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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 46

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
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44 cund die Gebildeten tiberwiesen werden. Jedoch was die geordneten Auszüge aus den heiligen Büchern 'angeht, möchte ich denen nicht meinen Beifall geben, welche dieselben so lesen wollen, dass sie 'allein danach greifen;., und die Quellen, aus denen sie abgeleitet worden, unbeachtet lassen. Man cmöge vielmehr mit den Quellen sich vertraut machen, und dann das dort Gelesene hier von Neuem csich vergegenwärtigen. Denn die Geheimnisse der göttlichen Dinge lassen vollständig sich nur caus den Quellen selbst schöpfen*59). Vergleichen wir diese Ankündigungen mit dem im Werk Geleisteten, so darf es zunächst dahingestellt bleiben ob die fielen3, durch deren ernstliches Fordern Severus sich zu seiner Arbeit bewegen lässt, leibhaftige Personen waren, oder ob sie zu den Personificationen gehören, mit welchen die Schriftsteller aller Zeiten, gleichsam wie mit einer mythologischen Maschinerie, ihre Vorreden zu beleben pflegen. Auch in dem letzteren, wahrscheinlicheren Falle ergiebt sich was allein zu erfahren uns wichtig sein kann, dass Severus zu seinem Unternehmen bestimmt wurde vorzüglich durch das Bedürfniss solcher Leser, welche die Bibel noch nicht kannten, sondern erst kennen lernen wollten, aber nicht Zeit und Lust fanden, sich durch die vielen Bände der wörtlichen Uebersetzung hindurchzuarbeiten. Er muss sogar fürchten dass diese Art von Lesern, nachdem sie in den Besitz eines Compendiums gekommen, die bändereichen Quellen gar nicht zur Hand nehmen. Hiergegen verwahrt er zwar sein frommes Gewissen in dem etwas gewundenen Schlussatz; er kann einer solchen, die Quellen verdrängenden Benutzung des Auszugs nicht cBeifallJL0) geben'; er wünscht vielmehr dass man seine Arbeit nicht als ausschliessliches Mittel des Kennenlernens {cognoscere\ wie jene "Vielen' wollten, sondern neben den Quellen zur Wiederholung (recogaoscere) gebrauche. Jedoch hat er keinerlei Vorkehrung getroffen, die Erfüllung dieses Wunsches zu erzwingen. Was er überhaupt erzählt, ist nun auch in sich abgerundet, setzt, um verstanden und genutzt zu werden, weder eine vorherige Bekanntschaft mit der Bibel voraus, noch Einleitung. 59) Res a mundi exordio sacris litteris editas breviter constringere et cum distindione temporum usque ad nostram memoriam carptim (= Sallust. Cat. 4) dicere aggressus sum, multis id a me et studiose (so der Vaticanus statt me studiose des FJacius) efflagitantibus, qui divina compendiosa lectione cognoscere properabant (= Sallust. Cat. 7 conspici .... properahaf). Quorum ego voluntatem secutus non peperci labori meo quin ea quae permultis voluminifjwi perscripta continebantur duobus libellis concluderem, ita brevitati studens ut paene nihil gestis subduxerim. Visum autem mihi est non absurdum cum usque ad Christi crucem Apostolorumque actus cucurrissem, etiam post gesta connectere (so der Vaticanus statt convertere des Flacius): excidium HieroRolymae vexationesque populi Christiani et mox pacis tempora ac rursum ecclesiarum intesünis periculis turbata omnia locuturus (dieses, wie die Construction zeigt, verderbte Wort überzeugend zu bessern ist bisher nicht gelungen). Ceterum illud non pigebit fateri, me, sicubi ratio exegit, ad distinguenda tempora continuandamque Seriem usum esse historicis ethnicis atque ex his quae ad supplementum cognitionis deerant usurpasse, ut et imperitos docerem et litteratos convincerem. Verumtamen ea quae de sacris voluminibus breviata digessimus non ita legentibus auctor accesserim (s. Anm. 60) ut, praetermissis his unde derivata (so der Vaticanus statt praetermissis Ulis unde haec derivafa des Flacius) sunt, appetantur; nisi cum illa quis familiariter noverit, hic recognoscat quae ibi leger it. Etenim universa divinarum rerum mysteria non nisi ex ipsis fontibus hauriri queunt. Nunc initium narrandi faciam (= Sallust. Cat. 4 extr.~). auctor. 60) Dass auctor in den eben (Anm. 59) mitgetheilten Worten legentibus auctor accesserim nicht die gewöhnliche Bedeutung 'Rathgeber, Anstifter' habe, lehrt accesserim, welches nur das nachträgliche Hinzutreten eines Gutheissenden bezeichnen kann, etwa wie in den publicistischen und juristischen Redensarten patres auctores fieri und tutorem audorem fieri für Ratificiren und Einstimmen gesagt wird, nach Paulus' [Dig. 26, 8. 3) Erläuterung: probare quod ugitur, hoc est audorem fieri. — Einen Beweis für die Verbreitung der Lektüre des Severus im sechszehnten Jahrhundert giebt das Wiederkehren dieser eigenthümlichen Wendung bei Petrus Daniel in der Vorrede zu seinem Servius (Rh. Mus. XIV, 535 letzte Zeile): quo fit ut non fädle legentibus auctor accesserit etc.

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