Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2720904-2720909--0237-2721478- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
29 Organisation der Einbüdungskraft kommen sie nicht bis zur prophetischen Ekstase. Umgekehrt aber auch ist eine Stufe gedenkbar — und auf ihr stehen vor Allem die eingebildeten Propheten — auf der das Denkvermögen, sei es aus angeborener Unvollkommenheit oder aus Mangel an Ausbildung verhältnissmässig schwach ist und von einer an die prophetische Kräftigkeit heranreichenden Einbildungskraft überwuchert wird, was denn zur Folge hat, dass Einer allen Ernstes sich für einen Propheten halten kann, ohne es zu sein. In gleicher Weise ausserdem ist die an's Wunderbare gränzende prophetische Beherztheit und die prophetische Divinationsgabe als eine Potenzirung der auch bei Andern anzutreffenden Beherztheit und Divinationsgabe zu fassen, nur dass war so wenig von einer Stärke der Einbildungskraft, wie sie eben bei den wahren Propheten das Zukünftige als ein Gegenwärtiges erschaut, als etwa von einer Stärke des Erkenntnissvermögens, wie es bei eben denselben ohne vermitteltes Denken die Wahrheit unmittelbar ergreift, uns einen deutlichen Begriff machen können. Ueber die Mittheilung „in Gesichten" nun ist vor Allem zu sagen, dass die Bibel dafür die sachlich gleichwerthigen Ausdrücke: nxnö /n*no und 'n "P hatx). Dann dass sie nach zahlreichen Bibelstellen zu denken ist als ein Ergriffenwerden des zu Ergreifenden im wachen Zustande von einer Angst, welche die Thätigkeit der Sinne aufhebt, worauf dann die Einwirkung der wirkenden Intelligenz zunächst auf den Geist und von diesem auf die das Erkannte gegenständlich gestaltende Phantasie erfolgt. Die Mittheilung „in Gesichten" hat übrigens mit der „im Traume" das gemein, dass in beiden Fällen kein wirklich äusserlich wahrnehmbarer Gegenstand dem von dem Propheten Erschauten korrespondirt, sondern dass durch die rein geistige Einwirkimg des Engels die Phantasie zum Gestalten des geistigen Eindruckes sollicitirt wird. So hat man also, so oft von einem Eeden Gottes oder eines Engels erzählt wird, lediglich an einen Traum oder an eine solche prophetische Schau zu denken, obwohl die prophetischen Berichte über ergangene Mittheüungen sich in vier verschiedenen Weisen vernehmen lassen. Bald nämlich sagt der Prophet ausdrücklich, dass die Mittheilung an ihn durch einen Engel im Traume oder in einem Gesichte geschah, bald erwähnt er Nichts von einem Traume oder von einem Gesichte, bald wiederum schreibt er die Mittheilung Gott und nicht einem Engel zu, während er aber hinzufugt, dass es in einem Traume oder in einem Gesichte geschah, bald endlich drückt er sich kurz aus, dass das Wort Gottes an ihn erging. In allen vier Fällen, aber ist immer das gleiche Sachverhältniss anzunehmen, dass nämlich die Mittheilung nur durch einen Engel und ferner nur im Traume oder in Gesichten erfolgt ist. Nach diesen Vorausschickungen sagt denn Maimoni allgemein, dass überall, wo in der Bibel von der Erscheinung eines Engels die Rede ist, diese Erscheinung nicht eine den äussern Sinnen gegebene, sondern eine prophetische Vision war. Und 'so sind denn nach M. der dem Abraham auf Moria erschienene Engel, ferner die drei Männer im Haine Mamre's, der Engel, der mit Jakob rang, die ganze Erzählung von der Eselin Bileam's und dem dem Bileam in den Weg tretenden Engel, der Engel, der Josua vor Jericho erschien und zahlreiche andere Begebnisse nur als innere Vorgänge und als eine Mittheilung „in Gesichten" aufzufassen 2). Eine alleinige Ausnahme aber machen nur die Stellen, wo das Wort "isbö nicht, durch „Engel," sondern durch „Bote" oder „Prophet" wiedergegeben werden niuss, wie 1) Mit diesem ntj-io ist nicht zu verwechseln der Ausdruck nxia, der bei Moses vorkommt (S. später) und "vielmehr den Gegensatz zu nn'na ausdrücken soll (Jes. hath. VII, 1—6). 2) Vgl. Nachmani's entschiedene Polemik zu Gen. 18, 1.