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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 27

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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25 Unter den früheren römischen Imperatoren hätten freilich auch Ausdrücke von so allumfassender Ehrenrührigkeit immer noch durchschlüpfen können, wenn sie auf reges bezogen waren. Denn alsdann brauchte man die Kaiser nicht nothwendig mitzumeinen, da diese sich des königlichen Namens noch von der Vertreibung der Tarquinier her erwehrten und ihn ihren Klienten, den orientalischen Kleinkönigen, oder dem barbarischen Grosskönig der Parther überliessen — ein ähnliches Verhältniss, wie es nach der Völkerwanderung wiederum bestand zwischen dem griechischen Kaiser, welcher den Titel Imperator oder den von früh an gleichwiegenden BaciXsvg für sich allein in Anspruch nahm, die gothischen und fränkischen Könige dagegen, ja sogar die deutschen Kaiser in lateinischer sowohl wie in griechischer Schrift' nur Reges und cPiyyfs43) nannte. Zwischen diesen beiden Perioden liegt jedoch das Zeitalter des Severus, d. h. die zweite Hälfte des vierten und der Anfang des fünften Jahrhunderts, gerade in der Mitte. Die Sassaniden und die anderen orientalischen Könige waren seit der Gründung Constantinopels und der Spaltung des Reichs dem Gesichtskreis des Abendlandes gänzlich entrückt; die Germanen und die übrigen Stämme der Völkerwanderung hatten noch keine Staaten auf römischem Boden gegründet; man kannte im gebildeten Europa keine anderen Herrscher als die römischen; diese hatten seit Diocletianus sogar das äussere Abzeichen des Königthums, die weisse Kopfbinde, in ihren Ornat aufgenommen; und wenngleich sie amtlich noch immer den Titel Imperator führten, so fehlte doch für den täglichen Verkehr des Sprechens und Schreibens jeder Anlass zu einer Unterscheidung jenes viersilbigen Wortes von dem bequemeren, einsilbigen Rex. Severus überlässt es daher auch, wenn er Kaiser seiner Zeit, z.B. Constantius, Valentinianus L, Maximus, zu erwähnen hat, durchaus dem Belieben seiner Feder ob sie Imperatores heissen sollen oder Reges; manchmal44) tritt der Wechsel in zwei nahe aufeinander folgenden, ja sogar in einem und demselben Satze ein. Ihm also war die Ausflucht benommen, dass er in stultitia regum omnium die Inhaber des römischen Thrones nicht einschliesse; und nachdem es sich einmal herausgestellt hat dass für seinen und seiner Zeit Sprachgebrauch die Scheidewand zwischen Kaiser und König gefallen war, so erhalten auch diejenigen 43) Diese Regel des byzantinischen Kanzleistyls bespricht mit redseliger Heftigkeit der Geschichtschreiber der Kex und Comnenen Cinnaraus V", 7 p. 218 B. unter Beziehung auf sein Vorbild Prokopius, der bell. Goth. J, 1 p. 10 B. zuerst das ImPerator- Verhältniss der beiden Titel bei Gelegenheit Theodorichs des Grossen erwähnt. Andere Nachweisungen für die byzantinische Zeit giebt am vollständigsten Reiske zu Const. Porphyr, p. 818. — Die sehr wenigen Stellen, in welchen rex von älteren römischen Kaisern vorzukommen scheinen könnte, hat Markland zu Statius Sylo. IV, 1, 46 auf überzeugende Weise erledigt. — Dass regina für Kaiserin früher in festen Gebrauch kam als rex für Kaiser, ist durch Lindenbrog zu Ammian. XV, 2, 8 erwiesen und auch für Severus Dial. II, 6 zu beachten. — Die am Hofe Ludwigs XIV. so oft misbrauchten Verse des Claudianus Cons. Stil. 113 Fallitur egregio quisquis .tub principe credit Sei'vUium; numquam libertas gratior exstat Quam sub rege pio sind i. J. 400, also gleichzeitig mit Severus* Chronik geschrieben. In moderne Sprachen übersetzt klingen sie matt, weil die Antithese zwischen plus und rex nur dem römischen Ohr vernehmbar wird, welchem sie in einem officiellen Gedicht, wie dies claudianische ist, nicht unmittelbar geboten werden konnte; daher ebnet sich der Dichter den Weg durch egregius princeps im ersten Verse. 44) Von Constantius heisst es II, 38, 6 in einem und demselben Satze paucis qai circa regem erant metu irepidus, imperatore anxio, primus ( Velens) nuntiat kostes fugere. — Von. Valentinianus I. handelt die heitere Geschichte Dial. II, 5 und da steht § 8 unter anderem zu lesen: donec regiam sellam ignis operiret ipsumque regem ex parte corporis qua sedebat adflaret incendium. — Für Maximus bieten Chron. II, 50 und Dial. III, 11 Beispiele in Fülle von rex neben imperator. Die stylistische Nuance ist ungefähr wie zwischen 'der König' und eSr. Majestät'. — Dafür dass der Gebrauch nicht dem Severus eigenthümlich sondern bei den gleichzeitigen Schriftstellern durchstehend ist, genügt die Verweisung auf Ballerini zu Zenonis serm. p. 12 ed. Aug. 4

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