Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
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46 indem er erstlich die erzählten Ereignisse mit fortlaufenden chronologischen Daten versieht, und indem er zweitens nichtbiblische Nachrichten zur Ergänzung der biblischen verwendet. Mit der Chronologie hat er es recht ernstlich genommen und schwierigere Punkte derselben auch in Episoden besprochen, die zwar nicht so häufig und ausgedehnt sind, dass der leichte Fluss der Erzählung wesentlich gehindert würde, aber doch oft genug eintreten, um des Verfassers Neigung für solche Untersuchungen zu bekunden. Ausser den bezüglichen Angaben der Bibel selbst, benutzt und citirt er vornehmlich die Chronik des Eusebios (s. den Anhang), die schon seit dem Jahre 380 in der lateinischen Uebersetzung des Hieronymus (Vallars. XI, 1 p. 66) verbreitet war, und die er, da an seiner KenntDiss des Griechischen zu zweifeln kein Grund ist, gewiss auch im Original studirt hat; er hatte sich mehrere Exemplare derselben verschafft, um die Fehler der Abschreiber besonders in den Zahlen controliren zu können (I/, 9, 8), wie er denn solche Zahlenfehler auch in den ihm vorliegenden Handschriften der griechischen und lateinischen Bibel mit berechtigtem Freisinn annimmt und die schlimme, nur zu sehr eingetroffene Ahnung nicht unterdrücken kann, dass eine ähnliche Verwahrlosung seitens der Abschreiber den vielen so mühsam ausgerechneten Jahreszahlen in seinem eigenen Werke bevorstehe 6!). Aber auch entlegenere chronologische Hilfsmittel hat er neben den eusebianischen zu Rath gezogen. Unter den "vielen Büchern die er nachgeschlagen (dum multa evolverem II, 5, 7)* erwähmt er als vorzüglich ergiebig ein anonymes Verzeichniss der Regierungsjahre babylonischer Könige, und die zum Theil recht erlesenen Angaben, welche er demselben entnimmt, haben längst die Aufmerksamkeit der neueren Chronologen erregt62). So stark wirkte auch auf ihn der wundersame Reiz chronologischer Forschung, welche von jeher nur die Draussenstehenden abgestossen, die Eingetretenen aber bezaubert und leider oft verzaubert hat, dass, als diese Studien ihn beschäftigten, er sogar in die Briefe an seine Freunde chronologische Probleme und Bitten um deren Auflösung einstreute. Die verlegene Antwort des Paulinus von Nola (ep. 28 p. 174 Mur.~) auf eine solche chronologische Zumuthung ist uns noch erhalten, und sie lässt deutlich erkennen, das Severus' Vorliebe für syn- Kntiscbes. 61) Bei der grossen Seltenheit solcher kritischen Aeusserungen in der ecclesiastischen Litteratur wird man die fraglichen Worte des Severus hier gern vollständig lesen. Nach seinen eigenen Rechnungen hatte sich ihm das Intervall zwischen dem Auszug aus Aegypten und dem Beginn des salomonischen Tempelbaues auf 588 Jahre gestellt, während er in seinen Handschriften der Septuaginta, wie auch wir in den unsrigen, 1 Reg. 6, 1 die Summe von 440 Jahren, statt 480 der hebräischen Urschrift, angegeben fand. Hierüber spricht er nun folgendermaassen (2, 40, 1): quarto fere imperii anno primum fundamentum {templi Solomon) iecit, a profectione Hebraeorum ex Aegypto anno fere octavo et octogesimo et quingentesimo. Licet libro Regnorum tertio CCCCXL fuisse referantur, quod nequaquam convenit; siquidem per seriem superius comprehensam facilius fueritj ut minus fortassis annorum quam amplius annotarim. Sed non dubito, librariorum potius negligentia, praesertim tot iam saeculis intercedentibus, veritatem fuisse corruptam quam ut propheta erraverit; sicut in hoc ipso nostro opusculo futurum credimus ut describentium incuria quae non incuriose a nobis sunt digesta vitientur. 6a) Ich begnüge mich mit der Verweisung auf Clinton fast. Hellen, p. 335 ed. Krüg., wie ich auch im Uebrigen ein näheres Eingehen auf die chronologischen Resultate des Severischen Werkes absichtlich vermeide, da sie für die litterärgeschichtliche Charakteristik desselben unwesentlich sind und mit Nutzen nur im Zusammenhang einer systema- Pascbaltischen Darstellung der gesammten biblischen Chronologie behandelt werden können. — Von der praktischen Anwencyclus" dung, welche Severus seinen chronologischen Studien gab, zeugt die Nachricht dos Aldhelmus (opera ed. Giles p. 86) dass zu seiner Zeit (639 —709) der alte Paschalcyclus von 84 Jahren, welcher sich auf den britischen Inseln so lange behauptet hat, dort iuxta Sulpicii Severi regulam im Gebrauch war. Eine weitere Verhandlung über diese Notiz findet man bei Van der Hagen Animadv. in Prosperi chronicon p. 343.