Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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12 Valentinianus dem Zweiten, den Thron geraubt habe. Worauf Maximus ihm demüfhig und im Wesentlichen wahrheitsgetreu vorstellte, dass er weit mehr das Werkzeug der britannischen Legionen gewesen sei als ihr Führer, dass er wenigstens ausserhalb der Schlacht kein Blut vergossen habe; endlich bat er den frommen Mann, in der wunderbaren Grösse und Plötzlichkeit seines mit so geringen Mitteln erreichten Erfolgs den Finger Gottes zu erkennen 18). Mit noch demüthigerem Bezeigen hatte die Kaiserin um die gute Meinung des Martinus sich beworben und, nach Frauenart, die bösen Ahnungen, welche die unerwartete Erhebung auf eine so schwindelnde Höhe ihr erregte, durch einen Akt selbstgewählter Erniedrigung zu beschwichtigen gesucht; sie hat einmal mit eigner Hand dem Martinus Speisen bereitet und bei der Mahlzeit ihm als Magd aufgewartet.. In so vertrauten Beziehungen zu dem kaiserlichen Ehepaar ward es dem Martinus leicht, währeud seiner Anwesenheit in Trier die Eröffnung der von ihm missbilligten gerichtlichen Procedur gegen die Priscillianisten zu hintertreiben, und vor seiner Abreise dem Maximus das Versprechen zu entlocken, dass man den. Angeklagten keinenfalls an das Leben gehen werde. Der Usurpator versprach, und hielt nicht; Martinus war eben nur ein einzelner Bischof und die Politik des Maximus wollte sich die Unterstützung der bischöflichen Majorität sichern. Diese aber bestürmte ihn, dass er der Sache ihren criminalrechtlichen Lauf lasse. Er entschloss sich endlich dazu, um so bereitwilliger, als die Formulirung der Klage ihm Aussicht auf umfassende Confiscationen eröffnete, deren sein leerer Schatz für den drohenden Krieg mit Theodosius gar sehr bedurfte l9). ■ Sobald nämlich die Angelegenheit aus dem Sitzungssaal der Synode vor die Schranken des weltlichen Tribunals verlegt wurde, mussten die Klagepunkte, welche das Dogma und die Begiernng 18) Vit. Mart. c. 20: Maximm se non sponte sumpsisse imperium (aßirmavit) sed iinpositain sibi a militibus dicino natu Maximus regni necessitatem armis defendisse. et non alienam ab eo dei voluntatem videri penes quem tarn incredibili eventu victoria fulsset, nullumque ex adcersarüs nisi in acie occubuisse. Diesen Inhalt des Gesprächs konnte Severus auf dem zuverlässigsten Wege, durch Martinus selbst, erfahren. Dass Maximus sich für einen 'speciellen* Schützling Gottes hielt oder gehalten wissen wollte, zeigt auch der Eingang zu seinem an den römischen Bischof Siricius gerichteten Brief (JPontificum Rom. Epist. Genuinae p. 419 ed. Schönemann): quia rnaius circa ine et speciale iudicium dioinitatis experior, hoc me confiteor curam (ßdei catholicae) habere maiorem, qui videlicet ad imperium ab ipso statim salutari fönte conscenderim (d. h. er hatte es, wie Theodosius, zweckmässig gefunden, nicht als Kaiser aufzutreten, bevor er die Taufe empfangen; Christ konnte er deshalb doch, nach bekannter damaliger Sitte, schon lange vorher gewesen sein) et cui in omnibus semper conatibus atque successibus Deus fautor adfuerit. Die Aechtheit dieses Briefes ist ausser Zweifel; auch er erwähnt die nur in dieser Zeit nachweisbare Eintheilung Frankreichs in Galliae et quinque provinciae (s. oben Anm. 10). — Eben so sicher kann, was Severus den Maximus über seine Scheu vor Blutvergiessen in der ersten Zeit seiner Regierung sagen lässt, anderswoher erhärtet werden. Pacatus muss nach Art der Panegyriker in seiner Lobrede auf Theodosius natürlich dem von diesem besiegten Maximus möglichst viel Böses nachsagen. Hinsichtlich seiner Grausamkeit weiss er jedoch nichts vorzubringen als folgendes (c. 28): Quod si cui ille {Maximus) pro ceteris sceleribus suis minus crudelis fuisse videtur, vestrum is, vestrum, Vallio triumphalis et trabeate Merobaudes, recordetur interitum, quorum alter .... vita sese abdicare compulsus est, atteri manibus satelliturn Britannorum gula domi fracta . . . . ut scilicet maluisse vir ferri amantissimus videretur laqueo perire quam gladio. Uebersetzt man dies aus der Sprache des Panegyrikus in die Sprache der Geschichte, so erkennt man, dass die genannten zwei Heerführer des Gratianus, welche als Beispiele von Maximus' Grausamkeit allein aufzutreiben waren, nicht von diesem hingerichtet wurden, sondern nach ihrer Niederlage sich selbst entleibt haben. Seine 19) Deutlich und milde spricht darüber Severus JDial. III, 11 extr.: Fertur enim ille vir (Maximus) multis bonisaanznoth. ariibu8 (so, statt, der unmöglichen Vulgata aciibus, schreibe ich mit einer Handschrift und auf Grund einer offenbar nachgeahmten Stelle des Sallust lug. 28) praeditus adversus avaritiam parum consuluisse, nisi regni necessitaie, quippe exliausto