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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 58

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 58)
Language
German
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56 hohen Grad äusserer Wahrscheinlichkeit verschaffen, dass dieselbe nur durch einen zwingenden Nachweis innerer Unmöglichkeit entkräftet werden könnte. Aber die Prüfung sowohl des geschichtlichen Gehalts wie der Wortfassung dient nur dazu, die Wahrscheinlichkeit noch höher zu steigern. Zuvörderst der Widerspruch gegen Josephus kann für die Annahme dass wir Tacitus vor uns haben nicht anders als empfehlend sein. Tacitus hat es verschmäht, aus den josephischen Schriften sich da zu belehren wo er aus ihnen etwas hätte lernen können, und hat lieber mit hochmüthiger Unwissenheit über die ältere jüdische Geschichte und über die jüdischen Gesetze die abenteuerlichsten Verkehrtheiten in prächtiger Sprache zu Markte gebracht; wie viel weniger wird der Römer um den Juden sich da gekümmert haben wo es galt, römische Kriegspläne und Vorgänge im römischen Kriegsrath zu erkunden. Ueber solche Dinge mussten einem Manne von Tacitus' gesellschaftlicher Stellung neben den veröffentlichten Schriften auch noch geheime Aufzeichnungen und mündliche Nachrichten der zuverlässigsten Art zu Gebot stehen, bei deren Verarbeitung er, da er erst nach Beseitigung des Domitianus die Feder ergriff, an keine von allen den Rücksichten gebunden war, welche das unter Censur der Flavier erschienene Werk ihres jüdischen dienten beherrschen. Noch jetzt sind wir im Stande, wenigstens den Namen eines sicherlich von Tacitus befragten Zeugen zu entdecken, und schon mit Hilfe des blossen Namens den hohen Werth seines Zeugnisses gerade in der vorliegenden Sache zu ermessen. Der unter den Antoninen schreibende MinuciusT4) Felix erwähnt ein von jüdischen Dingen handelndes Buch eines Antonius Julianus. Von dem Buche ist bisher keine weitere Spur gefunden worden. Aber des Verfassers Name drängt diexunabweisbare Vermuthung auf, welcher sogar der keineswegs conjecturensüchtige Tillemont sich nicht erwehren konnte, dass dieser Julianus identisch ist mit dem Procurator von Judäa Marcus Antonius Julianus, welchen Josephus (Bell. VI, 4, 3) als eines der sechs Mitglieder des Kriegsraths aufführt und für Zerstörung des Tempels stimmen lässt. Dass Tacitus die Schrift eines so hochgestellten römischen Augenzeugen unbeachtet gelassen, wäre eben so befremdlich wie seine Vernachlässigung des Josephus natürlich ist; und demnach könnten wir, wenn diese Combinationen sich bewähren, die Quelle des Severischen Berichts noch über Tacitus hinaus bis vor die Mauern des belagerten Jerusalem verfolgen. — Wie sehr ferner Tacitus vor anderen klassischen Bistorikern es hebt bei Verhandlungen im Kriegsrath am Vorabend entscheidender Ereignisse länger zu verweilen, und mit welcher Kunst er die Begründung der verschiedenen Meinungen benutzt, um den tieferen Zusammenhang der militärischen und politischen Verhältnisse darzulegen, müssen Leser, welche für historiographische Composition ein Auge haben, besonders in den Historien (II, 32; 82. III, 2) bemerken, weil dieses Werk viel dichter als die Annalen mit kriegerischen Begebenheiten angefüllt ist. Der Kriegsrath vor Jerusalem bot nun dem Tacitus eine bequeme Gelegenheit zur Aeusserung seines Judenhasses und zur Entwicklung seiner Ansicht von der Gefährlichkeit des Christenthums für den römischen Staat; Alles was er darüber in Ueber- Antonius 74) Octav. c. 33 lässt er den Christen Octavius sagen, Glück oder Unglück der Juden sei nach göttlichen Ge- Juhanus. gg^jj a]s Belohnung für ihre Frömmigkeit oder Strafe für ihre Sünden eingetreten; zum Beweise: Scripta eorum relege, vel si Romanis magis gaudes, ut transeamus veteres, Flhvii Tosepi vel Antonii Iuliani de Iudaev* require. Josephus wird wohl, weil er nicht blos hebräisch geschrieben und weil er das römische Bürgerrecht erhalten hatte (Vita c. 76), zu den Eomani gerechnet. — Tillemont spricht über den Julianus histoire des Empereurs I p. 1021 der Octavausg.

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