Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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27 sowohl in seinem Urtheil über Monarchie wie in der ungemessenen Heftigkeit, mit der er es ausspricht, eine Sonderstellung ein, die nur durch ein Zusammentreffen der ungewöhnlichsten Zeit-, Ort- und Personenverhältnisse erklärlich wird. Nur während der Regierung eines Minderjährigen wie Honorius war, der an dem Vandalen Stilicho nicht seinen Minister oder Vormund sondern seinen Hausmeier hatte, nur in einer Provinz wie Gallien, die von jeher nach Selbständigkeit strebend erst vor Kurzem zweimal, unter Maximus und unter Arbogastus, ihre Heere über die Alpen gegen Italien gesandt hatte, nur in einem Jahrhundert wie das fünfte, dessen erstes Jahrzehend schon die Einnahme der römischen Hauptstadt durch Alarich sah, konnte die Geringschätzung, welcher der römische Monarch und die römische Monarchie seit lange verfallen waren, sich in solchen Angriffen gegen Monarchie überhaupt Luft machen, wie Severus sie ungestraft gewagt hat. Entsprungen aber war diese Schwächung der Autorität aus der immer deutlicher hervortretenden Unfähigkeit des römischen Kaiserthums, seiner politischen Aufgabe zu genügen. Denn das römische Kaiserthum war allerdings der Friede. Aus dem Bedürfniss inneren Friedens war es nach den Bürgerkriegen entstanden, und die Sicherung des äusseren Friedens gegen die barbarischen Stämme war das Entgelt, welches die civilisirten Völker unabweisbar forderten für alle Opfer an Gut und Blut und Freiheit, die sie der römischen Herrschaft gebracht hatten und fort und fort brachten. Unter den langen Regierungen der Julier und Aurelier war nun auch die 'Majestät des römischen Friedens (Romanae pacis maiestas, Plin. IL N. XXVII § 3)J gleichbedeutend geworden mit der Majestät des römischen Reichs, und dieses ungestört^ Friedensgefühl hatte der Vorstellung von der unerschütterlichen Ewigkeit der römischen Macht diejenige Stärke verliehen, ohne welche die 'Stadt3 nimmer über den Erdkreis hätte ihre Gewalt erstrecken können. Als aber der Friede nach beiden Seiten dauernd gefährdet erschien, als stets von Neuem aufstehende Kronprätendenten die Reihe der Bürgerkriege wieder eröffneten, als ferner nach der Gründung von Constantinopel das seit den Tagen von Zama und Pydna nicht erlebte Schauspiel wieder gegeben war von einem politischen Antagonismus zwischen zwei souveränen Grosstaaten innerhalb der civilisirten Welt, und als zu diesem allen hinzutretend das immer lautere Getöse der nordischen Völkerwogen die Gemüther der Provinzialen verstörte — da schwand mit dem Genuss des römischen Friedens auch der Glaube an Rom und seine Ewigkeit, und mit dem Glauben schwand die Furcht wie die Achtung. Selbst dichterisch gestimmte Nachzügler des Heidenthums, wie Rutilius Namatianus (I, 137), wagten es nicht länger, die altgeweihte Formel von der'Ewigkeit Roms* im Sinne einer unerschütterten Dauer zu gebrauchen, sondern wollten sich darunter die Kraft der Weltstadt denken, aus dem Tode einst wieder zum Leben zu erstehen. Die Bibelleser aber schlugen das Buch Daniel auf und meinten, die 'ewige Roma1 sei dort anschaulich geschildert in dem Koloss mit den thönernen Füssen, und von dem Felsen sei bereits der 'Stein* gebrochen, an dessen Stoss der Wunderbau so vieler Jahrhunderte zerschellen werde. Und unter Allen, welche sich in jenen Tagen die Traumgesichte des babylonischen Königs (Dan. 2) zu deuten Dort wird nämlich aus dem längst als spätes Machwerk erkannten Brief de laudibus Hieronymi (s. Hier. op. Vol. 11 par. 1 p. 443 Vall.) jener den Severus angehende Lobspruch als von Augustinus herrührend aufgeführt. In den echten Schriften des Augustinus wird Severus nicht genannt. 4*