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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 7

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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IRI
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5 entfaltet hatten und bereits zu erlöschen anfingen, ward eine Abzweigung derselben nach dem, vorher nur vom Arianismus berührten aber sonst sektenfreien, westlichen Europa verpflanzt, zunächst von Afrika aus nach dem am wenigsten europäischen Lande Europa's, nach Spanien. Besonders die südlichen Gegenden der Halbinsel, welche die römische Provinz Bätica bildeten, boten der vom Orient6) hereindringenden Schwärmerei einen eben so empfänglichen Boden, als sie früher und später eine leichte Beute der über die Meerenge getragenen punischen und maurischen Waffen geworden sind. Die gesellschaftlichen Kreise, in denen die Sekte sich festsetzte und während der ganzen Zeit ihres Bestehens ihren Schwerpunkt fand, sind gleich durch die ersten Anhänger bezeichnet, welche der ägyptische Gnostiker Marcus unterwies; es waren ein klassisch gebildeter Rhetor, Elpidius, und eine adliche Dame, Agape. Beide Vorzüge des Adels und der Bildung vereinigten sich auf glänzende Weise in der Persönlichkeit des Priscillianus, des Schülers dieses ersten Jüngerpaares. Durch ihn gewann die Sekte festen Halt, und nach ihm nannte und nennt man sie Priscillianisten. Ueber ihren dogmatischen7) Lehren ruht jetzt das Dunkel, welches fast immer geistige Bewegungen, wenn sie nur von gegnerischer Seite beschrieben sind, einer sichern Kunde entzieht; deutlicher treten die äussern Merkmale hervor, wie sie in der Lebensweise der Sekte sich ausprägten. Ein asketischer Zug ist unverkennbar; auch Gegner gestehen dem Priscillianus zu, dass er Fasten und Nachtwachen über das gewöhnliche Maass übte, dass er bei grossem Reichthum dem Erwerben abhold und streng im Geniessen war (praedives opibus, habendi minime cupidus, uiendi parcissimus). Noch verständlicher redet die Thatsache, dass, nachdem die Sekte in geistlichen Bann und weltliche Acht gethan worden, ein gehäuftes Fasten (certare ieiuniis) hinreichte, um auch die sonst bestberufenen Mönche dem Verdacht des Priscillianismus auszusetzen; sogar an Marianus konnten, trotz seines hohen bischöflichen Ansehens, Feinde sich mit derartigen Angriffen wagen, und es geschieht der Reinheit seiner Motive wohl kein Abbruch, wenn man, auf die klare Andeutung seines Schülers Severus {Chron. II, 50, 3, Dial. III, giebt Chron. II c. 46 — 51 einen zusammenhängenden, verhältnissmässig objektiven Bericht des äusseren geschichtlichen Verlaufs, Vit. Mart. c. 20 und Dial. III c. 11 —13 liefern einzelne persönliche Züge und weisen auf die inneren Triebfedern hin. Das Wenige, was aus anderen Schriftstellern hinzukommt, wird als solches besonders vermerkt. 6) Die betreffende Stelle Chr. II, 46, 1 giebt der, gerade in diesem Abschnitt an guten Lesarten reiche, Vati- Tacitus canus in folgender Fassung: tum primum infamis illa Gnosticorum haeresis intra Hispanias deprehensa, superstitio exitiabilis, nachseahn arcanis occultata secretis. Origo istius mali Oriens ac Aegyptus. Statt der letzten drei Worte las man seit Flacius oriens ab Aegyptüs. Wenn die sich selbst empfehlende Lesung des Vaticanus noch weiterer Gewähr bedarf, so liegt eine zwingende in dem, weder von den Herausgebern des Tacitus noch von denen des Severus bemerkten, Umstände, dass Severus hier wörtlich die schmähende Aeusserung des Tacitus über das Christenthum nachbildet Annal. XV, 44 repressaque in praesens exitiabilis superstitio rursum erumpebat, non modo per Judaeam, originem eius mali, sed per urbem etiam. Severus gebraucht also nach Tacitus' Vorgange origo mali in localem Sinne, 'ursprünglicher Sitz des Uebels'j und eben' dieser etwas ungewöhnliche Gebrauch hat die Verderbung bei Flacius veranlasst. 7) Für diese meinen Zweck nicht unmittelbar berührenden dogmatischen Fragen genügt die Verweisung auf Lübkert {Consistorii super ioris Regio-Holsatici Assessor) De Haeresi Friscillianistarum ex fontibus denuo collatis, Hauniae Idibus Majis MDGGCXL. 8. und auf Mandernach (Priester der Diöcese Trier) Geschichte des Priszillianismus. Ein Versuch. Trier 1851. 8. Der Letztere hat oder nimmt von dem Ersteren keine Kenntniss, und ich finde es ausreichend, fernerhin nur Lübkert zu erwähnen. Für die historischen und juristischen Fragen sah ich mich genöthigt, die Untersuchung von Neuem anzustellen\ zu welchen Abweichungen von Lübkert sie geführt hat, zeigt am leichtesten eine Vergleichung seines Schlusscapitels (An revera Priscillianistae propter errores haereticos capitis damnati sint, welche Frage er bejaht) mit der hiesigen Darstellung.

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