Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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36 enthalten sei: „Lass mich deine Wege sehen, damit ich dich kennen lerne," deren andere aber in den Worten liege: „Lass mich deine Herrlichkeit sehen." Die erste Bitte nun sei, wie leicht einzusehen, auf die Erkenntniss Gottes durch die Attribute seines Wirkens, die zweite auf eine direkte Erkenntniss der göttlichen Wesenheit gerichtet gewesen, weshalb er auf die zweite, als ihrer Natur nach" unerfiillbar, die Antwort erhalte: „Ich werde all mein Gut an dir vorüberziehen lassen," welche Antwort eine Gewährung der ersten Bitte verheisse, da unter den Worten: „all mein Gut" die gesammte Schöpfung in ihren Bezügen und ihrer von Gott ausgehenden Ordnung zu verstehen sei, wie ja in der Genesis die Schöpfung als gut bezeichnet werde. Die Unerfullbarkeit der ersten Bitte werde dann auch noch ausdrücklich gelehrt in den Worten: „Denn du kannst mein Angesicht nicht sehen." Dass aber die Attribute Gottes, die Moses mitgetheilt worden, nicht wirkliche Attribute, sondern nur solche waren, die sein Wirken im Universum veranschaulichen, folge unzweideutig aus ihrer nachherigen Aufzählung: „barmherzig, langmüthig und gnädig u. s. w." Sie seien vielmehr sämmtlich so zu verstehen, dass wir Gottes Wirken im Universum menschlich nicht anders auffassen können als hervorgehend aus einer barmherzigen, langmüthigen u. s. w. Ursache, ohne dass darum Gott selbst eine Leidentlichkeit und ein Afficirtwerden zugeschrieben werde. Sehr weise übrigens O O werden nur solche Attribute aufgezählt, die der Mensch, namentlich aber der Regent und Prophet, als massgebende Richtschnur für sein eigenes Verhalten gebrauchen könne. Wie begreiflich fuhrt die weitere Vertiefung der Lehre über die Attribute den M. dann auch zur Besprechung der bibl. Gottesnamen 1). Von ihnen aber lehrt er als etwas bereits Bekanntes 2), dass sie sämmtlich mit Ausnahme des Tetragramm nicht das Wesen Gottes ausdrücken, sondern nur Homonyraa sind zur Bezeichnung von Handlungen nämlich, wie man deren ähnliche auch bei uns Menschen findet. Nur von dem Tetragramm glaubt er, dass es keine bekannte Etymologie habe und daher das wahre Wesen Gottes ausdrücke. Doch sieht man deutlich, dass er sich der Etymologie des Wortes wohl bewusst gewesen, da er darin die Idee des nothwendigen Wesens sucht, eine Idee, die er auch in dem "WS rvns nviN findet. Das Geheimniss dieser letztern Bezeichnung Gottes beruht ihm nämlich in .der Wiederholung desselben Wortes, welches die Existenz ausdrückt, in der Form eines Attributes. Denn damit sei gesagt, dass Gott existire, aber nicht durch die Existenz, welche accidentell zu seinem Wesen hinzuträte. In gleicher Weise etwa findet er anderswo3) die behauptete Identität des Lebens Gottes mit seinem Wesen in dem Gebrauche, den üblichen Schwur bei dem Leben Gottes ('n 'n) nicht 'n >n wie njna »n und ähnliche sondern 'fl *n zu vokalisiren. Was aber den zwölf- und den zweiundvierzigbuchstabigen Gottesnamen betrifft, dessen der Talmud Erwähnung thut, so sieht er im erstem eine eigentlichere Bezeichnung Gottes, als im Namen *jns liegt, der noch bis heutzutage für das Tetragramm substituirt wird, in dem letztern dagegen einen Complex von Wörtern, welche gewisse Ideen ausdrückten, die auf die mögliche, d. h. durch Negation von Unvollkommenheiten zu erreichende Erkenntniss des göttlichen Wesens hinführten. Gehen wir jetzt, da wir M. in seiner Erörterung der Gottesnamen nicht weiter in's einzelne folgen können, zu dem über, was er als biblische Bestätigung für seine Ansicht über die Natur der 1) More I, 61 ff. 2) Cusari II, §. 2. 3) More I, 68. Vgl. Jesode hathora II, 10.