Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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3 {Gallicana facundia, Symmach. ep. 1, 98)' leidet, öfter als uns jetzt auch für einen Panegyrikus billig scheint, an öder Gedankendürre; aber um ihre vergleichsweisen Vorzüge gerecht zu würdigen muss man sich des in Gedanken und Ausdruck gleichsehr widerwärtigen Schwulstes erinnern, von welchem Africa, die einzige ausser Gallien noch litterärisch thätige Provinz, nie sich hat befreien können, eben weil die africanischen Redner und Schriftsteller in gesellschaftlichen Zuständen lebten, die von römischer Bildung nur sehr schwächlich angehaucht waren. Der Glaubenssatz aller stylistischen Barbarei, dass man sich tättowiren müsse um schön zu sein, hat unter africanischem Himmel immer seine Herrschaft behauptet, während an den Ufern der Garonne wenigstens das Streben nach richtiger und edler Einfachheit allmählich sich einstellte, und auch, wie z. B. Rutilius Namantianus beweist, mit nicht viel schlechterem Erfolg als an den Ufern des Tiberstromes gekrönt ward. Seinen Höhepunkt erreichte dieser litterärische Aufschwung Galliens um die Zeit des Ausonius, dem ja auch die anschaulichste Schilderung desselben verdankt wird; und so wenig es gelingen will, die Jahreszahl für Geburt oder Tod des Severus festzustellen, so kann doch, da er jünger als sein Freund Paulinus , von Nola (geb. 353) war und da er in den ersten Jahren4) des fünften Jahrhunderts die Chronik abfasste, seine Erziehung nur in die zweite Hälfte des vierten, also eben in jene Blütezeit gallischer Rhetorik, verlegt werden. Dass er als Sachwalter thätig und berühmt gewesen, erfahren wir aus einem Briefe des Paulinus (5 § 5 Murat.~)j und die deutlichsten Spuren seiner näheren Kenntniss des römischen Rechts werden uns in der Chronik entgegentreten. Aus demselben Briefe des Paulinus geht hervor, dass Severus eine reiche Weise aufgeführt: Severi Rhetoris et po'e'tae Christiani Carmen Bucolicum und gerade diese offenbar von Pithöus selbst herrührende Fassung sagt, wie man sieht, nichts von Endelechius. Dagegen p. 144, wo das Gedicht abgedruckt wird, lautet die Ueberschrift: Incipit Carmen Severi Sancti, Id Est, Endeleichi Rhetoris de mortibus boum. So wenig glaublich es nun ist, dass Pithöus, statt des eben erst von ihm selbst gebrauchten, tadellosen Carmen Bucolicum, noch nachträglich die keinenfalls geschmackvolle Betitelung de mortibus boum ersonnen habe, und so unverkennbar andererseits Incipit das Zeichen seines handschriftlichen Ursprungs an der Stirn trägt, so gewiss sind auch die in Frage stehenden Worte Id Est Endeleichi Rhetoris buchstäblich treu nach der Handschrift wiedergegeben, dergestalt buchstäblich, dass nicht einmal der augenfällige Fehler in der Vokalisirung gebessert wurde. Pithöus hätte auf eigene Hand den Namen nur aus Paulinus' Briefen oder aus der apulejanischen Subscription entnehmen können, und an beiden Orten ist er Endelechius geschrieben, eine griechische Bildung, die zwar nicht gerade klassisch, aber doch denkbar ist; wogegen das undenkbare Endeleichos eben in seiner Verderbung die Gewähr seiner handschriftlichen Herkunft trägt. Der Abfasser des Titels, welcher der Zeit des Autors nahe genug leben mochte, wusste es durch zuverlässige Tradition, dass der als christlicher Dichter bekannte Sevei'us Sanctus derselbe sei, welcher als Rhetor unter dem Namen Endelechius sich berühmt gemacht hatte; und diese Identität hat er auf dem einfachsten Wege, durch id est, ausgedrückt. 4) Paulinus ep 5 § 5 p. 22 Mur. nennt im Vergleich mit sich den Severus aetate ßorentior. — Gestellt ist die Abfassung Chronik auf das erste Consulat des Stilicho 400, wie Severus selbst sagt ZT, 9, 7: omne tempus in Stiliconem consulem chronüc direxi. Dass sie jedoch in diesem Jahre noch nicht herausgegeben wurde, zeigen die Stellen über den jüdischen Aufstand unter Hadrianus (II, 31, 3) und über die Reise der Helena nach Jerusalem (ZT, 33, 4—35), wo die wörtlichen Entlehnungen aus dem elften, erst 403 an Severus geschriebenen Brief des Paulinus bereits von Muratori und De Prato bemerkt sind. Unbemerkt ist es jedoch bisher geblieben, dass beide Stellen allerdings von Severus selbst, aber erst nachträglich, nachdem die umgebenden Partien völlig ausgearbeitet waren, eingeschoben sind. Die in solchen Fällen selten ausbleibenden Unebenheiten der Verbindung geben auch hier einem aufmerksamen Leser Anfang und Ende des Nachtrags zu erkennen. In der ersten Stelle folgten die jetzt durch den Nachtrag ungefüge gewordenen Worte Quarta sub Adriano persecutio (il, 31, 6) ursprünglich auf saeviri in eos ultra vetuit (ZZ, 31, 3). In der zweiten Stelle schlössen sich die Worte sed longe atrocius periculum cunctis ecclesüs illa pace generatum (JZ, 35, 1) unmittelbar an quae superest ultima erit (II, 33, 3) und illa pace, dessen Beziehung jetzt durch die dazwischentretenden Capitel verdunkelt ist, blickte ursprünglich zurück auf Exinde tranquülis rebus pace perfruimur (II, 33, 3). 1*