Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
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42 ihren Geschmack verletzte. Selbst der junge Augustinus, der Sohn einer gläubigen Mutter, fand, nachdem bereits Cicero's Hortensius seine schlummernden Kräfte geweckt hatte und Lust zur Bibel in ihm sich regte, dennoch an ihr kein dauerndes Gefallen, weil sie ihm cjedes Vergleichs mit der Stattiichkeit des Marcus Tullius (Tulliana dignitas, Confess. III, 5) unwürdig schien3. Und nicht nur ergötzlich sondern auch recht lehrreich für die ganze damalige Stimmung der gebildeten Kreise ist die Schilderung, welche Hieronymus, in dem bekannten halb ernsten halb scherzenden Bericht über seine ciceronische Geisselung (ep. 22 Vol. I, 115 Vall), von seinem eigenen Zustande .entwirft, wie er nach einer in inbrünstiger Andacht durchwachten Nacht früh Morgens die Komödien des Plautus zur Hand nimmt, dann wieder in sich geht, die Propheten zu lesen versucht, aber sich abgestossen fühlt durch den vernachlässigten Ausdruck {sermo horrebat incultus). Wenn dies den ernsteren Naturen widerfuhr, was mussten nun erst Menschen wie z. B. Ausonius empfinden, der gewiss nicht eine Ausnahme sondern eher das Musterbild der aquitanischen Gesellschaft darstellt. Dass dieser Lehrer des frommen, zuerst den heidnischen Ornat des Pontifex Maximus ablegenden Kaisers Gratianus der christlichen Gemeinde angehörte, steht für alle Besonnenen längst ausser Zweifel; ebenso unzweifelhaft aber beweisen seine Schriften dass er die Bibel nicht anders als von Hörensagen gekannt hat. Er und die aquitanischen 'Professoren', welche er besingt, hätten um ihres Glaubens willen wohl jede andere Noth und Schmach lieber gelitten als die Noth, solche Solökismen lesen, und die Schmach, solche Barbarismen in die Feder oder den Mund nehmen zu müssen, wie sie jeder Vers der Itala oder der Septuaginta enthält. Und eben weil für diese Kreise die Bibel so gut wie nicht vorhanden war, fand die Schwärmerei bei ihnen einen so leichten Eingang. Für alle ähnlichen litterärischen und religiösen Zustände gilt ja der Zusammenhang von Ursache und Folge, welchen Augustinus andeutet, indem er, unmittelbar nach dem Bekenntniss seiner vormaligen Abneigung gegen die Bibel, zu beichten fortfährt: cso fiel ich denn (incidi itaque, Conf. III, 6 mit) in die Hände der Manichäer1. Was aber die Manichäer für Africa, waren für Aquitanien die Priscillianisten. Wie mächtig diese dort zu Severus' Zeit und in seiner nächsten Nähe fortbestanden, welch wirksames Mittel der Propaganda sie bei der litterärischen Stimmung Aquitaniens an ihrer klassischen Bildung besassen, ist oben (S. 6 und 8) dargelegt worden; und je ernstlicher Severus das blutige Einschreiten gegen sie missbilligte, desto mehr musste er sich aufgefordert fühlen, sie mit den Waffen der Feder auf ihrem eigenen Felde zu bekämpfen. Er wählte eine unverfängliche und zugleich das Uebel tief an der Wurzel fassende Art des Angriffs, indem er es versuchte, den einfachen, thatsächlichen Inhalt der biblischen Schriften als lesbares Geschichtsbuch den Rhetoren und gebildeten Frauen, unter welchen der Priscillianismus den zahlreichsten. Anhang gefunden hatte, in die Hände zu spielen. Weil es für solche Leser keinen anderen historischen Styl gab als den durch Sallustius und Tacitus fixirten, deshalb sucht Severus diesen klassischen Vorbildern möglichst nahe zu bleiben, und während er in anderen, für die bereits Glaubensfesten bestimmten Schriften geringschätzig von der '"Beredsamkeit' spricht und sich dessen rühmt dass er über Solökismen 58) nicht erröthe, hat er in der Chronik alle Mittel aufgeboten, um ss) In dem Brief an Desiderius, welcher die Einleitung zu der Vita Martini bildet, sagt Severus: bona id venia a lectoribus postulabis ut res potius quam verba perpendant et aequo animo ferant si aures eorum vitiosusforsitan sermo perculerit,