Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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30 denn überhaupt die Homonymität des Wortes "jx^ö festzuhalten ist, wenn man nicht auf die falsche Meinung kommen will, dass Hagar, Manoali und ähnliche nicht dazu vorbereitete Menschen eine prophetische Vision gehabt hätten. Verfolgen wir jetzt noch die weiteren Ausführungen und wichtigsten (Konsequenzen, die M. aus seiner Erklärug der Prophetie gezogen, so wird einmal Idar, woher die Gradverschiedenheit unter den einzelnen Propheten, ja bei einem und demselben Propheten zu verschiedener Zeit komme. Da nämlich die Einbildungskraft eine nicht ohne Körper denkbare Kraft ist, so ist sie der grössern und geringem Vortrefnichkeit wie der Störungen und Trübungen fähig. Richtig sagen daher auch die Weisen, dass die prophetische Gabe von dem Trauernden und in Leid Versenkten schwinde x), und M. zählt demgemäss an der Hand der Bibel nicht weniger als eilf prophetische Grade auf, oder, wie er zweifelnd hinzufügt, da es nicht ersichtlich ist, ob der Prophet jemals den Eindruck habe, als rede Gott selbst unvermittelt zu ihm, so könnte es möglicherweise auch nur acht prophetische Grade geben. Ausserdem wird einleuchtend, wovon wir bei Erwähnung der Grundzüge dieser Maimonischen Abhandlung ausgingen, woher eben die Mehrzahl der Weissagungen in Allegorien, Metaphern und hyperbolischen Erzählungen gegeben sind, da das Organ der Prophetie, die Einbildungskraft, eben in dieser Weise die Erkenntnisse sinnlich gestaltet. Nicht minder endlich fallt ein Licht auf viele sonst höchst auffallende biblische Erzählungen. Die wunderlichen Thaten der Propheten nämlich, die in Jesaias, in Jecheskel, in Hosea und bei andern erzählt sind, dürfen keinesweges als wirkliche Geschehnisse aufgefasst werden, da der Herr seinen Propheten sonst Dinge zu thun befohlen haben würde, die selbst gewöhnliche Menschen zu thun unter ihrer Würde gehalten hätten, vielmehr ging das Alles in prophetischer Vision vor. Hie und da ist das so unzweifelhaft, dass Niemand es in Abrede zu stellen sich wird einfallen lassen. Als eklatantestes Beispiel aber, wo nämlich die Bibel selbst die Sache als blos in prophetischer Verzückung vorgegangen darstellt, wird Jecheskel 8, 1 angeführt: „Und es geschah im sechsten Jahre, am fünften des sechsten Monats, ich sass in meinem Hause und die Aeltesten Jehuda's sassen vor mir, da fiel auf mich dort die Hand Gottes, des Herrn. .....Und es streckte aus die Form einer Hand und fasste mich bei den Locken meines Hauptes und ein Geist führte mich zwischen Erde und Himmel und brachte mich nach Jerusalem in Gesichten Gottes." Nicht immer jedoch ist die Bibel so deutlich, weil sie sich auf ihre allgemeine Erklärung über diesen Punkt 2) und auf unser Verständniss verlässt. Es bleibt nur noch, der Vollständigkeit wegen die prophetische Stufe des Moses im Sinne Mahnoni's zu bestimmen. Dass diese als eine höhere aufzufassen, meint M., oder richtiger, dass die Prophetie Mosis substantiell von der aller übrigen verschieden sei, wird von der Bibel Exod. Ö, 3 und Deut. 34, 10 mit ausdrücklichen Worten gelehrt. Obwohl nun vollständig ihr wahres Wesen zu begreifen uns unmöglich ist, so hat doch die Bibel Numeri 12, 6—7 vier unterscheidende Kennzeichen an die Hand gegeben 3), von denen das philosophisch bedeutsamste ist, dass Moses keines sinnlichen Schema's, also keiner Mitwirkung der Phantasie bedurfte, um die mitgetheilte Erkenntniss aufzufassen, weil er, durch völlige Abwendung vom Irdischen einmal bis zur Stufe körperloser Intelligenzen gekommen, auch keiner Vermittelung durch die wirkende Intelligenz bedurfte, sondern als 1) nw*j? -pno vh rrnv ns'iaan ps 2) Numeri 12, 6. 3) Vgl. Jesodc hathora 7, 6.