Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 37)
- Language
- German
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35 Als dritte Vision endlich erwähnt der Prophet einen Himmel und über ihm die Gestalt eines Thrones wie über diesem eine menschenähnliche Gestalt. Die Menschengestalt selbst aber wird als getheilt vom Propheten dargestellt. M. nun versteht unter dem Himmel das allumfassende primum mobile, d. h. den äussersten Alles in Bewegung setzenden sternlosen Sphärenkreis und sieht in der getheilten Menschengestalt die erste von Gott unmittelbar emanirte Intelligenz, die für ihn, wie uns bereits bekannt, zusammengesetzt ist, insofern sie nicht blos sich, sondern auch ihre erste Ursache denkt. Dagegen kommt Gott selbst, meint Maimoni, in der Vision nicht vor, und wenn der Prophet sich ausdrückt: „Das ist das Bild der Herrlichkeit Gottes, so ist die Herrlichkeit Gottes eben nicht er selber. Wir müssen auf diese gedrängte Angabe der Mainionischen Maasse Merkaba uns beschränken, um Raum zu finden für den Nachweis, wie M. auch die übrigen wichtigsten Lehren seiner Philosophie in der Bibel wiederzufinden bemüht ist, gleichzeitig aber auch (anhangsweise), wie er sich der midraschischen Bibelauffassung gegenüber verhält. Als solche wichtigste Punkte nun bezeichnen wir vor Allem die Unkörperlichkeit und schlechthinnige (d. h. die Mehrheit von Attributen ausschliessende) Einheit Gottes". Da jedoch, was zunächst die Unkörperlichkeit betrifft, es an ausdrücklichen und unzweideutigen Erklärungen der Bibel nicht fehlt1), so fisst M. seine. Aufgabe negativ, d. h er führt alle biblischen Ausdrücke, die geeignet sind, ihrem Wortsinne nach die Vorstellung, als sei Gott körperlich, bei dem nicht tiefer Eingehenden zu erwecken, auf ihren wahren Sinn zurück. So bespricht er denn die Verba: Sehen, aufsteigen, niedersteigen, sitzen, stehen, sich annähern, anfüllen, erhaben sein, vorüberziehen, kommen, gehen, zurückkehren, wohnen, sich betrüben u. a., desgleichen Substantiva wie: Bild, Aehnlichkeit, Bau, Figur, Ort, Thron, Fels, Fuss, Hand, Gesicht, Bücken, Herz, Geist, Seele, Auge, Wort, Schrift, Buhe u. a. nach ihrer wahren Bedeutung, so oft sie in der Bibel metaphorisch in Bezug auf Gott gebraucht werden. Die Umständlichkeit aber, mit der M. dabei zu Werke geht, rechtfertigt sich hinlänglich durch seine gewiss tadellose Ansicht, dass die Unkörperlichkeit Gottes zu denjenigen religiösen Grundwahrheiten gehöre, die nicht blos dem philosophisch Gebildeten, sondern auch dem gemeinen Manne fest eingeprägt werden müssen 2), abgesehen davon, dass er zugleich Gelegenheit nimmt, auf seine Philosophie überhaupt vorzubereiten. Er beruft sich ausserdem für sein Verfahren auf das Targum des Onkelos, der bekanntlich alle zur Verkörperlichung Gottes hinneigenden bibl. Ausdrücke paraphrasirt hat 3). Bemerkenswerth ist jedoch, dass M. für die Offenbarung Gottes auf Sinai und für andere Erscheinungen der „Herrlichkeit Gottes" mit den altern B-eligionsphilosophen ein geschaffenes Licht annimmt4), so dass er z. B. die Worte Exod. 10, 3: „Und Moses stieg auf zu Gott" zugleich als eine Erhebung des Gedankens zu Gott und als ein Aufsteigen zu dem geschaffenen Lichte auffasst. In innigem Zusammenhange nun mit der Unkörperlichkeit steht die Einheit Gottes, welche in den Worten: „Höre Israel u. s. w." ausdrücklich genug gelehrt ist. Was aber ihren nähern Sinn, was namentlich die Lehre über die Attribute angeht, so knüpft M. zunächst an Exod. 33, 13—34, 7 an 5). Zur Erklärung dieser Bibelstelle nämlich sagt er: Moses habe eine doppelte Bitte ausgesprochen, deren eine in den Worten 1) Jesode hathora I, 8 führt M. eine Reihe einschlägiger Bibelstellen an. 4) More I, 10. Vgl. Münk zu More I, 64 S. 286. 5) More I, 54. 2) More I, 35. 3) More I, 27. 5*