Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2720904-2720909--0241-2721482- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
33 dene Dinge gebraucht würden. Die Anwendung dieser Regel macht er nun gleich in etwas geheimnissvöller, aber schon von einem der Commentatoren richtig erkannten Weise für die Erklärung der „Ausdehnung" und „des Wassers oberhalb und unterhalb der Ausdehnung." \ Offenbar nämlich findet er in diesen Worten die meteorologische Theorie des Aristoteles, nach welcher man eine zwiefache Art von Dunst, den feuchten (ar^tg) und den trockenen (avad-Vfuiaaie) zu unterscheiden hat. Der feuchte Dunst ist aber der die Erde umgebende Sphairos, den wir Luft nennen (Atmosphäre); der trockene dagegen ist feuerartig und bildet den äussersten umgebenden Kreis unter der Sphäre der Gestirne. M. nun versteht unter dem Wasser „unter der Ausdehnung" das eigentliche Wasser, unter der „Ausdehnung" die Gränze der Atmosphäre und unter dem Wasser „oberhalb der Ausdehnung," das auch, wie er sagt, in ganz anderem und durchaus uneigentlichem Sinne Wasser heisst, die Region des trockenen Dunstes. Dass aber später V*pT (Ausdehnung) auch geradezu für den eigentlichen Himmel steht, ist durch seine allgemeine Regel bereits erklärt, da eben durch die Worte: „Und Gott nannte die Ausdehnung Himmel" auf einen doppelten Gebrauch des Wortes hingewiesen. Als bemerkenswerth erwähnen wir ausserdem noch, dass M. in der Schöpfung des Lichtes, das in der Bibel nach Aufzählung der Elemente erwähnt ist, gleichfalls einen sehr regelmässig fortschreitenden Gang findet. Als Princip des Entstehens und Vergehens, also der Mischimg und Entmischung der Elemente, gilt ihm nämlich mit Aristoteles neben der Sphärenbewegung auch Licht und Finsterniss nebst der sie begleitenden Wärme und Kälte *). Was aber den weitern Verfolg der Schöpfungsgeschichte betrifft, so bietet er M. nur Gelegenheit, manche interessante midraschische Aeusserung in seinem Sinne zu erklären, und würde es uns zu weit führen, darauf näher einzugehen. Wir versuchen vielmehr jetzt, in derselben Weise das Wichtigste aus der Maasse Merkaba mitzutheilen. Die Vision des Jecheskel zerfällt nach M. in drei von einander zu sondernde Erscheinungen, worauf sowohl der plural. Ausdruck niNltt, den der Prophet gebraucht, als auch das dreimalige: „Und ich sah" (snsi) führt. Ferner ist die Vision im zehnten Capitel identisch mit der im ersten, und die veränderten Ausdrücke und manche hie und da veränderte Züge können zur Erklärung und Ergänzung dienen. Im Einzelnen aber sind die Erscheinungen: 1) die der vier Thiere (Chajot), 2) die der vier Räder (Ophanim) und endlich 3) die der Himmelswölbung und der Menschengestalt über den vier Thieren. Was nun zuerst die Chajot betrifft, so erzählt der Prophet, er habe deren vier gesehen, deren jede wiederum vier Gesichter, vier Flügel und zwei Hände gehabt hätte, während die ganze Gestalt einer jeden Chaja eine menschenähnliche gewesen. Ferner bemerkt er, dass ihre Füsse gerade, d. h. ungegliedert gewesen, und fügt dann hinzu, dass ihre Bewegungswerkzeuge, die Fusssohlen, rund gewesen seien. Endlich sagt er, dass kein Zwischenraum die vier Chajot getrennt, dass aber ihre Gesichter und Flügel nach oben getrennt waren, wobei das Wort nach oben zu beachten ist. Nachdem er aber so die Gestalt der Thiere beschrieben und noch hinzugefügt, dass sie rein wie polirtes Kupfer und leuchtend wie glühende Kohlen gewesen, geht er zur nähern Angabe ihrer Bewegung über und beschreibt diese folgendermassen: a) Sie lenkten nicht ab im Gehen, was so viel sagen will, als es sei dabei keinerlei Unregelmässigkeit wahrzunehmen, b) Eine jede Chaja ginge nach der Richtung ihres Gesichtes. Da aber jede viele Gesichter hatte, so kann das 1) Ueber den Licht und Wärme verbreitenden Himmelskreis siehe Ibn-Sina bei Scharastani.