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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 47

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 47)
Language
German
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45 lässt es einen Stachel zurück, der einen nicht sonst schon bibelfreundlichen Leser auf dieselbe hindrängen müsste. Wo er aber, unter Verweisung auf die ausführlicheren Quellen, etwas übergeht, da macht er von der Beschaffenheit des Ausgelassenen solche Angaben und giebt seinen citirenden Worten eine solche Schattirung, dass sie den gewöhnlichen Leser eher abschrecken als einladen müssen, das Citat zu verificiren. Z. B. die Stammtafel der Nachkommen Esau's {Gen. 36) hat er in sein cknappes Werk* nicht aufnehmen mögen; 'wem besonders daran liegt (si q?iis studiosior evit I, 10, 4)', der möge sich an die Quellen halten. Die Gebote über den Bau der Stiftshütte (Exod. 25—31) lässt er fort, weil sie ihm cgar weitläufig (prolixa admodum i, 19, 3)* erschienen sind. Dass der ganze Leviticus übergangen wird als cangefüllt mit Priesterregeln und unergiebig für die Geschichte*, ist schon oben (S. 31) berührt worden. Aber auch auf die geschichtlich so wichtige Ueberlieferung von den Städten der Urzeit (Gen. 10) hat er ckeine Lust näher einzugehen (norninatim per sequi animus non fuit I, 4, 3)*; das Verzeichniss der kanaanitischen Könige (los. 12) wird cim Streben nach Kürze (dum breoitati studemus I, 23,4)' mit zwei Worten abgethan; ja, sogar die gesammte Chronologie der Könige des Zehnstämmereichs hat er als überflüssig (superflua I, 47, 2)* ausgeschieden. Wie nun diese Beispiele darthun, dass die Beziehungen zwischen dem Auszuge und der Quelle keineswegs innige sind, so zeigen sie andererseits, welch beträchtliche Einschränkung das Vorgeben der Einleitung bedarf, es sei trotz der angestrebten Kürze cfast keine Begebenheit1 unerwähnt geblieben. Von denjenigen Begebenheiten freilich, welche die Bibel selbst mit erschöpfender Ausführlichkeit erzählt und die sich daher ohne Mühe nacherzählen Hessen, mag wohl keine fehlen 5 und Geschichten wie die von Esther und Judith sind sogar mit unverhältnissmässiger Breite (II, 12—17) behandelt, gewiss nur deshalb, weil sie für den leichten Erzählerton einen so dankbaren Stoff abgeben; überall jedoch wo der wahre Geschichtsforscher sich gerade durch die karg andeutende Kürze der Bibel zum Ergründen und Verweilen gereizt findet, verdoppelt Severus seinen Excerptorenschritt und eilt auch an ''Begebenheiten* vorüber. Er wollte eben kein forschendes Geschichtswerk, sondern ein gejcln^Miches Jjesebuch liefern, und hatte die im alten Aquitanien wohl ebenso fest wie im modernen Frankreich eingebürgerte Kunst gelernt, das Lesebuch nun auch lesbar vorzüglich dadurch zu machen, dass Alles ferngehalten wird, was das Behagen stören, zu anstrengender Theilnahme an einer Einzelforschung nöthigen, oder sonst eine merkliche Unterbrechung der einmal angeregten Grundstimmung herbeiführen könnte. Sicherlich liegt in diesem Streben, den bequemen Ton des Lesebuchs festzuhalten, auch der hauptsächlichste, wenngleich nicht der alleinige, Anlass zu der beim ersten Blick so sehr auffallenden Aussonderung der neutestamentlichen Bücher. Severus sagt es selbst (II, 27, 3): cDen Inhalt der Evangelien und der Apostelgeschichte habe er zu berühren nicht gewagt, damit der Würde dieser Dinge durch die knappe Form seiner Arbeit kein Abbruch geschehe (ne quid forma praecisi operis verum dignitatibus diminuevety. Mit anderen Worten: Eine auf rBegebenheiten* beschränkte Auswahl und eine schlichte Erzählung wären beim Neuen Testament unthunlich gewesen-, das Dogma hätte nothwendig die Geschichte übertönen müssen; um einfacher Geschichtserzähler bleiben zu können, biegt daher Severus ehrfurchtsvoll aus nicht blos vor den Evangelien sondern auch11 vor der an ""Begebenheiten* doch so reichen Apostelgeschichte. Ausser durch dieses Ablehnen des Dogmatischen will Severus, wie die Einleitung ferner hervorhebt, seinem Werke noch durch zwei positive Mittel das rein historische Gepräge verleihen,

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