Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2720904-2720909--0245-2721486- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
37 Sphären und körperlosen Intelligenzen vorbringt1). Daaa nämlich die Sphären und Gestirne auch in der Bibel als lebendige und vernünftige Wesen gefasst seien, eruirt M. in sehr künstlicher Weise aus den Worten: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes," deren zu Tage liegenden bildlichen Sinn er abweisen zu können meint durch die Bemerkung, dass die Wörter "»1SD1 nun im Hebräischen nur von einem vernunftbegabten Wesen sollen gebraucht werden können. Ueber die getrennten Intelligenzen aber lehrt er, dass sie identisch mit den in der Bibel vorkommenden Engeln (DOsSö) seien. Die verschiedene Gestalt jedoch, in der diese an sich körperlosen Wesen auftreten, sind aus der Natur der Prophetie zu erklären. Gleichzeitig aber macht er darauf aufmerksam, dass, da ~\vhti eigentlich Bote heist, der Ausdruck homonymisch nicht blos auf Propheten und andere Boten vorkommt, sondern neben den körperlichen Intelligenzen auch die Sphären und Gestirne, die Elemente, ja alle in der Natur der Dinge wirkenden Kräfte umfassen kann. Engel im eigentlichen Sinne aber sind ihm nur die körperlosen Intelligenzen, und Betreffs ihrer bestätige die Bibel vollkommen, was die Philosophie lehrt, dass nämlich Gott vermittelst der körperlosen Intelligenzen seine Wirkungen spende. Denn nur so sei der plural. Ausdruck in den Versen: „Wir wollen einen Menschen machen in unserm Ebenbilde," oder: „Wohlan, wir wollen uns herablassen und ihre Sprache verwirren," zu erklären. Nicht minder wichtig, als das bis jetzt Angeführte musste aber für M. auch sein, die erste Materie und ihren Ursprung durch Gott in der Bibel aufzufinden. Wirklich bietet sich ihm dazu die Bibelstelle Exod. 24, 10: „Und siehe, unter seinen Füssen war wie ein Werk aus leuchtendem Sapphir2). Die Worte: „unter seinen Füssen" erklärt er nämlich nach analogen Stellen als-„von ihm ausgehend, durch ihn gewirkt." „Das Werk aus leuchtendem Sapphir" aber ist ihm die erste Materie. Die Worte "l'son raa*? drücken ihm nämlich nicht die „Weisse," sondern die „Durchsichtigkeit" des Sapphir aus. Wie der durchsichtige Körper aber keine Farbe hat3), sondern sie alle successiv aufnimmt und fortgiebt, so ist die erste Materie, weil formlos, geeignet, alle Formen successiv aufzunehmen. Endlich ist durch das Wort TWVß (Werk) die Passivität (blosse Receptivität) der Materie bezeichnet. Was also die Edlen der Kinder Israels wahrnahmen, das war die erste Materie und ihr Gewirktsein durch Gott. Der Ursprung der ersten Materie aber aus Gott steht in innigem Zusammenhange mit der Weltschöpfung, von der M. jedoch sonderbarerweise erklärt, dass er sich zu ihr nicht darum bekenne, weil die Bibel sie dem Wortsinne nach zu lehren scheine, sondern um der die Religion aufhebenden Consequenzen willen, die aus der Annahme der Weltewigkeit sich ergeben 4). Wie begreiflich hat diese Behauptung schon früh den Gegnern Maimoni'a Gelegenheit zum Angriff gegeben 5), und auch Spinoza 6) beruft sich namentlich auf diese Stelle, um Maimoni's Interpretationsweise bioszustellen. Wir haben jedoch schon oben bemerkt, dass man die Stelle mehr sagen lässt, als sie aussagt. Die Consequenzen aber, von denen M. spricht, sind vorzugsweise die Wunder, deren Möglichkeit nur unter Voraussetzung einer vollkommen freien Ursache, die in gleicher Weise als letzter Grund für die Naturgesetze wie für die Wunder angenommen wird, gegeben ist. Wohl ist daher nach M. Aristoteles im Rechte, von festen und nicht alterirbaren 1) More II, 5, 7. 2) More I, 27. 3) Arist. de an. II, 7. 4) More II, 25. o) Vgl. mien nvu*, Brief des gelehrten Jehuda Alpachar. 6) Spinoza tiact. theol. pol. ed. Paulus p. 271.