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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1859-01-01 · 1859 · page 30

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1859
Date
1859-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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IRI
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28 die Kede sein. Diese letztere aber ist aufzufassen als eine Einwirkung (yatf) Gottes unter Verinittelung der wirkenden Intelligenz (des ^?i?isn ^DW, vovg 7toiijuiy.bg, oder theologisch ausgedrückt des zehnten Engels) zunächst auf das Erkenntnissvermögen und durch dieses auf die Einbildungskraft, so dass als Grundbedingungen für die Prophetie sich drei heraustellen: a) die angeborene Vortrefflichkeit der Einbildungskraft, die durch kein künstliches Mittel zu der erforderlichen Kräftigkeit erzogen werden kann, b) die allerdings zum Theil auch durch Studien zu erwerbende Vortrefflichkeit des Erkenntnissvermögens und c) die ethische Vortrefflichkeit an sich und als nothwendige Vorbedingung für die Vortrefflichkeit des intellektuellen Vermögens. Unter Voraussetzung dieser drei Bedingungen aber ist die Prophetisirung ein im Grunde naturgemäss zu begreifender Vorgang. Denken wir uns nämlich einen Menschen, der bei tadelloser Organisation des Gehirns und überhaupt des ganzen Leibes — für Maimoni eine Grundbedingung für die Vortreffiiehkeit aller derjenigen Seelenkräfte, die er körperliche nennt, d. h. aller mit Ausnahme des reinen Geistes -— sich mit Ernst der Studien befleissigt, bis sein potentieller Geist zur grösstmöglichen Vollendung und Verwirklichung gekommen ist, fügen wir eine sittliche Beschaffenheit hinzu, nach welcher er, Herr geworden über die sinnlichen und thierischen Gelüste wie auch über die Eitelkeit und das Streben nach Geltung bei den Leuten, kein anderes Verlangen kennt, als in die Geheimnisse des Vorhandenen und seine Ursachen zu dringen, Gott und seine Werke und was darüber in Wahrheit anzunehmen ist, zu erforschen: so wird es uns einleuchten, dass wenn bei einem Menschen dieser Art die als überaus vollkommen und trefflich vorausgesetzte Phantasie thätig zu werden anfängt, indem sie die Einwirkung des Geistes und seiner Erkenntnisse erfährt, sie lediglich göttliche und herrliche Dinge,- Gott und seine Engel erschauen und nur wahre Meinungen und das allgemeine Beste abzweckende Führungen vorstellen wird. Das Sachverhältniss übrigens ist am besten durch den Vergleich mit den Vorgängen bpim Traume anschaulich zu machen, wo bekanntlich die Phantasie dasjenige gestaltet, wras zur Zeit des Wachens und des Gebrauchs der Sinne Gegenstand der Beschäftigung war, und wo der Geist auf die Einbildungskraft je nach ihrer Empfänglichkeit das, was in ihm ist, ausströmt. Kurz die Ursache der wahren Träume ist auch die Ursache für die Prophetie, und es ist ein beachtenswerther midraschischer Satz, dass der Traum gleichsam eine unreif abgefallene Prophetie sei. Das ist aber, meint M., keinesweges blos individuelle oder auch blos midraschische Ansicht, sondern wird in der Bibel mit klaren Worten gelehrt. In der Stelle nämlich, wo die Bibel die Prophetie des Moses als eine höhere hinstellen will, heisst es mit Bezug auf die andern Propheten: „Wenn sonst ein Prophet unter Euch ist, thu' ich der Herr in Gesichten mich ihm kund, im Traume rede ich mit ihm" (Numeri 12, 6). Die Art nun, wie die göttliche Mittheilung, im Traume geschieht, ist schon nach dem Gesagten einigermassen klar. Aber über die Mittheilung in Gesichten muss noch ein Mehreres hinzugefügt werden, nachdem wir vorher erst mit ein Paar Worten das Wesen der göttlichen Einwirkung auf die Propheten auch durch einen Vergleich mit den nächst niedem menschlichen Stufen, auf denen ebenfalls eine solche göttliche Einwirkung stattfindet, abgegränzt und unserm Verständnisse näher gebracht haben. Auch die wahren Weisen (die Philosophen) kommen nämlich, wie bereits bekannt, in den Besitz ihrer Weisheit nicht ohne Mitwirkung der wirkenden Intelligenz', des sogenannten' zehnten Engels. Aber einerseits wegen des geringem Masses dessen, wras. auf ihr Erkenntnissvermögen ausströmt, andererseits wegen angeborener mangelhafter

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