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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1860-01-01 · 1860 · p. Seite X

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1860
Date
1860-01-01
Page
Seite X (sequence 12)
Language
German
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X die Zahl der Geburten beschränkt sei, und gehet sie über eine gewisse Grenze hinaus, so sei ihr entgegenzuwirken1). Und diese nicht auf sittlicher Basis ruhende Monogamie fand ihren Gegensatz und Ersatz in der sich häufig darbietenden Gelegenheit zur Befriedigung der sinnlichen Lust: in Griechenland munterten Staat und Sitte durch die Hetären hierzu auf2), und auch Rom bot vor alter Zeit her Mittel hierzu dar3). Die väterliche Liebe und Sorgfalt war in diesem" Verhältnisse nicht angeregt, und da Aussetzung und Abtreibung der Frucht, Mittel, zu denen diese Mütter leicht griffen, gestattet war, sah sich der Staat vor Uebervölkerung gesichert. — So führte die Monogamie indirect zur Zersetzung der Sittlichkeit, bis endlich die Ehe überhaupt unterzugehen drohte, und August zu ihrem 'Eingehen durch scharfe Strafen gegen den Kinderlosen eingreifen musste4). — Die mos. Gesetzgebung, von jener einseitigen Staatsauffassung nicht beengt, connivirte die Polygamie, um durch sie zur sittlichen Monogamie zu gelangen. Die Polygamie beeinträchtigt die Familie, das Familienleben; die Ehe selbst bleibt in ihr unangetastet5 sie bildet ein stehendes Verhältniss und ist in mancher Hinsicht ein Damm gegen UnsitÜichkeit5). Darum waren auch der frühern Zeit des Judenthums unzüchtige Anstalten und deren Trägerinnen fremd; der unkeusche Umgang auch mit einer Unverheiratheten war, nach Ansicht Mancher sogar unter Geisseistrafe, verpönt6). Die Hebung der Ehe selbst ging aus den im mos.-talm. Eherechte so hoch gehaltenen Keuschheitsgesetzen hervor; diese lebten sich ganz ein und es trat allmälig die Polygamie zurück. Schon zur Zeit des ersten Tempels scheint sie mehr bei den Grossen vorgeherrscht zu haben7); zur Zeit des zweiten Tempels kannte der Bildung und Wissen vertretende Stand nur die Monogamie, die Lehrer der ältesten bis auf die späteste Zeit lebten, wie durchgehend wahrzunehmen, in monogamischer Ehe. Und auch im Volke scheint die Polygamie allmälig mehr zu den Ausnahmen ge- J) Aristot. I. L: aQia&aL yag 8sT trjg xexvoiioiiag zo itlrßos' lav 8s tiGi yiyvr\xai naga. ravta 6vv8vct6&ivzcov itglv affftbj- Giv kyysv£6&ai v.ai gtoijv, iiinoLslo&ai 8sl xrp afißXcooiv. — Die röm. Monogamie mochte etruskischen Ursprungs sein: die alten Etrusker verfolgten nicht Erweiterungspläne. 2) Vgl. Hermann a. a. 0. S. 139. Sehr treffend bezeichnet der das. Anmerk. 14 angeführte St John, Hell. 2, 42 dieses Verhältniss: Recognised by law and scarcely proscribed by public opinion. 3) Tac. Annal. % 85: Vestilia praetoria familia genita, licentiam stupri apud aediles vulgaverat, more inier veteres recepto. VgL hierzu Just. Lipsius. 4) Durch die bekannte Lex Julia et Papia Poppaea. 5) Die Polygamie entspricht nicht dem Wesen der Ehe, ist aber nicht Unzucht, tritt ihr vielmehr entgegen; Polyandrie ist der tiefste Verfall, durchfrisst alle Bande der Sittlichkeit und führt zur verabscheuenswürdigsten Verthierung; aussereheliche Vermischung ist (besonders bei dem in Ehe Lebenden) Unzucht, endet in Zügellosigkeit. — Wenn, wie Sueton {Julius c. 52) erzählt, Julius Cäsar die Polygamie einführen wollte, so darf bei diesem tiefdenkenden Staatsmann nicht die eigene unreine Lust als Motiv angenommen werden, sondern er wollte wahrscheinlich durch sie der ungemeinen Ausgelassenheit und Ungebundenheit, die es den jungen Römern bequem machte, sich, ohne eine Familie zu begründen, den ausschweifendsten Freuden hinzugeben (vgl. Bio Gassius 56, 7), Einhalt thun. Vor der Klatschsucht, die ihm andere Motive unterschob, hätte ihn billig seine in mehreren trefflichen Gesetzen sich kundgebende höhere Tendenz schützen sollen. 6) Vgl. Raschbam zu Deuteron. 23, 18. Maimonid. Ischut. 1, 4. (Vgl. jedoch die Commentatoren das.) 7) Charakteristisch ist, dass die biblische wie die nachbiblische Zeit den Begriff „Harem" und die Benennung hierfür nicht kennt; nur aus dem Persischen findet sich Esther 2, 97: C>iyjn Auch Gynecäen waren dem Judenthum unbekannt; nur während der Menstruation schienen die Frauen sich in besondere Gemächer zurückgezogen zu haben, die rnNÖED TQ (Nidda 56, vgl. Raschi das.) genannt wurden.

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