Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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7 schem Boden eine grosse Rolle spielten, strömten auch dort der Sekte zu; vornehmlich genannt wird eine Wittwe des Druidenabkömmlings Delphidius, der als gefeierter Redner vor Kaiser Julianus aufgetreten war und als Dichter schon in früher Jugend durch einen Hymnus auf Zeus sich den capitolinischen Eichenkranz verdient hatte; sie hiess Euchrotia und hat das Schicksal des Priscillianus im Tode getheilt, wie sie ihn im Leben mit ihrer Tochter Procula begleitet hatte. Auch noch eine andere im Rhetorenkreise heimische Frau, Urbica mit Namen, hat für ihre Anhänglichkeit an Priscillianus zu Bordeaux in einem gegen sie erregten Volksauflauf den grässlichen Tod der Steinigung erlitten. Im Jahre 380, als man durch Synodalbeschlüsse die Verbreitung der Sekte hemmen wollte, hatte dieselbe bereits in Aquitanien eben so festen Fuss gefasst10) wie in Bätica, wo sie zuerst aufgekommen war; es ward daher die Synode nach einer nordspanischen Stadt, nach Saragossa, ausgeschrieben, damit die gleichsehr betheiligten aquitanischen Bischöfe, welche auch der Einladung Folge geleistet haben, sich auf halbem Wege mit den bätischen zusammenfänden. Hier beschränkte man sich auf das geistliche Strafmittel der Excommunication, welche im Contumacialwege verhängt wurde über Priscillianus, seinen Lehrer Elpidius und über zwei zu ihnen haltende bätische Bischöfe, Instantius und Salvianus. Eben diese zwei Bischöfe lassen sich aber durch den Sgruch der Synode so wenig einschüchtern, dass sie den bis dahin im Laienstande verbliebenen Priscillianus jetzt, nachdem er verurtheilt worden, auf einen Bischofstuhl in Lusitania (Abila) erheben, dadurch, die Macht der Sekte auch im Westen Spaniens befestigen und der gewichtigen Persönlichkeit des Priscillianus Sitz und Stimme in etwaigen künftigen Synoden sichern. Die Gegner müssen gefürchtet haben, im synodalen Majoritätskampfe schliesslich den Kürzern zu ziehen; wenigstens greifen sie von nun an zu weltlichen Mitteln. Dem Bischof biblische Fragen vorlegt, zu dieser Druidenfamilie geborte, Delphidius selbst aber, qui omnes Gallias prosa versuque suo Hedybia. illustravit ingenio, nie von der scientia legi* Bei erleuchtet wurde. Auch sonst belehrt dieser Brief des Hieronymus recht vielseitig über den hohen Ruhm der gallischen Rhetorik, die auch in seinen Zusätzen zu Eusebios' Chronik mit besonderer Vorliebe berücksichtigt wird. Als Beispiel stehe hier die Anzeichnung z. J. 337 über eine Rhetorentochter: Nazarii rhetoris filia in eloquentia patri coaequatur. — Ueber die Urbica sagt Prosper's Chronik z. J. 385 (p. 156 Rösler): Urbica. Burdigalae quaedam Priscilliani discipula nomine Urbica ob impietatis pertinaciam per seditionem vulgi lapidibus exstincta est. Da Ort, Zeit und sachliche Analogie dafür sprechen, habe ich kein Bedenken .getragen, zwischen dieser Urbica und dem von Ausonius (jprof. 21) gepriesenen griechischen Dichter und Grammatiker Urbicus in Burdigala einen verwandtschaftlichen Znsammenhang anzunehmen. 10) Philastrius, Bischof von Brisen, Verfasser des ältesten lateinischen Verzeichnisses von Häresien (gest. um Philastrius. 388), welcher die Priscillianisten noch, gar nicht unter diesem Namen kennt, sondern blos als Abart der Manichäer bezeichnet, weiss doch schon, dass sie gleichsehr in Südfrankreich wie in Spanien verbreitet sind; der Schlnss seines die Manichäer behandelnden 61. Abschnittes lautet: ut latrones iam snb figura confessionis christianae multorum animas mendacio ac pecudiali turpitudine non desinunt captivare, qui et in Hispania et quinque provinciis latere dicunlur multosque hac quotidie fallacia captivare. J. A. Fabricius in seiner Note zu dieser Stelle bürdet dem Philastrius eine unbegreifliche Tautologie auf, indem er quinque provinciis auf die Eintheilung Spaniens in fünf Provinzen bezieht. Er hätte sich, aus Gothofredus zu Cod. Theod. 16, 10, 15 belehren können, dass Südfrankreich, dessen Haupttheil Aquitanien ausmachte, gegen Ende des vierten Jahrhunderts die Benennung quinque provinciae führte. Sollte es dafür nach allem von Gothofredus Beigebrachten und nach der oben (Anm. 2) erwähnten Böcking'schen Forschung noch eines Beweises bedürfen, so würde man ihn aus Philastrius selbst führen können. Denn der 84. Abschnitt, welcher noch einmal die Priscillianisten unter dem von ihrer Askese hergenommenen Namen Abstinentes bespricht, sagt gleich zu Anfang: Sunt in Galliis et Eispaniis et Aquitania veluti Abstinentes qui et Gnosticorurn et Manichaeorum particulam perniciosissimam aeque sequuntur. — Lübkert p. 51 hat sich von Fabricius irre führen lassen.