Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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28 versuchten, hat sie wohl Niemand auf das römische Imperium mit solcher Kühnheit47) in öffentlicher Schrift angewandt und dabei einen so sichern Blick für die eben hervorgehobenen politischen Hauptmomente bewährt, wie Severus in folgenden, wegen ihrer geschichtlichen Bedeutsamkeit wörtlich mitzutheilenden Sätzen: cDie eisernen Schenkel sind das vierte Reich (Dan. 2, 40); darunter cgiebt das römische sich zu erkennen, bei weitem das stärkste im Vergleich zu allen vorangegangenen Herrschaften. Die Füsse jedoch, welche theils eisern, theils thönern sind (Dan. 2, 41), geben 'die Vorbedeutung von einer derartigen Theilung der römischen Herrschaft, dass sie nie wieder ceins werden könne; und dies hat sich gleichfalls erfüllt. Wird doch der römische Staat schon cnicht länger von Einem Kaiser, sondern sogar von mehr als zweien regiert, und zwar von solchen, cdie fortwährend sich bekämpfen, sei es mit Waffen oder mit Politik. Endlich wenn die Thon- Scherben und das Eisen unter einander gemischt werden, ohne dass je die Stoffe sich verbinden c(Dan. 2, 43), so sind damit die Mischungen des Menschengeschlechts bei fortdauernder Abneigung 'gegen einander angedeutet. Ist es doch offenkundig, dass der römische Boden von ausländischen cStämmen entweder, nachdem sie zum Kriege sich erhoben, besetzt, oder, nachdem sie in einem 'Scheinfrieden sich unterworfen haben, ihnen überwiesen worden, und sehen wir doch, wie barbarische Völker......in unseren Heeren, Städten und Landschaften mit uns vermischt leben, 'ohne dass sie darum in unsere Sitten sich fügen0 48). 47) Dass Verkündigungen des Untergangs von einer schwachen Regierung strenger beaufsichtigt und geahndet werden als von einer starken, liegt in der Natur der Sache nnd lässt sich gerade für unsere Danielstelle durch ein gleichzeitiges Beispiel erweisen. In Hieronymus' Commentar findet sich zu Dan. 2, 40 folgendes (Vol. 5 p. 6H4 ValL): Regnum autem quartum, quod perspicue pertinet ad Romanos, ferrum est, quod comminuit et domat omnia. Sed pedes eius et digiti ex parte sunt ferrei et ex parte sunt ßctiles, quod hoc tempore manifestissime comprobatur. Sicut enim in principio nihil Romano imperio fortius et durius fuit, ita in fine rerum nifiil imbecillius, quando et in hellis civilibus et adoersum diversas nationes aliarum gentiain barhararum indigemus auxilio. Diese Worte sind, wie Vallarsi {ibid. p. XIV) nachweist, i. J. 407, also vier Jahre nach der Severischen Chronik und noch bei Lebzeiten des Stilicho, geschrieben. Kurz und vorsichtig, wie sie besonders neben denen des Severus erscheinen müssen, konnten sie dennoch von den Widersachern des Hieronymus zu Denunciationen benutzt werden, deren schlimme Folgen nur durch den bald darauf eingetretenen Sturz des Stilicho verhindert wurden. Hieronymus erzählt dies selbst in der Vorrede zum elften Buch seines Jesaias-Commentars. 4e) Ghron. II, 8, 5: crura ferrea iniperium quartum, idque Romanum intelligitur, omnibus ante regnis validksimum (der Ablativ wie bei Arnobius ado. gent. II, 48 omni vero verissimum est certoque certissimuni); pedes vero partim ferrei partim ficülcs dicidendum esse Romanum regnum ita ut nunquam inter se coeat praeßgurunt; quod aeque impletum est, siquidem iam non ab uno imperatore sed etiam a pluribus sempcrque inter se arrnis aut studiis dissenfientibus res Romana administretur (so der Vaticanus statt adininistralur). Denique quod commiscentur (so schreibe ich statt denique commisceri) testum alque ferrum nunquam inter se coeunte materia (so schreibe ich statt coeuntem materiam), commistiones humani generis futurae a se incicem dissidentes significantur; siquidem Romanum sola/n ab exteris gentibus aut rebellibus occupatum aut dedentibus se per pacis speciem (so Sigonius statt dedentibus semper pacis specie) traditum coristet (so der Vaticanus statt constaf), exercitibusque nostris, urbibus atque provincvs permistas barbaras nationes et praecipue ludueos inter nos degere nec tarnen in mores nostros transire videamus (dieser freilich unklassische Conjunctiv steht hier übereinstimmend bei Flacius und im Vaticanus, weshalb ich ihn auch in den früheren Fällen vom Vaticanus angenommen habe; vgl. Anm. 58). — Die Worte des letzten Satzes et praecipue Iudaeos habe ich aus der Uebersetzung fortgelassen, weil sie verderbt sind und ohne Kühnheit nicht verbessert werden können. Verderbt sind sie; denn erstlich waren die Juden seit vielen Jahrhunderten über das römische Reich hin verbreitet und Severus selbst hat dies II, 30, 8 bei Gelegenheit der Zerstörung Jerusalems durch Titus hervorgehoben; eine 'Vermischung' mit ihnen im fünften Jahrhundert konnte also unmöglich den Untergang des römischen Reichs in nahe Aussicht stellen. Zweitens legt Severus, wie auch -Hieronymus (s. Anna. 47), offenbar das meiste Gewicht auf das Eindringen der Fremden in die römischen Heere, und darüber ist hinsichtlich der Juden für Severus' Zeit nichts bekannt, was von dem früher Ueblichen verschieden wäre und als Zeichen der Zukunft hätte auffallen können; das Gesetz des Honorius vom J. 418 {Cod. Theod. 16, 8, 24) lässt sogar das jüdische Element im römischen Heer auch