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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 32

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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30 corum purissimus scriptor, Emend. ternp. p. XXIV ed. tert.y eingetragen hat, so merkt man freijich bald, dass ihm die römische Sprache nicht mehr in so freiem Ergüsse aus der Feder fliesst, wie sie unter den Prosaikern wohl zum letzten Mal bei Lactantius erfreut, zur Entschädigung für dessen bedauerliche Gedankenarmuth, und wie sie in gebundener Rede noch ein Jahrhundert später bei einem Zeitgenossen des Severus, bei dem Alexandriner Claudianus, sich vereint findet mit dem Glanz einer griechischen Phantasie. Auf solche eigenkräftige Fülle des guten Ausdrucks darf man bei Severus nicht rechnen. Seine Klassicität ist eine abgelauschte; zwar recht fein abgelauscht, denn er hat seinen Vorbildern nicht die Schlagwörter nachgesprochen, sondern ihre leiseren Eigenheiten sich zu merken versucht. Aber bei nur einiger Bekanntschaft mit den klassischen Geschichtschreibern liest man doch fast keine Seite der Chronik ohne wahrzunehmen dass er hier diesen und dort jenen behorcht hat. Zugleich wird man jedoch eine kunstverständige Auswahl des für seinen Zweck Brauchbaren erkennen. An das archaistische Lexikon des Sallustius hat er sich nicht gewagt, dagegen will er sich von ihm die rasche Schwenkung in den Uebergängen, das straff über die Sache gespannte Wort gern aneignen; ebenso hat er vor der schallenden Rhetorik und der üppigen Malerei des Tacitus sich gehütet, während er das Einflechten kurzer psychologischer "Winke in die Erzählung ihm abzulernen strebt. Manchmal hat er auch für die Bildung eiliger Uebergehungsformeln, deren er bei seiner compendienartigen Arbeit so oft bedurfte, den Vorrath des geistreichen Compendiumschreibers Vellerns49) benutzt. Alle diese zuweilen recht wörtlichen Herübernahmen sind jedoch in einheitlichen Fluss gebracht, wie ja auch die genannten Klassiker im Wesentlichen einer und derselben stylistischen Schule angehören; und man würde sehr irren, wollte man den Severus in Eine Reihe stellen mit den eigentlichen Scribenten der Reminiscenz, z. B. mit Sidonius oder den meisten Neulateinern. Er ist weit entfernt von jeglicher Buntscheckigkeit, und gänzlich frei von dem noch schlimmeren und noch häufigeren Gebrechen der aus fremdem Munde Redenden, dass die erborgte Phrase den eigenen Gedanken knechte oder verzerre. Er sagt nie weniger und nie mehr als er sagen will; und es ist sehr fraglich ob die gleichzeitigen Leser, welche weder mit unseren philologischen Hilfsmitteln versehen noch zu mikroskopischer Imitationenjagd aufgelegt waren, überhaupt mehr von Nachahmung spüren konnten als sie der Absicht des Severus gemäss spüren sollten. Es sollte die "biblische Geschichte in der Sprache der anerkanntesten römischen Historiker vorgetragen und demnach musste der Leser in Benutzung 49) Zu den Singularitäten, an welchen die Textesgescliichte des Vellerns so reich ist, gehört bekanntlich auch les Vellerns, ^jgg^ ^ggg vor priscjan sein Werk weder von Grammatikern noch sonst erwähnt wird. Die Entlehnungen des Severus aus ihm erhalten daher ein ungewöhnliches Interesse, weil sie den Beweis liefern, dass der scheinbar verschollene Autor von den gallischen Schulen des vierten Jahrhnnderts in den Kreis ihrer Lektüre gezogen war. Unverkennbar ist die Benutzung in folgenden Beispielen: Chrwi. 7, 45, 3 (von den Wundern des Elisäus) quae omnia notiora sunt (juam ut stilo (so der Vaticanus statt ut nostro stylo des Flacius) egeant Vell. II, 43, 3 (von den früheren Thaten Julius Casars) quo notiora sunt minus egent stilo. — Chron. II, 82, 6 quas (viartyrum passiones) connectendas (ß. Anm. 59) non putavi, ne modum operis excederem. I, 20, 1 nos enim suseepti operis mndum cuatodientes, solam hMoriam persequimur. II, 27, H attingere non ausus, ne quid forma praecisi operis rerum dignitatihus diminueret Vell. II, 52, 2 non reeipit enarranda hic scripturae modus. II, 66, 3 cogit enim yrcedere propositi formam operis. I, 16, 1 cum haec particula operis velut formam propositi excesserit. — Chron. II, 26, 5 (von Pompeius) Victor omnium gentium quas adierat — Vell. II, 40, 2 (ebenfalls von Pompeius) Victor omnium quas adierat gentium und 107, 3 (von Cäsar) Victor 'omnium gentium locorumque quos adierat. Die meisten Entlehnungen dieser Art hat Ruhnken zum Vellerns angemerkt5 den Herausgebern des Severus sind sie entgangen.

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