, von der es kaum gesagt zu werden braucht, dass sie weder über die Lippen eines römischen Generals noch aus der Feder eines römischen Schriftstellers je gekommen ist. Da sie aber nicht blos dem Sinn nach überschwänglich, sondern auch im Ausdruck etwas geschraubt erscheint, so darf man sie vielleicht entstanden denken aus umbiegender Verwendung solcher Worte wie die beispielsweise vorgeschlagenen inter omnes mortales nobüem. Diese wollen im guten Latein 76) nicht so gar viel besagen, wenigstens nicht mehr als zu deutsch fbei allen Leuten bekannt1; und weil dies Severus nicht ehrerbietig genug fand, mag er es geändert haben. — Hiermit sind nun die nichttaciteischen Bestandtheile erschöpft; alles Uebrige hat entweder taciteischen Klang oder doch keinen untaciteischen. Templum tanti operis77) ist recht gewählt; nicht minder erinnert modestia Romana im Sinn von moderatio an den Lobspruch, welchen Tacitus Annal. I, 9 der augusteischen Regierung ertheilen lässt, ius apud cives, modestiam apud socios; und aedem sacratam ist so nüancirt wie es im Munde eines Römers auf den vorliegenden Fall passt. Denn ein provinziales, ohne Autorität des römischen Volkes geweihtes Heiligthum ist zwar nicht sacrum, kann jedoch pro sacro behandelt werden (Gaius Inst. II, 7); und dass einzelne römische Kriegsmänner das Göttliche au einem jüdischen Gotteshause zu achten rathen78), 76) Man denke an Stellen wie Sali. lug. 28 wo Jugurtha seine Gesandten beauftragt omnes mortales pecunia aggrediantur. Orosius. rr) Da Orosius die vollständigen Historien benutzte (s. Anm. 73), so darf man wohl in dem ähnlichen Gebrauch von opus und in seinen übrigen ungewöhnlich gewählten Worten VZZ, 9 Quod (templum) postquam in potestatem redactum opere atque aniiquiiate suspexit, diu deliberavit utrum tanquam incita/nentum hoslium incenderet an in testimonium vidoriae reservaret Anklänge an Tacitus vermuthen: sie haben sich bereits Hörnern (de Orosii vita p. 155) aufgedrängt, obschon derselbe eine Vergleichung mit Severus nicht anstellt. Dass Orosius auf die ihm bei Tacitus vorliegenden Motive der Zerstörung nicht näher eingeht, erklärt sich aus seiner entschiedenen und mit dem Plan seiner Schrift eng zusammenhängenden Tendenz, die früheren Kaiser als Christenfreunde darzustellen; er hat das Christenthum des Tiberiiis recht behaglieh ausstaffirt (YU, 4) und lässt Hadrians Verbot Jerusalem zu betreten nur Juden und nicht Christen treffen ( VIT, 13 Christianis iantum civitate permissa, worüber Scaliger zu Eusebios 2148 kurz und bündig urtheilt: quod vanissimum). — Zu beachten ist ausserdem, dass auch Orosius nichts von der 'zufälligen' Verbrennung des Tempels weiss, sondern mit dürren Worten sagt: Titus imperator ab exercitu pronuntiatus templum in Hierosolymis incendit ac diruit. 7e) Als Pompeius die Schätze des von ihm eroberten jüdischen Tempels unangetastet Hess, wollte Cicero diese Enthaltsamkeit nur aus der Furcht vor Verläumdung wegen Unterschieds aber nicht aus der Achtung vor dem Tempel-

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