Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1859-01-01 · 1859 · page 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1859
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2720904-2720909--0246-2721487
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

38 Naturgesetzen zu reden, aber diese ihre Stabilität selbst beruht auf dem Willen Gottes, der sie demnach in einzelnen Fällen, wo es seiner Weisheit angemessen scheint, auch aufhebt1). Es bleibt nur noch, M. Ansicht von der Providenz wie seine ethische Grundansicht als von diesem in der Bibel wiedergefunden nachzuweisen. Was aber die erstere betriff!;, so erklärt M. ausdrücklich, sie geradezu aus der Bibel erst gelernt zu haben; Zu seinem Glauben nämlich, dass über die Thiere keine specielle Providenz walte, habe ihn die Wahrnehmung gebracht, dass kein Prophet es bezeuge, wTohl aber eine Stelle in umgekehrtem Sinne sich vernehmen lasse. Denn Habakuk I, 14—15, wo der Prophet das Vermisstwerden der göttlichen Providenz in dem Geschicke Israels beklagt, heisse es: „Und machst die Menschen wie die Fische des Meeres, wie das Gewürm, das keinen Herrscher hat." Zahlreicher noch und nicht alle anzuführen seien die Belege für die andere Ö Behauptung, dass nämlich die Providenz sich nach der Würdigkeit richte und errungen werden müsse. So verheisst Gott dem Abraham seinen besondern Schutz durch die Worte: „Ich bin dein Schild," dem Isaac durch die Worte: „Ich will mit dir sein und dich segnen," dem Jakob durch: „Siehe, ich bin mit dir und behüte dich," dem Moses durch: „Ich werde mit dir sein und dieses sei für dich das Zeichen," und ebenso anderen Propheten und Frommen in anderen Wendungen. Was aber die Vernachlässigung der Bösewichter betreffe, so heisst es: „Die Schritte seiner Lieben beobachtet er, die Frevler gehen im Finstern zu Grunde." Hervorheben wollen wir ausserdem noch, dass M. in Hiob und seinen vier Freunden alle fünf von ihm angeführten Meinungen über Providenz vertreten glaubt2). Doch können wir diesen Punkt nur andeuten. Seine ethische Grundansicht endlich, dass der letzte Zweck die Theorie und zwar näher die Gotterkenntniss sei, hält M. insofern für biblisch, als überall, wo die Bibel die Pflichten eines Israeliten zusammenfasst, diese auf die Liebe Gottes oder auf die Furcht Gottes hinauslaufen. Beide aber sind in vollkommenem Masse nur möglich, wenn sie von der Betrachtung der göttlichen Weisheit, wie sie im Kleinen und Grossen sich zu erkennen giebt, ausgehen 3). Wenden wir uns jetzt zu der anhangsweise zu besprechenden Maimonischen Auffassung des Midrasch (der hagadischen Bibelauslegung) 4). Maimoni kann, obwohl ihm in der geistigen Auffassung der Hagada Manche vorangegangen, dennoch mit Recht als der Erste genannt werden, der das wahre Wesen derselben mit der ihm eigenen Präcision richtig bestimmt hat 5). Der falschen Richtungen in der Auffassung der Hagada sind nämlich nach ihm zwei sowohl der Natur der Sache nach möglich, als auch in Wirklichkeit eingeschlagen worden. Dabei muss man im Sinne M.'s noch unterscheiden zwischen der Auffassung der Hagada an sich und der Auffassung derselben in ihrem Verhältnisse zur Bibel 6). Was nun zunächst diese letztere betrifft, so giebt es Viele, meint M., welche in der Hagada eine von den Hagadisten ernstlich gemeinte Bibelauslegung sehen, und weil sie, wie billig, der Autorität höher stehender Weisen sich unterwerfen, für die Wahrheit der Hagada mit allen ihnen zu Gebote stehenden Waffen kämpfen, ja sie gleich hoch mit der traditionellen Halacha stellen. Andere Böswillige wiederum 1) More II, 25. 2) More HI, 22—23. 3) Jes. hath. II, 1. 4) Zunz, die gottesdienstl. Vorträge, S. 399 ff. 5) More JII, 43 und Einleitung zu p^n. 6) Diese Unterscheidung beruht auf Parallelisirung des im More und wiederum des in der angeführten Einleitung Gelehrten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.