Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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4 Heirath in eine consulariscke Familie gethan hatte und nach dem frühen Tode der Frau sich im Besitz eines ansehnlichen Vermögens befand. Eben jedoch als seine weltliche Stellung eine allseitig glänzende geworden, fasste er den plötzlichen Entschluss, cder Lockung der Welt und ihrer Last (mundi huius ülecebrae et seculi onera, V. Mart. 25)* sich zu entziehen. Mönchische Lebensweise begann damals im Abendlande sich zu verbreiten; Severus widmete sich ihr, und trat später auch in den geistüchen Stand über, ohne jedoch eine höhere Würde als die eines Presbyter zu erlangen. Sein Vater missbilligte den Schritt und brach deshalb mit dem Sohne; dieser fand gemüthlichen Ersatz an der sorgenden Theilnahme seiner vornehmen Schwiegermutter Bassula und geistliche Stärkung in dem vertrauten Umgang mit dem Pannonier Martinus, der als Bischof von Tours und wunderthätiger Heiliger zu so hoher mittelalterlicher Celebrität gelangt ist. Vorzüglich des Martinus bewegliches Zureden und dessen Hinweisung auf das von dem Consularen Paulinus gegebene, in der Bewunderung der religiösen Kreise noch frische Beispiel einer ähnlichen Sinnes¬ und Lebensänderung hatten den Severus vermocht, das Forum und den Reichthum mit Einsamkeit und Armuth zu vertauschen; dem Führer, der ihn auf diese Bahn gewiesen hatte, schloss sich Severus während seines ganzen ferneren Lebens mit unbegränzter Hingebung an; und so hat denn die Parteistellung des Martinus zu den politischen und kirchlichen Wirren seiner Zeit auch den Schriften des Severus eine bestimmte Farbe verliehen, welche die uns beschäftigende Chronik in ihrem nachbiblischen Theil unverhüllt zur Schau trägt, und sogar bei Erzählung der biblischen Geschichte, überall wo Gelegenheit sich bietet, durchschimmern lässt. Auch hier also kann, wie bei allen nicht gänzlich vom Leben abgetrennten Büchern, ein lebendiges Verständniss erst dann entstehen, wenn mit der richtigen Würdigung des laut ausgesprochenen Zwecks der Einblick in die stilleren Nebenabsichten sich verbindet; und es wird daher erforderlich, im Anschluss an die wenigen Nachrichten über die Person des Severus, die gleichzeitigen Staats - und kirchengeschichtlichen Vorgänge ins Auge zu fassen, an welchen sein geistlicher Führer Martinus durch thätiges Eingreifen und er selbst durch Ausspendung von Lob und Tadel sich betheiligt hat. Der Nothwendigkeit dieses Hinüberstreifens in die allgemeine Geschichte kann um so leichter nachgegeben werden, als es mit unserer Aufgabe, den Gehalt der Severischen Chronik darzulegen, uns stets in der engsten Verbindung erhält. Denn für die zur Sprache kommenden Ereignisse ist Severus längst als der bestunterrichtete und vollständigste Zeuge anerkannt5), obgleich immer noch nicht mit der gebührenden Sorgfalt befragt worden. Erst in der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts, als jene Sektenbildungen, welche man unter dem Namen Gnosticismus zusammenzufassen pflegt, im Morgenlande schonihre volle Kraft 5) Gibbon (ck. 27 note 51) ertheilt dem Severus wegen der Nachrichten über die Priscillianisten einen seiner seltenen Lobsprüche eo correct and original writer.' Doch scheint er den Originalbericht näher zu prüfen sich nicht die nöthige Müsse genommen zu haben. Sonst hätte er wohl nicht den in neuerer Zeit gewöhnlichen Irrthum zu verbreiten mitgeholfen, dass die Priscillianisten von dem weltlichen Richter auf eine Anklage wegen matter offaith zum Tode verurtheilt worden und sie das erste nachweisbare Opfer einer Art von holy office gewesen seien. — Von den drei Abschnitten des Severus, die als alleinige Quelle fast alles Thatsächlichen in der folgenden Darstellung hier ein für alle Mal citirt seien,