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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1859-01-01 · 1859 · page 45

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1859
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 45)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720909--0251-2721492
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43 Quellen sehr reichlich und von ihnen sind vorzugsweise zu nennen: Die Agrikultur der Nabatäer, das fälschlich dem Aristoteles zugeschriebene Buch Stomachos, das Buch über Talismane, das Buch Haschrab, das Buch von den Graden der Sphären und den Himmelszeichen, die bei jedem Grade zum Vorschein kommen, ferner ein anderes Buch über Talismane, das ebenfalls dem Aristoteles zugeschrieben wird, ein dem Hermes beigelegtes Buch, ein Buch des Ssabiers Isaac, in Avelchem er die Vertheidigung des ssabischen Glaubens unternimmt und endlich desselben grosses Werk: „Ueber die Gebräuche der Ssabier und ihre einzelnen Verordnungen, ihre Festtage, Opfer, Gebete und dergleichen andere Dinge, welche zur Religion der Ssabier gehören.*) Die Kenntniss dieser aus dem Strome der Zeiten geretteten Bücher nun gewähren einen vortrefflichen Einblick in den Sinn vieler göttlichen Verordnungen, namentlich aber der in Hilchot Aboda Sara (auf den Götzendienst bezügliche Verordnungen) und in Hilchot Aboda und Korbanot (Verordnungen über Tempeldienst und Opfer)2) von uns auseinandergesetzten. Doch muss hier noch einem Einwände begegnet werden, der sehr nahe liegt und bedeutend zu sein scheint. Wie ist es denkbar, so könnte man nämlich fragen, dass Gott in Rücksicht auf die Gewohnheit der damaligen Menschen den Opferkult gewissermassen nur tolerirt und durch Veränderung seiner Bestimmung gleichsam veredelt und zum höhern Zwecke der Lehre zusammenstimmend gemacht habe, da er doch einfach mit dem Gesetze zugleich die Empfänglichkeit für dessen höhere Zwecke hätte mittheilen können. Die Antwort ist aber am passendsten aus einer Bibelstelle herzuholen, welche einen ähnlichen Einwand zulässt. Exod. 13, 17 heisst es nämlich: „Es führte sie Gott nicht den Weg durch das Land der Philister — denn des ersten christlichen Jahrhunderts entstanden, im Nordosten Arabien's wohnten und parsificirte chaldäische Heiden oder ausserchristliche Gnostiker waren. Sie sind eben als die Vorfahren der heutigen Mendaiten anzusehen. Die anderen aber — so berichtet ein christlicher Schriftsteller Abu Jufuf Abschaa el Qatii am Ende des 9. Jahrhunderts — nahmen die Benennung „Ssabier" erst unter Al-Mamun auf den Rath eines Juristen Behufs ihrer Duldung au, hatten vorzugsweise im nördl. Mesopotamien (in Harran), dann auch in Bagdad ihren Sitz und waren Ueberreste der hellenisch gebildeten altsyrischen Heiden des Landes. Da nun in der Religion der letztgenannten Ssabier der Sterndienst besonders in die Augen fiel, so sagten die Moharoedaner von all den Völkern, von denen sie glaubten, dass sie dem Stern dienst ergeben gewesen: ihre Religion wäre die der Ssabier gewesen. Später endlich, als Astrolatrie mit Idolatrie überhaupt identificirt wurde, wurde auch Ssabismus und Heidenthum identisch. "Wie die übrigen jüngeren mohammedanischen Schriftsteller also versteht auch Maimoni, durch den man zuerst in Europa den Namen „Ssabier" kennen lernte, unter „Ssabier", was wir unter Heiden im ausgedehntesten Sinne des Wortes verstehen. 1) So sonderbar es auch scheinen dürfte, dass M. für die Erklärung bibl. Verordnungen auf ssabische Bücher verweist und so geneigt man ist, diese Sonderbarkeit auf Rechnnng des ungeschichtlichen Sinnes zu schreiben, den M. mit allen Arabern theilt, so haben die neueren Forschungen (Quatremere, Chwolson) dennoch Maimoni's Hypothese einigermassen zu Ehren gebracht durch das hohe Alter, das namentlich seiner Hauptquelle „die Agrikultur der Nabatäer" vindicirt werden muss. Nach Chwolson nämlich ist es nicht zweifelhaft, dass dieses aus 9 Büchern bestehende, ursprünglich in nabatäischer (aramäischer) Sprache abgefasste, im 9. Jahrhundert aber von Ibn Wa'sschijah. el Kasdani, einem babylonischen Hexenmeister und Alchymisten, in's Arabische übersetzte und interpolirte Werk noch zur Blüthezeit der Stadt Babylon in Babylonien verfasst worden und über den babylonischen .Kult handelt. Nach Quatermbre's Vermuthung ist das Buch über die Agrikultur der Nabatäer sogar schon zu Nebukadnezar's Zeit abgefasst worden. Bedenkt man nun, dass ziemlich unverkennbare geschichtliche Spuren auf einen noch vor der mosaischen Zeit begonnenen und viele Jahrhunderte andauernden lebhaften Verkehr zwischen Aegypten und Mesopotamien, Babylonien und Assyrien führen, ein Verkehr, der nachweislich einen bedeutenden Einfluss auf Gemeinschaftlichkeit der Cultur und der Religion geübt hat (Vgl. Chwolson I, S. 333 ff.): so wird man es nicht mehr abenteuerlich finden, indem Buche: „Die Agrikultur der Nabatäer" den ersten litterarischen Niederschlag einer schon in der mosaischen Zeit vorhandenen, Aegyptdern und Babyloniem gemeinschaftlichen heidnischen Religionsanschauung zu suchen. Bemerkenswerth ist übrigens, dass das Buch „Die Agrikultur u. s. w." bei Ibn-Esra und Andern auch neuron mi2j? heisst. Was die übrigen von Maimoni citirten Quellen betrifft, so ist die ausführliche Abhandlung über dieselben bei Chwolson I. p. 697 bis zu Ende des Capitels uachzulesen. 2) Hier wie im Folgenden bezieht sich M. auf sein grosses Werk: Jad Hachasaka. 6*

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