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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 45

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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43 den Rbetoren durch die That zu beweisen, dass man von biblischen Dingen auch in einer anderen als in der cFischersprachei schreiben könne. Dieser Beweis durfte, da es ein factischer sein sollte, nicht erst unter ausdrücklicher Ankündigung angetreten werden; jedes Reden darüber hätte sogar als Herausforderung der Kritik erscheinen und die Wirkung beeinträchtigen müssen; und daher hat Severus gänzlich geschwiegen von dieser ersten der zwei oben (S. 29) bezeichneten Eigenthümlichkeiten seines Werkes, welche in der stylistischen Form liegt. Um so bestimmter hat er selbst auf die andere Eigenthümlichkeit, welche durch die stoffliche Auswahl bedingt ist, in der Einleitung hingewiesen, die hier unverkürzt folgt, weil sie nicht allzu lang ist und einen passenden Leitfaden für den weiteren Fortschritt unserer Untersuchung darbietet. rIch habe es unternommen — sagt er — die in der heiligen Schrift überlieferte Geschichte von dem Weltbeginn an kurz zusammenzudrängen und unter genauen Zeitangaben bis auf cdie Gegenwart herab in grossen Umrissen zu erzählen, weil dies von mir Viele ernstlich forderten, 'welche die göttlichen Dinge im Wege eines zeitsparenden Lesens kennen zu lernen sich beeilen cwollten. Ihrem Verlangen nachgebend habe ich keine Mühe gescheut, um den in so sehr vielen cBänden verzeichneten Inhalt in zwei Büchlein einzuschliessen, habe aber bei diesem Streben nach 'Kürze dennoch von Begebenheiten fast nichts unterdrückt. Nachdem ich so die heilige Geschichte rbis zu den Evangelien und der Apostelgeschichte durchlaufen, schien es mir nicht unpassend, auch cdie späteren Begebenheiten anzuknüpfen: die Zerstörung Jerusalems, die Bedrängnisse der christclichen Gemeinde, die dann folgenden Zeiten des Friedens und dann wiederum die allgemeine 'Verwirrung durch Gefahren im Innern der Kirche. Uebrigens trage ich kein Bedenken zu gestehen, dass ich, wo mein Plan es erforderte, zu genauer Zeitangabe und zu Fortführung der 'geschichtlichen Reihenfolge auch heidnische Geschichtschreiber benutzt und aus ihnen entnommen 'habe was zur Vervollständigung der Kunde mangelte, damit zugleich die Ungelehrten unterrichtet guia regnum Dei non in eloquentia sed in fide constat. Meminerint etiam, salutem saeculo non ab oratoribus — cum utique, si Sprachliche utile fuisset, et id quoque Dominus praestare potuisset — sed a piscatoribus praedkatam (nach der Lesai"t des veronesischen Capitularcodex). Ego enim cum primum animum ad scribendum appuli (also den Terenz nachzuahmen kann er selbst in der Fischersprache sich nicht versagen) quia nefas putarem tanti viri (des Martinus) latere virtutes, apud me ipse decidi ut soloecismis non erubescerem. — Dass es auch in der Chronik, trotz der erstrebten Eleganz, nicht an Zeichen der sinkenden Sprache mangelt, wird Niemand überraschen. Z. B. ist dissimulatum geradezu für negligere gebraucht U, 1, 4 dissimudissimilare Uttum Imperium regis und I, 13, 3 nec dissimulari cruentum Imperium licebat. Vgl. in dem vortrefflich geschriebenen Brief des Pelagius an Demetrias c. 3 extr. {Hier. ed. Vallar. Vol. XI par. 2 p. 5): Et improbissimi hominum dum dissimulant id ipsum bene administrare quod facti sunt, aliler se factos fuisse malunt. — Ebenso überschreitet der Gebrauch von cur statt cur. propterea quod weit die für die gute Sprache geltenden Gränzen in folgenden Sätzen: I, 38, 6 veniam a Domino petens (David) cur in id animos extulisset; 11,15, 8 Holofernes ira accensus cur ex peccato potissimum Iudaeorum pendere illius victoria putaretur. Dasselbe, auch dem Sidonius geläufige, cur bietet die Vaticanische Handschrift noch an zwei anderen Stellen I, 35, 5 Saul Abimelech sacerdotem interemit cur David recepissel und J, 44, 6 spreto Michaea propheta et in vincula coniecto cur ei exitiabilem fore pugnam denuntiasset, wo Flacius beidemal quod hat. — In gleicher Weise findet sich bei Flacius siquidem. siquidem mit dem Conjunctiv nur Einmal ZZ, 5, 7; der Vaticanus bezeugt es, ausser in der oben Anm. 48 behandelten Stelle, auch noch J, 7, 4 siquidem . . . ageret. — Andererseits gewährt der Vaticanus, statt der tadelhaften Wortbildung alMtudo-, /, 16, 5 glaciali albedine erat, die gute plautinische Form albitudine, wie er auch in I, 9, 3 Rachel desperata iam partitudine Partitudo- Ioseph edidit eine ebenfalls plautinische Form bewahrt, welche bei Flacius durch die Interpolation desperato iam partu verwischt ist. Eine ebenso unberechtigte Interpolation I, 49, 5 cibo potuque abstinere iubentur verdrängt bei Flacius abstineri. die gewählte, im Vaticanus erhaltene Wendung cibo potuque abstinentur. 6*

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