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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1859-01-01 · 1859 · page 46

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1859
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
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44 dieser ist nahe — denn, sprach Gott, das Volk könnte sich's reuen lassen, wenn sie Krieg sehen und so würden sie zurückkehren nach Egypten." So wie sich nun in diesem Satze eine göttliche Rücksicht auf die natürliche Verzagtheit von Menschen ausspricht, die bis dahin in harter Dienstarbeit aufgewachsen waren, so ist es auch naturgemäss, eine Rücksicht auf die unmündigen religiösen Gewohnheiten der Menschen anzunehmen, da Gott durch ein die Naturgesetze aufhebendes Wunder wohl für einen Augenblick ein Einzelwesen in der Schöpfung verändert, niemals aber in die freie Entwickelung der gesammten Menschennatur eingreift, ein Grundsatz, der, durch viele Bibelstellen zu beweisen, auf's innigste mit der Lehre von der Willensfreiheit und der Zurechnungsfähigkeit zusammenhängt, ja erst die Notwendigkeit der Prophetie und Offenbarung verdeutlicht.*) Haben wir aber so für gewisse biblische Gebote das Recht hergeleitet, sie aus ihrer Zeit zu erklären — für solche nämlich, für welche die Bibel selbst dazu einen Anhaltspunkt bietet — und unterstützen uns hierin auch die zahlreichen Aeusserungen der Propheten, 2) so müssen wir wiederum umgekehrt für die übrigen biblischen Gebote uns klar werden, inwiefern sie die Bibel ohne Rücksicht auf Zeit, Ort und die sich verändernden Verhältnisse der Menschen hinstellen konnte, und auch diese Klarheit gewinnen wir durch eine fortgesetzte Vergleichung der göttlichen Lehre mit der Natur. Wie nämlich die Natur durchgehends zweckmässig ist, obwohl bisweilen der Einzelne gerade von diesem gesetzmässigen und heilsamen Schaffen der Natur Schaden erleidet, wie wir also in der Natur nur die Rücksicht auf das Allgemeine oder doch fast immer so Seiende, nicht aber auf individuelle Zufälligkeit wahrnehmen, so musste auch die göttliche Lehre, sollte sie anders absolut und allgemein sein, von den individuellen und je nach der Zeit sich ändernden Zufälligkeiten in der Gestaltung des menschlichen Lebens absehen und diejenigen Gebote, die in erster Reihe stehen, d. h. die zur Erreichung des Hauptzweckes einen Beitrag liefern, weder an Zeit noch an Ort knüpfen. So kann denn allerdings auch das heilsamste göttliche Gebot unter Umständen schädlich sein, aber nicht in anderer Weise schädlich, als ein heilsamer Regen dem zufällig auf der Landstrasse sich befindenden Wanderer 3). Kurz das Gesetz wendet sich an das allgemein Menschliche in jedem Menschen und verfehlt allerdings bisweilen seinen Zweck durch die Mangelhaftigkeit, mit der dieses vorausgesetzte allgemein Menschliche zufällig in einem einzelnen Individuum vertreten ist4). Nach diesen Vorbemerkungen ist es angemessen, sämmtliche 613 biblischen Gebote zur bessern Uebersicht und mit Rücksicht auf die ihnen zu Grunde liegenden Zwecke in 14 Klassen zu bringen, um so einzeln ihre ITebereinstimmung mit dem gefundenen Gesammtzwecke der Lehre nachzuweisen0). Als erste Klasse aber setzen wir diejenigen Verordnungen, die von uns in Hilchot Jesode Hathora (Abschnitt über die Grundlehren) und in Hilchot Tschuba und Taanijot (Abschnitt über 1) More HI, 32. 2) I. Sam. 15, 22; Jes. 1, 11; Jerem. 7, 22. 3) Dieser Satz gehört dem Commentator Schern -Tob ben Joseph ben Schemtob an. 4) More m, 34. 5} More III, 35—49. M. ist seinem fundamentum divisionis nicht treu geblieben, da ihm sonst nur zwei Hassen von Geboten, oder genauer, insofern ihm (s. oben) sowohl die auf Praxis als auch die auf Theorie gerichteten Gebote wiederum je in zwei Klassen zerfallen, nur vier Klassen von Geboten herausgekommen wären. In Wahrheit aber hat er der bessern Uebersicht wegen eigentlich nur die in seinem grossen Werke „Jad Hachasaka*' bereits getroffene Eintheilung in 14 Klassen zu Grunde gelegt, um von ilir lediglich da, wo es zu seinem Zwecke nicht passte, abzuweichen. Was uns betrifft, so sind wir weit davon entfernt, ihm auch in dieser von jedermann leicht einzusehendeu Abhandlung in's einzelne folgen zu wollen, charakterisiren jedoch der Vollständigkeit wegen die Klassen mit Hervorhebung etwa solcher Bemerkungen, die nach irgend einer Seite hin Interesse haben.

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