Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2720904-2720919-2720920--0344-2721586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
23 Samuels und in dem bloss für eine ferne Zukunft angedrohten Tlironverlust, auf welche die Bibel sich beschränkt-, augenblicklich und handgreiflich, durch politisches und militärisches Hissgesehiek sollte der König büssen, welcher den Priester — denn einen solchen sieht Severus {I, 32,1) in dem Leviten Samuel — verletzt hatte. Ohne dass die leiseste Andeutung dafür im Wortlaut oder Gang der biblischen Erzählung zu finden ist, lässt daher Severus das ganze, gegen die Philister zu Felde liegende israelitische Heer cin Folge des königlichen Vergehens von Furcht ergriffen werden {ex delicto regis metus ornnem exercitum pervaserat I, 33, 5), so dass trotz der Nähe des feindlichen Lagers Niemand eine Schlacht wagen mochte*. Freilich kommt dann nachträglich noch der in der Bibel für das Hinausschieben der Schlacht allein angegebene Grund zur Sprache, der Waffenmangel nämlich, welcher im israelitischen Heere herrschte, weil die siegreichen Philister beim letzten Friedensvertrage die Einstellung aller Eisenarbeiten erzwungen hatten. Aber dieses materielle Verhältniss wird in der Darstellung des Severus zu einem blossen Nebengrund herabgedrückt; als eigentlichen Quell der Verzagtheit hebt er abermals die cEntmannung4,)) der Gemüther* hervor, welche aus dem Glauben entsprang, dass cGott zur Strafe für die Sünde des Königs sich von ihnen abgewendet habe1. — Noch grösserer Freiheiten aber und einer weit kühneren Sprache als bei solchen Eingriffen jüdischer Könige in geistliche Rechte bedient sich Severus überall wo er heidnische Könige auf Anmaassung göttlicher Ehren betreffen kann. Mit sichtlicher Vorliebe sucht er dergleichen Blasphemien aus den biblischen Erzählungen herauszudeuten, um Gelegenheit zu derben Anspielungen auf die ähnlichen Ausschreitungen der römischen Kaiser zu gewinnen. Wem König Nebukadnezar das goldene Standbild in der Ebene Dura errichtet habe, sagt der biblische Text {^Dan. 3) nicht deutlich; dem Severus gilt es für ausgemacht, dass der König, choffartig geworden durch sein Glück, sich selbst eine colossale goldene Statue gesetzt und sie als ein heiliges Bild durch Adoration zu verehren befohlen habe (staluam sibi auream immensae magnitudink posuit adorarique eam ut sacram effigiem praecepit II} 5, 1)J; allgemein habe man, da 'Kriecherei alle Gemüther verdorben (depravatis adulatione omnium animisf^ gewetteifert, dem königlichen Befehle nachzukommen; nur die drei jüdischen Männer hätten sich des lästerlichen Dienstes (profano officio) geweigert, wohl wissend, dass eine solche Verehrung Gott allein gebühre; sie hätten lieber den 40) I, 33, 5: nam praeter imbecillitatem animorum, qui alienum a se Dominum delicto regis arbilrabantur, in tnaxima ferramentorum inopia exercitus erat adeo ut praeter Saul et Ionatham filium eius nemo gladium mit lanceam habuis-se tradatur. Kam Allophyli (das von den Septuaginta entlehnte Wort für Philister), superiore (so längst verbessert statt superiores) hello victores, cotis (das Wort cotis füge ich hinzu nach 1. Sam. 13, 20) mum Hebraeis ademerant, neque cuiquam conßciendi teli bellici aut ruslici ferramenti potestqs fuerat. — Jetzt, nachdem Niebuhr die Nachricht bei PHnius H. N. XXXIV § 139 Niebahr über die den Römern von Porsenna auferlegten ähnlichen Vertragsbestimmungen geschichtlich verwerthet hat, muss Ußj0y„|c jedem Philologen, der diese Stelle im Severus oder in der Bibel liest, die Parallele beifallen. Die plinianisehe Notiz war Niebuhr'n anfänglich bei seinen Studien entgangen; er verdankte ihre Kenntniss zunächst dem Micali, fand sie dann schon bei Beaufort ausgebeutet, wie er R. G. 1. Ausg. I, 352 erzählt, und hat diesem Franzosen das Verdienst der Entdeckung schliesslich (letzte Ausg. I, Anm. 1216) zugeschrieben. Es wird daher von Interesse sein zu erfahren, dass bereits ein Jahrhundert vor Beaufort der immer noch mehr gepriesene als gelesene Hugo Grotius die Nachricht bei Plinius herausgefunden und nach ihrer geschichtlichen Bedeutung gewürdigt hatte in folgender Anmerkung eben zu dem fraglichen Verse des Buches Samuel: Gaverant enim Philistiim ne forte facerent Hebraei gladium aut lanceam] Extorto foedere, cid non dissimilis lex quam Porsena in foedere cum Romanis posuit, ne ferro nisi in ayricultura uterentur. Tacent id Eistorici ut pudendum victori pos'.ea gentium populo; at Plinius ingenue fatetur lib. 34.