Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1861
- Date
- 1861-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Unter den zahlreichen schriftstellerischen Unternehmungen, welche in lateinischer Sprache zur Verbreitung der Bibel und zur Förderung biblischer Studien während des vierten und fünften Jahrhunderts ausgeführt wurden, gebührt der, einen Abriss biblischer und nachbiblischer Geschichte enthaltenden, Chronik1) des Aquitaners Sulpicius Severus zwar keine der ersten Stellen, aber sie hat doch auf eine grössere Theilnahme Anspruch, als ihr schon seit lange geschenkt zu werden pflegt. Die zwei Büchlein, aus welchen sie besteht, können weder mit den massenhaften Leistungen des Hieronymus in Uebersetzung und Erklärung sich messen; noch zeigen sie in ihrer schlichten Erzählungsform eine Spur von jener himmelerstrebenden historischen Architektonik, durch welche der cGottesstaat1 des Augustinus immer imponirt hat; ja selbst die ambrosianischen Homilien und Postillen müssen wegen der persönlichen Stellung ihres Verfassers — des Mailänder Bischofs, vor welchem Kaiser Theodosius sich beugte — die Aufmerksamkeit in ganz anderer Weise anziehen als Schriften eines Mannes wie Severus, der nie zu eingreifender öffentlicher Thätigkeit gelangt ist. Aber in wie mannigfacher Rücksicht dieses Werkchen hinter andern Erzeugnissen der gleichzeitigen Iitteratur zurückstehen mag, so wird es doch für die Betrachtung des Ganges, welchen die klassischen und biblischen Studien während jener Epoche des erlöschenden Heidenthums einschlugen, in hohem Maasse lehrreich, weil aus ihm, trotz seines geringen Umfanges, deutlicher als aus anderen weitschichtigeren Werken sowohl die litterärischen Bedürfnisse sich erkennen lassen, welche man neben den religiösen damals noch empfand, als die Mittel zu ihrer Befriedigung, über welche man noch verfügte. Und in der That muss Severus, schon nach dem Wenigen, was über seine Lebensverhältnisse bekannt ist, als vorzüglich befähigt erscheinen zu einem geschichtlichen Vortrage, welcher den eindringlichen Ton eines überzeugten Verkündigers biblischer Wahrheit anschlägt und dabei den Ansprüchen auf klassische Form, so weit dieselben von der damaligen lateinischen Lesewelt gestellt wurden,- mit der gewandten Sicherheit ■*) Die Rechtfertigung dieses Titels und die zum Verständniss der folgenden Noten unentbehrlichen Nachweise über Handschriften und Ausgaben enthält der Anhang. 1