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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1859-01-01 · 1859 · page 41

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1859
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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39 nehmen gerade daran, dass die Hagada offenbar den eigentlichen Wortsinn des Bibelverses nicht erklärt, Gelegenheit, über die Hagadisten ihren unheiligen Spott auszugiessen. In Wahrheit aberhaben Beide das Wesen der Hagada nicht erfasst. Sie will durchaus nicht Exegese sein, sondern ist ein eigenes Genus religiöser und moralischer Poesie, die in freier und zwangloser Weise an einen Bibelvers anknüpft, von dem der Hagadist sehr wohl selbst gewusst, dass der eigentliche Wortsinn desselben ein anderer sei. Diese allgemeine Erläuterung der Hagada wird darauf von Maimoni schlagend belegt1). Was aber die Hagada an sich und ohne Rücksicht auf ihr Verhältniss zur Bibel betrifft, so wird nach M. gemeinhin auch bei ihrer Erklärung nach zwei Seiten hin gefehlt und ihr so von Freund und Feind geschadet. Der Hagada ist nämlich die allegorische Ausdrucksweise eigen, und es kann daher wenig befremden, dass derjenige, der diese Eigentümlichkeit verkennt und sie wörtlich nimmt, sei es weil er zu ungebildet ist, um das Absurde und Unmögliche der wörtlichen Auffassung einzusehen, oder weil böswillig genug, um edlen und nicht genug zu rühmenden Weisen Absurdes in den Mund zu legen, den eigentlich tiefen und mit der wahren Weisheit übereinstimmenden Sinn der Hagada nicht erfasst. Diese Uebereinstimmung des esoterischen Midraschsinnes mit der Philo- O O sophie nachzuweisen, schien aber M. zu einer Zeit seines Lebens so wichtig, dass er den Plan nicht bloss gefasst, sondern auch bereits in Angriff genommen hatte, in einem Buche der Harmonie diese umständliche Aufgabe zu lösen 2). Als Grund jedoch, dass er den Plan wieder fillen gelassen habe, giebt M. die Erwägung an, dass ja der Ungebildetete, insofern er Mögliches von Unmöglichem nicht zu unterscheiden wisse, auch an dem wörtlichen Sinne der Deraschot keinen Anstoss nehme, der Verständige hingegen entweder von selbst hinter die wahre Intention des einzelnen hagadischen Satzes komme, oder im schlimmsten Falle zwar einen Schaden erleide, wenn er geringschätze, was nicht Geringschätzung verdiene, aber darum noch nicht gerade zum Unglauben getrieben würde. Ausserdem aber .— und das ist offenbar sein Hauptgrund — hätten ihm nach Jahren seine eigenen Erklärungen nicht mehr gefallen und er sich überzeugt, dass das allegorische Gewand der Hagada das kleidsamste sei, weil es die Wahrheit gerade so sehen lasse, wie man sie zeigen solle. Nichtsdestoweniger, hat M., so oft sich ihm die Gelegenheit dazu bot, seine Philosophie von Midraschsätzen bestätigen lassen. So, um nur Einiges anzuführen, citirt er für seine Lehre über die Attribute die in der That treffliche Aeusserung des R. Chanina 3). Ebenso citirt er für seine Auffassung der Gottesnamen einen Satz des R. Elieser, der dieselbe Auffassung zu bieten scheint 4). Ja seine Ansicht über Gott als ersten Beweger, über die Sphären und ihren Einfluss auf die sublunarische Welt, über die körperlosen Intelligenzen und ihre Vermittelung zwischen Gott und Welt, über die Verschiedenheit der Materie in der sublunarischen und jenseitigen Welt und über andere wesentliche Punkte seiner Philosophie findet er sämmtlich in den Midraschin wieder 5). Und so zeigt er sich denn auch stets von Verehrung gegen die alten Weisen erfüllt und warnt vor leichtfertiger Behandlung ihrer Aussprüche 6). Doch hindert ihn das keinesweges, sich die Freiheit des Forschens zu bewahren, und er citirt den talmudischen Satz: „In diesem Punkte haben die heidnischen Weisen den Sieg über die jüdischen davongetragen/' um zu erhärten, dass die Wissenschaft frei sei7). Wie sich demgemäss 1) More III, 43. 2) Vorrede zum More. 3) More I, 59. 4) More I, 61. 5) More I, 70, 71; II, 6, 10, 26. 6) More II, 26, I, 62. 7) More II, 6. -

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