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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 22

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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20 nüngen der betheiligten Personen. Der König, von des Propheten Unschuld überzeugt, habe ihn gern gänzlich aus der Haft befreien wollen, sei aber machtlos gewesen 'gegenüber den jüdischen Fürsten, die von jeher den Brauch gehabt, alle Guten zu bedrücken (obsisteniibus ludaeorum principibus, quibus iam inde a prmcipio moris fuerat bonos premer e, Chron. I} 54, 3)\ Schon dieser Ausfall, dem im biblischen Texte nichts entspricht und der bei dem seltenen Auftreten der Fürsten in der jüdischen Geschichte ungerechtfertigt ist, verräth deutlich, dass das vorliegende Ereigniss herbe Nebengedanken bei dem Erzähler aufregt. Aber fürs Erste bleibt doch wenigstens die Richtung, nach welcher der Hieb geführt ist, in Uebereinstimmung mit der Bibel, die hier (principes) als "Widersacher des Propheten nennt. Severus fährt dann fort zu erzählen, wie dieselben Fürsten es dem Könige abgedrungen, dass der Prophet aus dem leichteren Gewahrsam entfernt und in eine tiefe, unsaubere, mit tödtlicher Pestluft angefüllte Grube geworfen ward, damit er unter mannigfaltigen Qualen sein Leben aushauche35). Und nun brechen die Nebengedanken plötzlich hervor*, die eben noch principes hiessen, verwandeln sich in sacerdotes, und der folgende Satz lautet, wiederum mit einer über den biblischen Text hinausgreifenden Zuthat: "Aber der König, wenngleich ruchlos, war doch noch beträchtlich milder als die Priester und befahl dass man den Propheten aus der Grube hervorziehe und in das frühere Gewahrsam zurückführe (Sed rex, licet impius, aliquanto tarnen sacerdotibus mitior educi prophetam de lacu et carceris custodiae reddi iubet)3. Die nichts ahnenden Herausgeber des Severus suchen diesen unerwarteten Personenwechsel durch hermeneutische Winkelzüge zu vertuschen; am gröbsten und ehrlichsten verfährt der Berliner Rector Vorstius (s. den Anhang), der kurzweg sagt, statt sacerdotibus sei cohne Zweifel* zu lesen principibus. Uns hingegen zeigt der ganze Ton dieses Abschnittes dass Severus hier von Erinnerungen an die priscillianistischen Vorfälle beherrscht wird, in denen Maximus sich zwär schlimm aber, nach Severus' Urtheil, immernoch nicht so schlimm wie die ithacianischen Bischöfe36) benommen hatte; und nachdem er einmal solcher Nutzanwendungen auf die Gegenwärt sich nicht zu entschlagen vermochte, konnte es ihm leicht begegnen, dass er die Verhältnisse des vierten Jahrhunderts, welches in keinem anderen Adel als in dem kirchenfürstlichen eine auch Kaiser und Könige zwingende Macht erblickte, auf die altjüdische Geschichte übertrug, und nun die principes mit den sacerdotes zusammenfallen liess. Jedoch nicht bloss in solcher tendenziösen Wendung des Vortrags äussert er seinen Unj willen; er hat es sich auch gestattet, den sonst rasch dahineilenden Erzählerschritt durch längere? Einschaltungen zu hemmen, sobald er für Invective gegen die Bischöfe einen passenden Anlass fand. An der Thatsache, dass bei Vertheilung des palästinensischen Bodens unter die jüdischen Stämme den Leviten keine eigene Mark angewiesen ward, ckann er nicht schweigend vorübergehen, sondern er möchte sie den Dienern der Kirchen nachdrücklich zur Beachtung empfehlen 35) H, 45, 4: iisdem (principibus) cogentibus in lacum immensi profundi coenoque ac sordibus atque ex eo exitiabili foetore Itorridum demissus est, ut ne simplici quidem morte exspiraret (= Sali. Hist.fr. I, 25 Gerl. ut per sinyula membra exspiraret; vgl. Suet. Caes. 74 und Curt. VIII, 7 ne simplici quidem morte defunctus est). 36) Severus und seine Zeitgenossen gebrauchen sacerdos und episcopus als gleichbedeutend. Man kann fast keine Seite in den.späteren Theilen der Chronik lesen ohne Belege dafür zu finden. Zum Ueberfluss sei auf die Stelle in Anm. 11 verwiesen.

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