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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1860-01-01 · 1860 · p. Seite XV

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1860
Date
1860-01-01
Page
Seite XV (sequence 17)
Language
German
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XV schichte der Philosophie mit Achtung genannter Denker, verfasste mit staunenerregender Gelehrsamkeit und umsichtiger Beherrschung des vorhandenen Stoffes sein grosses Werk Jad Hachasaka. In diesem Werke stellte er, ohne auf die Motivirung einzugehen, die von ihm als normirend erkannten Resultate hin, ordnete mit bewundernswürdiger Architektonik den Stoff nach Abtheilungen, Abschnitten, Kapiteln und Paragraphen, so dass jeder Gegenstand in gruppenartiger Formirung aller seiner Einzelnheiten zu einem Ganzen, seine vollständige, erschöpfende Behandlung findet. Dieses Werk zerfällt in vier Theile-, mehrere Abschnitte des zweiten Theües sind dem Eherecht gewidmet.—Doch dürfte Folgendes dem grossen Werke zum Nachtheil gereichen. Maimonides, in der peripatetischen Schule gebildet, hatte sich die Aristotelische Methode der logischen Schematisirung angeeignet und alles nur irgend in den früheren Quellen noch so entfernt Angedeutete in ein Schema gebracht. Aber dieses Streben nach Vervollständigung führte zur Aufnahme auch manches, nur als speculative Hypothese flüchtig Hingeworfenen, auch erhielt Manches, das an sich vieldeutig, hier eine starre, mitunter dem Grundgedanken nicht entsprechende Fixirung. Hierzu gesellt sich noch ein anderer beeinträchtigender Umstand. Der Verfasser hatte seinem Werke keine Quellenangabe beigefügt, auch nicht, was ihn bei unter sich differirenden mischn. oder talmud. Meinungen zur normirenden Aufnahme einer Meinung bestimmte, motivirt. Dieses Verfahren wurde schon von einem Zeitgenossen Maimonides', R. Abraham ben David aus Pesquiera, der M.'s Werk mit scharfen kritischen Glossen begleitete, gerügt1). Diesen Mängeln abhelfend, verfasste im 14. Jahrh. R. Jakob ben Ascher aus Toledo ein Werk, Tur genannt, welches in vier Theilen das auch nach Zerstörung des Tempels zur Ausführung kommende Gesetz bringt. Maimonides' Schematisirung dient ihm häufig zum Leitfaden, doch wusste er dessen Starrheit dadurch zu mildern, dass er die Quellen, wenn auch nur kurz, anführt, die vorzüglicheren Meinungen neben einander stellt und das Motiv seines Hinneigens zu einer dieser Meinungen angibt. Sehr häufig ist ihm die Meinung seines Vaters R. Ascher massgebend. Dieser aus Deutschland nach Spanien geflüchtete Gelehrte verfasste zu vielen talmud. Tractaten (eigentlich zum Compendium des Alfasi), ein durch Einfachheit und Prägnanz ausgezeichnetes Werk, das die Fixirung der Norm (Halacha) zum eigentlichen Zwecke hat. — Der dritte Theil des Tur, Eben Haeser genannt, ist ausschliesslich dem Eherechte gewidmet. Das Werk Tur wurde von R. Joseph Karo (16. Jahrh.) mit einem, sehr reiche Nachweisungen enthaltenden Commentar, Bet Joseph genannt, ausgestattet. Doch mochte dieser Gelehrte fühlen, dass der Tur, trotz seiner Brauchbarkeit, sich durch die Anführung der Quellen und der Meinungsverschiedenheiten nicht zum Codex eigene. Er bearbeitete daher, unter Zugrundelegung des Tur und des von ihm demselben beigegebenen Commentars, den Codex Schulchan Aruch, der in vier, dieselbe Aufschrift wie der Tur führenden Theilen ausschliesslich die Normen bringt2). — Ein Zeitgenosse Karo's, R. Moses Isserls, fügte diesem Codex Glossen an, welche theils Zu- *) Maimonides selbst hatte übrigens, wie er in einem Briefe mittlieilt, die Absicht, seinem Werke eine Quellenangabe beizufügen; der Tod kam der Ausführung seines Vorhabens zuvor. a) Für die Motivirung ist stillschweigend auf Tur und Bet Joseph verwiesen. — Der dritte Theil des Schulchan, Aruch führt ebenfalls die Benennung Eben Haeser.

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