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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 55

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 55)
Language
German
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53 und einfach, ces sei deutlich dass Severus den Josephus nicht zu Rath69) gezogen habe; die Quelle jedoch, aus der diese dem Josephus widersprechenden Nachrichten ihm zugeflossen, sei bisher nicht ermittelt.' Versuchen wir also die Quelle zu entdecken. Dass Severus unter den 'heidnischen* Schriftstellern, aus denen geschöpft zu haben er in der Einleitung cgesteht3, vorzüglich den Tacitus für die einschlageuden Theile der römischen Kaisergeschichte ausgebeutet hat, setzen die folgenden Zusammenstellungen ausser Zweifel, und sie lehren zugleich dass er sich nicht mit blosser Wiedergabe des geschichtlichen Inhalts begnügt, sondern sich möglichst eng auch den taciteischen Worten anschliesst. Die Schandthaten Nero's, des Ersten der cdie Christen verfolgte 7°) wie stets jeder Böse die Guten* mag er nicht weitläufig beschreiben; nur in der Kürze will er sagen, derselbe sei nach Verübung der scheusslichsten und grausamsten Dinge endlich dahin gelangt, dass er seine Mutter umbrachte und dass er Sever. Chron. II, 28, 2 Tacit. Annal. XV, 37 post etiam Pythagorae cuidam in modum solennium . . . uni ex illo conlaminatorum grege {nomen Pyconiugiorum nuberet; inditumque imperatori flamthagorae fuif) in modum solenniurtb coniugiorum denumeum, dos ei genialis tJiorus et faces nupliales, cuncta psisset. Inditum imperatori flammeum, missi auspices, denique, quae vel in feminis non sine verecundia condos et genialis torus et faces nuptiales, cuncta denispiciuntur, spectata. que spectata, quae etiam in femina nox operit. Unleugbar ist die Herübernahme eine wörüicjie, aber sie ist darum doch keine mechanisch abschreibende, da aus den zwei merklicheren Abweichungen deutlich die Absicht hervorblickt. Tacitus' Worte missi auspices wurden fortgelassen, weil Severus die zum Verständniss derselben nöthigen antiquarischen Kenntnisse bei seinen Lesern nicht voraussetzen mochte; und weil das verhüllte quae etiam in femina nox operit immer noch zu nackt schien, ward es mit einer dichteren Verhüllung vertauscht. In ganz ähnlicher Weise liegen Berichte und Worte des Tacitus dem nächstfolgenden Capitel des Severus zu Grunde, welches den Brand Roms erzählt und die auf diesen Anlass verübten Grausamkeiten gegen die Christen: 69) Apparet sane Severum non consuluisse libros Iosephi de hello Iudaico .... sed unde haee Iosepho contraria habuerit adhuc incertum. Auch sonst findet sich bei Severus keine Spur von direkter Benutzung des Josephus, dessen Nach- Verhäitniss richten er nur dann kennt, wenn sie ihm durch Vermittelung der eusebianischen Chronik dargeboten waren. Die alte zuJosePll11s lateinische Uebersetzung des Josephus, deren Ursprung noch immer so dunkel ist, mag erst nach d. J. 403 sich verbreitet haben, und für das Nichtvorhandensein des griechischen Originals in Gallien bedarf es unter den damaligen litterärischen Verhältnissen keiner besonderen Erklärung. 70) Auch dieser folgendermaassen lautende Satz: Hie primus Christianum nomen tollere aggressus est: quippe Semper inimica virtutibus vitia sunt et optimi quique ab improbis quasi exprobrantes aspiciuntur enthält in seinen drei letzten Worten Tacitus eine zwar nur stylistische Entlehnung aus Tacitus, der Annal. XIV, 62 auf Anlass des von Nero bei der Ermordung seiner nachseabna< Mutter gebrauchten und dann in Ungnade gefallenen Anicetus sagt malorum facmorum minislri quasi exprobrantes aspiciuntur. — Dass damals in Gallien nicht blos Historiker wie Severus sondern auch Redner ganze Sätze des Tacitus fast unverändert sich aneigneten, zeigt Eumenius, der Paneg. IX c. 9 die Länge der Tage in Britannien mit Tacitus' Worten erklärt, wie bereits Lipsius zu Tac. Agric. 12 bemerkt hat.

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