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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 8

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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6 11, 5) hin, eben in jener äussern Aehnlichkeit zwischen der von ihm selbst gepflegten mönchischen Askese und der priscillianistischen einen nütwirkenden Grund sieht für seine Bekämpfung allzu strenger Maassregeln gegen die neue Sekte; er musste fürchten, die Gegner des damals im Occident noch nicht festgewurzelten Mönchthums würden unter dem Deckmantel der Ketzerverfolgung dessen Verbreitung hindern. Nicht minder unverkennbar als dieser asketische Zug zeigt sich bei den Priscillianisten eine Hinneigung zu klassischer Bildung. Wie schon Elpidius, der erste Schüler des Marcus, ein Rhetor war, so wirkte auch Priscillianus hauptsächlich durch eine cauf umfassender Lektüre ruhende Gelehrsamkeit und eine mit schlagfertiger Disputirkunst verbundene Wohlredenheit Qfacujidus, multa lectione erudiius, disserendi ac disputandi promptissimus)\ der Tadel, den selbst mildgesinnte Gegner wie Severus gegen ihn aussprechen, trifft vorzüglich seinen 'aufgeblasenen Stolz auf profanes Wissen/ Auch von Latronianus, einem andern Haupte der Sekte, erwähnt Hieronymus klassisch gehaltene Dichterwerke mit dem überschwänglichen Lobe 8J, cer sei den Alten an die Seite zu setzen/ So hervorstechend war diese Vorliebe für die klassische Litteratur, dass verläumderische, jedenfalls unbewiesene, Ausstreuungen über die Vorgänge in den Conventikeln der Priscillianisten durch Beimischung dieses Körnchens zutreffender Aehnlichkeit geniessbar und gangbar gemacht wurden; man liess die nächtlicher Weile Versammelten nicht bloss die zügellosesten Ausschweifungen begehen, sondern es hiess auch, sie sängen dazu die herrlichen Verse, in welchen Virgils Georgica die Frühlingshochzeit zwischen Himmel und Erde feiern. Nicht von so auserlesener Bosheit aber eben so bezeichnend ist die Art wie die zu jeder Ausflucht greifende Geheimthuerei der Priscillianisten zurückgeführt wird auf eine Regel in hexametrischer Fassung: 'Leiste nur Eid, Meineid; das Geheimniss verrath aber nimmer (Iura, periura, secretum prodere noli)? Und einen schlagenderen Beweis als alles Uebrige liefert auch hier wiederum wie bei dem gehäuften Fasten die verbreitete Meinung, dass ein verkappter PrisciUianist an vielem Lesen zu erkennen sei, und sonach Mönche, wenn sie eifrige Leser waren, schwer sich der Verdächtigung erwehren konnten. Hat man von der oben geschilderten litterärischen Stimmung und Regsamkeit Aquitaniens das richtige Bild gefasst, so begreift man, welch mächtigen Vorschub eine solche Vereinigung alter Litteratur und neuer Religion dem Priscillianismus leisten musste, sobald er die für alle Culturverhältnisse damals kaum vorhandene Pyrenäengränze überschritt und in das südliche Frankreich eindrang. Rhetoren und schöngeistige Frauen 9), die damals wie immer auf französi- 8) De viris HL c. 122: valde eruditus et in metrico opere veteribus comparandus. — Die Gerüchte über die virgiliscben Hexameter mag, wer Lust dazu empfindet, bei demselben Hieronymus ep. 133 Vol. I p. 1029 Vall. nachlesen; den Hexameter über den Meineid hatte Augustinus von gewesenen Mitgliedern der Sekte gehört; man findet die Stellen bei Lübkert p. 44 ausgeschrieben, und daselbst steht auch p. 40 — 50 für diejenigen, die dergleichen noch erst bedjürfen, ein ausführlicher Nachweis, dass die crimina libidinum et mendacii Omnibus argumentis carent. — 9) Mulieres novarum rerum cupidae, fluxa fide et ad omnia curioso ingenio sagt Severus Ghron. II, 46, 6, mit geschickter Verwendung eines Ausdruckes des Sallust, der natürlich nichts von fldes in ecclesiastischem Sinn weiss, sondern von König Bocchus sagt, er habe sich gesträubt, sein dem Jugurtha gegebenes Treuwort zu brechen ne fluxa fide usus popularium animos avorteret (Jug. 111 coli. Tac. Eist. II, 75).— Das bewegte Leben des Delphidius hat Joseph Deiphidius. Scaliger in einem Capitel seiner Lectiones Ausonianae (Z, 10) geschildert und den Späteren keine Nachlese übrig gelassen. Denn die einzige Stelle, die ihm entgangen war, nämlich Hieron. ep. ad Hedybiam 120 p. 818 Vall., hat er zu Eusebios n. 2352 selbst nachgetragen. Man ersieht aus ihr, dass die fromme Hedybia, welche dem Hieronymus so ausgewählte

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