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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1861-01-01 · 1861 · page 4

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1861
Date
1861-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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2 eines aus der besten Schule hervorgegangenen Rhetors zu genügen versteht. In seinem Geburtslande Aquitanien waren damals, im theodosianischen Zeitalter, die öffentlichen Bildungsanstalten zu einem Flore gediehen, welcher, da in der Hauptstadt Rom die Studien eine immer einseitigere Richtung auf die juristische Praxis genommen hatten, in keinem Theil der lateinisch redenden Römerwelt übertroflfen wurde; was schon während der Regierung des flavischen Kaiserhauses von dem narbonensischen Gallien2) gesagt werden konnte, dass Land und Leute den Eindruck machten als wäre man in Italien und nicht in einer Provinz, das galt jetzt von dem gesammten Verbände der sieben südlichen gallischen Provinzen zwischen den Alpen und der Loire; die Romanisirung war dort so vollständig, dass die Bewohner den gallischen Namen zu führen aufhörten, mit welchem sie, zum Unterschied von ihrem eignen Römerthum, nur die in der Cultur zurückgebliebenen nördlichen Provinzen belegten. Mit dem lebhaftesten Eifer übte sich Jung und Alt in lateinischem Vers- und Prosaschreiben, und die grammatischen Studien traten zurück vor der Lust an selbständigem Hervorbringen. Gallischer Rhetor wurde ein Ehrenname; sogar für die Besetzung des rhetorischen Lehrstuhls in der Hauptstadt Rom wurden nicht selten Männer dieser transalpinischen Herkunft3) gewählt; die einzige Form, in welcher die politische Beredsamkeit sich noch äussern durfte, die Prunkrede zu Ehren der Kaiser bei officiellen Anlässen, war, wie die traurig interessante Sammlung der Panegyriker zeigt, meistens von solchen gallischen Rhetoren in Beschlag genommen. Freilich machen sie in dem c gallischen Kothurn (ßatticanus cothurnus Hieron. ep. 58 p. 326 Val.~)3 zuweilen etwas gewaltsame Luftsprünge; ihr 'gallischer Redefluss Aquitanien. 2) Die oben übersetzten und oft citirten Worte des Plinius H. N. III § 31 lauten: Narbonensis provincia . . . agrorum cultu, virorum morumque dignatione, amplitudine opum nulli provinciarum postferenda, breviterque Italia verius quam provincia. Nicht so oft citirt ist folgende Schilderung der Blüte Aquitaniens im fünften Jahrhundert bei Salvianus de gubernatione Dei (veröffentlicht zwischen 439 u. 451, wie Gibbon c. 35 n. 11 nachweist) VIIp. 132 des Bremer Abdrucks der Baluzischen Ausgabe (1688): Kemini dubium est Aquitanos ac Novernpopulos medullam fere omnium Galliarum et über totius fecuhditatis Itabuisse nec solum fecunditatis sed quae praeponi inierdum fecunditati solent, jucunditatis, voluptatis, pulchritudinis. Adeo illic omnis admodum regio aut intertexia vineis autßorulenta pratis aut distincta culturis aut consita pomis aui amoenata lucis aut irrigua fontibus aut interfusa fluminibus aut crinita messibus fuit,ut vere possessores ac domini terrae illius non tarn soli istius portionein quam paradisi imaginem possedisse videantur. — Die Verhandlung über Septem und quinque provinciae im Gegensatz zu den übrigen gallischen Provinzen hat Böcking zur Not. dignit. occid. c. 21 p. 471 erschöpfend zusammengefasst, und für den Unterschied zwischen Galli und Aquitani giebt Sirmond zu Sidonius carm. 17 v. 14 die Belege. 3) Z. B. Attius Patera, dessen bajocassische Herkunft Ausonius besingt (Profess. 4, 7) und von dem Hieronymus' Chronik z. J. 337 anmerkt: Patera Rhetor Romae gloriosissime docet. — Die Städte, in welchen der Burdigalenser Minervius ein rhetorisches Lehramt bekleidet hat, nennt folgender Pentameter des Ausonius (l, 4): Constantinopolis, Roma, Severus dehinc patria. — Ihnen darf man wohl auch den Severus Sanctus Endelechius anschliessen, den Verfasser jenes durch die ddechiu&!" Eleganz seiner Verse wie durch die Naivetät der darin auftretenden bäuerlichen Convertiten gleichsehr lesenswerthen Gedichts, welches jetzt den Titel de mortibus boum führt. Denn dass Endelechius i. J. 395 seinen rhetorischen Hörsaal zu Rom in/oro Martis hatte, bezeugt die von 0. Jahn (Berichte d. sächs. Ges. 1851 p. 332) erläuterte Subscription der apulejanischen Handschriften; dass jenes Gedicht in Südfrankreich verfasst worden, zeigt die sechste Strophe, welche die Seuche zunächst von den Beigen her in des Dichters Land eindringen lässt, wie denn auch die Jugendfreundschaft des Paulinus für Severus Sanctus zu seiner aquitanischen Abkunft gut stimmen würde; dass aber Endelechius mit Severus Sanctus identisch und er der Verfasser jenes Gedichts ist, darf man getrost der Ueberschrift bei Pithöus glauben. "Wernsdorfs (P. L. M, II, 53) Behauptung, welche noch Jahn erwähnt ohne sie zurückzuweisen, dass die den Severus mit Endelechius identificirende Ueberschrift von Pithöus selbst nach ungewisser Vermuthung abgefasst sei, zeigt sich als grundlos, sobald man einen Blick auf die Sammlung wirft, in welcher Pithöus das Gedicht zuerst veröffentlichte: Veterum aliquot Galliae Theologorum scripta, Parisiis 1586. 4. Dort ist das Gedicht in dem vorgesetzten Inhaltsverzeichniss der ganzen Sammlung, also da wo eine freigewählte Fassung mit der Treue eines Herausgebers vereinbar ist, in folgender

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