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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1859-01-01 · 1859 · page 44

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1859
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 44)
Language
German
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IRI
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42 thätigen entbrennen werde 1). Fragt man aber, in welcher Absicht denn die Bibel gewisse Ausübungen angeordnet hat, die nur dazu dienen, |ihrer Natur nach rein theoretische Wahrheiten initzutheilen, eine Mittheilung, die, wie es scheint, auch ohne solche Handlungen ganz gut möglich gewesen wäre, so ist darauf zu antworten, dass Erkenntnisse, denen nicht äussere Handlungen zu Hülfe kommen, die sie verbreiten, stützen und bei der Menge verewigen, nicht bleiben2). Hinzuzufügen ist aber ausserdem, dass der angegebene Zweck der biblischen Gebote selber biblisch ist, da die Bibelworte (Deut. 6, 24): „Da gebot uns denn der Ewige, alle diese Gesetze auszuüben, zu fürchten den Ewigen, unsern Gott, auf dass es uns wohlgehe allezeit, uns am Leben zu erhalten wie an diesem Tage," nach dem Vorgange derßabbinen so aufzufassen sind, dass das Wort „allezeit" auf dem Zustand nach dem Tode, die Worte: „uns am Leben zu erhalten wie an diesem Tage" hingegen auf die physische Existenz zu beziehen sind, so dass also sowohl Unsterblichkeit, (nach M. bekanntlich nur durch Theorie erreichbar) als auch materielle Wohlfahrt als das durch die biblischen Gebote zu erreichende Ziel hingestellt ist3). Bevor wir nun zu dem Nachweise übergehen, dass in der That alle einzelnen biblischen Gebote zu dem gefundenen Gesammtzwecke der göttlichen Lehre zusammenstimmen, müssen wir, um Fragen zu begegnen, auf weitere Analogien zwischen Natur und göttlicher Lehre aufmerksam machen.4) Wie nämlich die göttliche Weisheit in der Natur nicht am wenigsten darin sich offenbart, dass sie stets das unter den gegebenen Umständen Angemessenste hervorbringt, wie sie z. B. den Säugethieren milchgebende Brüste gegeben, damit die Jungen gleich nach ihrer Geburt mit einer der Zartheit ihrer LeibesbeschafFenheit angemessenen flüssigen Speise genährt würden, bis ihr Leib nach und nach an Festigkeit zunimmt, so zeigt sich die nämliche Sorgfalt und Rücksicht auf die geistige Unmündigkeit der Menschen in manchen Geboten der heiligen Schrift. Man hat nämlich sorgfältig zwischen den Geboten zu unterscheiden, die um ihrer selbst willen gegeben sind, d. h. die einen direkten Beitrag zur Erreichung des Hauptzweckes liefern, wie etwa das Gebot der Zizit, Tefillin, Mesusa und ähnliche, und denjenigen Geboten, die mit Rücksicht auf die vorgefundenen Sitten und Gebräuche, mit einem Worte auf die damalige Weltlage, angeordnet worden, und zu denen vor Allem die auf den Opferkult sich beziehenden Anordnungen gehören. °) Diese Unterscheidung wird aber von der Bibel selbst dadurch gemacht, dass sie die eine Klasse von Verordnungen als unabhängig von Zeit und Ort hinstellt, die andere dagegen von Ort, Zeit, Personen bedingt sein lässt und dadurch einschränkt. Es liegt demnach auf der Hand, dass die letztere Klasse von Verordnungen in ihrem wahren Grunde erst erkannt werden kann, wenn man sich eine geschichtliche Kunde des Heidenthums, dem die Bibel mit diesen Geboten richtend und vernichtend sich gegenüberstellte, verschafft hat. Dafür fliessen aber, seit die Schriften der Ssabier6) ins arabische übertragen worden sind, die 1) More m, 28. 2) More II, 31. 3) More m, 38. 4) MoreHI, 32. 5) Gegen diese Maimonische Anschauung vom Opferkultus hat der Maimoni sonst so hoch stellende Nachmani eifrig polemisirt, und er beruft sich mit Grund auf die biblischen Worte rh nm nn ncw, um das positiv Zweckhafte der Opferhandlungen im Sinne der heiligen Schrift zu erhärten. 6) Nach Chwolson's Untersuchungen über die Ssabier geben wir Folgendes: Die Ssabier des Koran, gegen die Mohammed tolerant ist, sind die zu Mohammed's Zeit zum Theil im nordöstlichen Arabien wohnhaft gewesenen Mendaiten, fälschlich Johanneschristen geheissen. Zur Zeit des Chalifats gab es nämlich zwei Arten von Ssabiern, von denen die einen, am Ende

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