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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 52

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 52)
Language
German
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50 ihn unter allen Umständen zu zerstören. Auch über diese Vorfrage giebt nun Josephus freilich eine Auskunft, welche zu der Rolle passt, die er den Titus durchweg spielen lässt. Drei Ansichten, erzählt er {Bell. VI, 4, 3), seien im Kriegsrath vorgebracht worden. Eine Partei habe auf absichtliche Zerstörung des Tempels unter allen Umständen gedrungen; denn so lange er aufrecht stehe, werde das Rebelliren kein Ende nehmen, da das Heiligthum für die Juden von überall her einen Sammelplatz abgebe (jjli] yaq av nozs 3Iovdalovg navtiaad-ai vscoTHQi^ovxagj iov vaov f.i£vovtoc, srp ov oi navrayö&tv avXXbyovzai). Eine andere Partei habe sich gescheut, ein religiösen Zwecken gewidmetes Gebäude geraden Weges zu zerstören und habe den Tempel schonen wollen, falls er von den Juden geräumt werde; sollten sie ihn jedoch vertheidigen, so höre er auf ein Tempel zu sein und dürfe wie ein Castell behandelt werden (jcpqovqiov yäg, ovxeu vaov slvai)^ die Schuld der ZerstöruDg falle dann denen zur Last, welche sie durch ihre Hartnäckigkeit unvermeidlich gemacht hätten. Aber diesen zwei Ansichten gegenüber habe Titus, und da drei von sechs Stimmführern der Versammlung ihm beigetreten, habe die Majorität sich entschieden für Schonung des Gebäudes, selbst wenn die Juden eine militärische Position daraus machen sollten; denn man kämpfe gegen Männer und nicht gegen leblose Mauern; die Zerstörung eines solchen Gebäudes sei ein Verlust lediglich für die Römer; durch die Erhaltung desselben werde ihrem Reiche eine Zierde gewahrt. Diesem Ausgange des Kriegsraths zufolge will nun Josephus in dem dennoch eingetretenen Tempelbrande ein von Titus tief beklagtes Werk des Zufalls oder vielmehr der göttlichen Fügung erkannt wissen; der Legionär, welcher 'ungeheissen3 die zündende Fackel schleudert, soll von einem 'überirdischen Drange (daifiovup oQfijj VI, 4, 5)J getrieben sein. Da man nicht gewohnt und meistens auch nicht im Stande ist, über Einzelheiten der Belagerung von Jerusalem anderswoher als aus dem Buche des Josephus sich zu belehren, so kann es nicht befremden, dass seine Darstellung jetzt die allein gangbare geworden ist, nach welcher nun Titus im Lager vor Jerusalem eben so liebenswürdig und milde, ja fast sentimental (Bell. F, 12, 4) erscheint, wie dieser cLiebling des Menschengeschlechts1 später auf dem römischen Thron sich benommen haben soll und in dem Drama des Racine sich benimmt. Irre an dieser Senthnentalität muss man freilich werden, wenn man in dem von jeher wenig gelesenen Argonauten-Gedicht des Valerius Flaccus eine Schilderung von Titus an der Spitze der Jerusalem stürmenden Legionen findet, die zu dem gewöhnlichen Charakter römischer Generale besser stimmt als das von Josephus entworfene Bild. Nun steht aber die Poesie jenes begabten Dichters zu dem flavischen Kaiserhause in eben so naher Beziehung wie die Historiographie des Josephus; denn nicht blos gewidmet ist das Gedicht dem Vespasianus; auch bei der Wahl des Stoffes hat die Absicht vorgewaltet, das glänzende Verdienst des Vespasianus um die Sicherung der römischen Herrschaft in Britannien und die Eröffnung der oceanischen Schiffahrt66) in dem mythischen Spiegelbilde des durch die Argo eröffneten Pontos zu verherr- Vaierius 66) Diese Beziehung hebt der Dichter selbst hervor in der einleitenden Anrede an Vespasianus, welche zugleich Fiaccus. einen Seitenblick auf die erloschene Dynastie der Julier und die erfolglose Expedition ihres Ahnherrn enthält (7, 7): Tuque, o, pelagi cui maior (als der Argonauten) aperti Fama, Caledonius postquam tua carbasa vexit Oceanus (s. Tacit. Agric. 13. 17), Phrygios prius indignatus Iulos. Unter diesem Gesichtspunkt gewinnen auch solche Stellen des Gedichts, wie I, 169, und besonders Jupiters Verkündigung des die claustra maris erschliessenden Römerreichs (I, 557) eine grössere Lebendigkeit. — Eine ähnliche Opportunität, wie sie Valerius in ausdrücklichen Worten seinem Werke zu verschaffen

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