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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 26

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 26)
Language
German
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24 Flammentod sterben als die befohlene Todsünde begehen {jpiaculum committere) wollen. Um den Eindruck zu ermessen, welchen die so gewendete und durch solche Schlaglichter beleuchtete Erzählung auf die gleichzeitigen Leser des Severus machen musste41), braucht man sich nur zu erinnern, dass damals und noch eine geraume Weile später bei jeder grösseren öffentlichen Feier den Statuen und Portraits (labrata) der römischen Kaiser die liier zur Ausgeburt der Kriecherei und zu lästerlicher Todsünde gestempelte Adoration geleistet ward, von den Beamten als unweigerliche Amtspflicht, und von Privatleuten als Beweis der Loyalität, der ohne übles Aufsehen nicht unterbleiben konnte. Erst im Jahre 425, also mehr als zwanzig Jahre nach der Abfassung der Severischen Chronik, hat Kaiser Theodosius II. in einem eigens erlassenen Gesetz auf die Verehrung seiner Statuen durch Adoration verzichtet, und gerade im Jahr 403, d. h. in dem Jahre da Severus seine Chronik beendigte (s. oben Anm. 4), diente des Johannes Chrysostomus Predigt gegen die Verehrung einer neugeweihten Statue der Kaiserin Eudoxia seinen Widersachern zum Vorwand, um ihn als Hochverräther in die zweite Verbannung zu senden, aus welcher er nicht heimgekehrt ist. — Recht als sollte auch des flüchtigsten Lesers Blick auf diese, wie eben des Chrysostomus Beispiel zeigt, unter Umständen so gefährlichen Dinge geheftet werden, hat Severus bald darauf, ebenfalls in der Analyse des Buches Daniel, eine abermalige Gelegenheit zu Angriffen auf die vergötterten Weltherrscher mit noch weiterer Abweichung von dem biblischen Buchstaben sich geschaffen und mit noch rücksichtsloserem Freimuth benutzt. Die medischen Hofleute, erzählt die Bibel, wollten des Daniel regelmässige Morgen- und Abendandacht zu seinem Verderben ausbeuten, und erzwingen von König Darius ein Gesetz, dass cwer in den nächsten dreissig Tagen von welchem Gotte oder Menschen es sei etwas erbitte ausser von dem Könige, in die Löwengrube geworfen werde {Dan. 6, 8)\ Diese negative Bestimmung verwandelt nun Severus42) erstlich in die positive, dass cfür die nächsten dreissig Tage dem Könige göttliche Ehren zu erweisen seien5, und während nach der biblischen Erzählung Darius eher widerwillig den ohne sein Zuthun gefassten Beschluss der Räthe bloss unterschreibt, sagt Severus: cDen durch Schmeichelei verdorbenen Darius dafür zu gewinnen, konnte nicht schwer fallen, bei der Thorheit aller Könige, die Göttliches für sich ansprechen (stultitia regum omnium qui sibi divina vindwanty. Statuen der 4l) Wie unvermeidlich die Nutzanwendung auf die kaiserlichen Statuen war, zeigt Hieronymus, der ebenfalls Kaiser" (vgl* Tosefot zu Tr. Pesachim 53 b) den babylonischen König sein eigenes Bild zur Adoration aufstellen lässt und dann zu Dan. 3, 18 (Vol. 5 p. 6H8 Vall.') sagt: sioe statuam, ut Symmacltu-s, sive imaginem aureain, ut ceteri transtulerunt, voluerimus legere, cultores Dei eam adorare non dehent. Ergo iudices et principes saeculi, qui Imperatorum statuas adorant et imagines, hoc se facere intelllgant quod tres pueri facere nolentes placuerunt Deo. Aber wie zahm Idingen diese Umschweife 'sie thun Etwas durch dessen Unterlassung die drei Männer gottgefällig waren ' im Vergleich mit der ungescheuten Derbheit des Severus. Hieronymus hielt sich, als er den Commentar zu Daniel verfasste, schon lange im regibus suetus Oriens auf. — Das Gesetz des Theodosius II. steht Cod. Theod. 15, 4, zu welchem, und noch an zwei andern Orten (Cod. Tlieod. 8, 11, 5; Philostorg. II, 18), Gothofredus den Cultus der kaiserlichen Statuen und Bilder erörtert hat. — Die Belege für das den Chrysostomus angehende Factum giebt Tillemont hist. des Emp. Arcade a. 403, 5 p. 915 der Octavausg. — Weshalb ich den lateinischen Ausdruck Adoration beibehalten musste, braucht kundigen Lesern nicht erst gesagt zu werden. 42) //, 7, 1: regem depravatum adulatione compellunt ut sibi diebus proximis triginta divini honores darentur neque cuiquam liceret deum (so De Prato statt dominuni) nisi regem precari. Die Construction von compellere ist ein wenig frei, wie auch 7/, 36, 4 Imperatorem eo usque compellunt, ut Athanasius erulatum ad Gallias miücrctur. Mit der Relation von sibi nimmt es Severus ebenfalls nicht genau.

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