Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 42)
- Language
- German
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40 von selbst versteht, spricht sich M. auch hie und da missbilligend über einzelne, in den Midraschim vertretene philesophische Ansichten aus weit öfter aber begegnen wir bei ihm Ausdrücken der Bewunderung über die Tiefe der im Gewände der Allegorie auftretenden Lehren. Wir glauben durch das bis jetzt Dargestellte, M/s Auffassung der theoretischen Seite der jüdischen ßeligionsquellen in ihrem Verhältnisse zur Philosophie genügend in's klare gesetzt zu haben und gehen somit zu dem letzten Hauptheile unserer Arbeit über, der M.'s Auffassung der praktischen Seite der Bibel, der 613 Gebote nämlich2), skizzirt. Doch müssen wir, damit der Ausdruck praktisch nicht missverstanden werde, bemerken, dass auch die Gebote nur zu einem Theile der sittlichen Praxis dienen, zum andern aber gleichfalls auf Mittheilung oder Einschärf ung von Erkenntnissen gerichtet sind, so dass der Ausdruek praktisch nur insofern sich rechtfertigt, als jedes Gebot als solches, es mag übrigens auf Theorie oder Praxis gehen, praktisch ist. m. Maimoni's Auffassung der biblischen Gebote3)* Zwischen Natur und göttlicher Lehre, als zwischen Aeusserungen eines und desselben göttlichen Willens, herrscht vielfache Analogie, so dass der philosophische Streit, der sich auf dem Gebiete der Naturerklärung erhoben hat, ob nämlich für das Vorhandensein der Dinge blos der nicht weiter zu erklärende göttliche Wille, oder vielmehr die zwecksetzende göttliche Weisheit als letzter Grund angenommen werden müsse, genau in derselben Weise auch auf dem Gebiete der Gesetzerklärung sich wiederholt hat 4). Wie es nämlich eine die Zweckmässigkeit der Natur so weit in Abrede stellende Ansicht giebt, dass nach ihr beispielsweise die Pupille und die Durchsichtigkeit der Hornhaut nicht vorhanden ist, damit die Sehkraft durchdringe und zu den Dingen gelange, sondern rein durch den göttlichen Willen, der aus übrigens unbegreiflichen Gründen eine Pupille und eine Hornhaut hat werden lassen, zu erklären ist 5): so giebt es auch Denker unter den Anhängern des göttlichen Gesetzes, welche jedes Forschen nach dem Zwecke eines Gebotes abweisen mit der Behauptung, es sei als eine in ihren letzten Gründen durchaus nicht begreifliche göttliche Willensäu8serung aufzufassen. Ja es giebt Leute, welche gerade in dem Nichtvorhandensein eines Zweckes die Göttlichkeit der Gebote suchen, weil, wie sie sagen, Gebote ohne einen ersichtlichen Zweck 1) More II, 30. 2) Die Zählung beruht auf dem talmudischen Satze Makot 23 b: 'Wi 'i »n. In anderer Rücksicht hat M. über denselben Gegenstand das nwcn nes geschrieben. Ausserdem geht auch seinem grossen Werke „Jad" ein geordnetes Verzeichniss der 613 Gebote voran. 3) Wir lassen in diesem Theile durchaus unsern Autor selbst ohne jede Unterbrechung im Texte reden. Uebrigens beruht M/s Verdienst, was die nwo 'opu betrifft, mehr darauf, dass er überhaupt sich die Aufgabe gestellt, als auf der befriedigenden Lösung derselben. Vielmehr hat auch hier gerade, was seine Grösse ausmacht, das Auffassen aus dem Grossen und Ganzen nämlich, ihn verhindert, dem Minutiösen und Einzelnen sein Recht werden zu lassen, wie seine seltsame Behauptung, dass die einzelnen Bestimmungen eines jeden Gebotes die Natur des Zufälligen haben, seine Ansicht über den Opferkult und ähnliche beweisen. In diesen Dingen hat, wie öfters, der Systematiker in ihm den Exegeten in die Irre geführt. 4) More IE, 26. 5) More, HI, 25.