Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 53)
- Language
- German
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51 liehen. Demgemäss sagen denn auch die einleitenden Verse von jedem der drei Flavier so viel Gutes, als ein gewandter Dichter sagen konnte; am meisten von Vespasianus, der damals den Thron inne hatte und dessen Laufbahn Stoff genug auch für aufrichtiges Lob gewährte; am wenigsten von Domitianus, der damals dem Throne fern stand und ausser thörichten Streichen nur noch Gedichte gemacht hatte; um daher diesen Prinzen nicht mit gänzlichem Stillschweigen zu übergehen, hilft sich Valerius durch eine Hindeutung eben auf seine versificatorischen Launen, indem er ihm als würdigsten Gegenstand seines Gesanges die Thaten seines Bruders Titus empfiehlt. Und da heisst es nun (T, 13), Domitianus möge den Titus schildern geschwärzt von Jerusalems Schlachtstaub, Wie er den Brandpfeil schleudert und wüthet auf jeglicher Zinne {ßolymo nigrantem pulvere fratrem Spargentemque faces et in omni turre furentem). Dergleichen Wendungen eines höfischen Dichters bedeuten nichts, und bedeuten viel. Nichts, wenn sie als direkte Zeugnisse für das wirklich Geschehene dienen sollen; viel, wenn es genügt zu erfahren was am Hofe gern gehört wurde. Im hiesigen Falle darf man mit Sicherheit annehmen, dass zur Zeit als Valerius Flaccus diese Verse schrieb, d. h. in den ersten Jahren nach dem jüdischen Krieg, die Schuld des Brandes von Jerusalem noch nicht auf einen unbotmässigen Legionär geschoben war, sondern Verehrer des Kaiserhauses, ohne Anstoss zu befürchten, dem Titus ein Verdienst daraus machen und sogar den Brandpfeil diesem Fürsten selbst in die Hand geben durften. Allein in noch ganz anders auffallender Weise als durch diese zwar lebhafte, aber doch allgemeine und kurze Andeutung des Dichters wird dem Josephus widersprochen durch die ruhige und bestimmte Erzählung, welche sich bei Severus vorfindet; sie befasst sich nicht mit den verworrenen Zufälligkeiten der tobenden Schlacht, sondern beschränkt sich auf den Kern der Frage, führt uns in das Feldherrnzelt des Titus, und berichtet über den Verlauf des letzten Kriegsraths in folgenden 67) Worten (II, 30, 6): cEs wird erzählt, Titus habe vorher einen Kriegsrath berufen und berathschlagt, ob er cein solches Bauwerk wie der Tempel sei zerstören solle. Einige nämlich meinten, man dürfe ein geweihtes Gotteshaus, das alles Menschenwerk überstrahle, nicht vernichten, da cseine Erhaltung zu einem Zeugniss römischer Milde, seine Verwüstung zu einem unauslöschlichen cMakel der Grausamkeit gereichen müsse. Andere dagegen und Titus selbst stimmten dahin, gerade den Tempel müsse man vornehmlich zerstören, damit der Juden und der Christen Glaube Vollständiger ausgerottet werde. Denn diese Glaubensarten, obzwar einander gegenüberstehend, sucht, lassen Zeit- und Ortsverhältnisse auch bei der früheren Bearbeitung derselben Argonautensage durch Varro Atavarro cinus vermuthen. Denn wie das bellum Sequanicum dieses lieblichen gallischen Dichters schon in dem Titel seine Be- AtacmUi ziehung zu den Kriegen des von den Sequanern herbeigerufenen Ariovist anzeigt, so sind dessen Argonautika, die einzigen, welche die römische Litteratur ausser den valerianischen kennt, wohl auch durch die gleichzeitigen britannischen Unternehmungen Julius Casars angeregt worden. — Ein Seevolk, wie die Griechen waren, hatte zu allen Zeiten ein geneigtes Ohr für Seeabenteuer; bei den Römern, welche mit der 'heiligen Salzfluth' sich nie recht haben befreunden können, musste das Interesse für nautische Stoffe erst durch besondere Zeitereignisse geweckt werden. 67) Den lateinischen Text s. unten S. 57. 7*