Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1859
- Date
- 1859-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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27 Existenz und ihr Wirken vorstellbar zu machen, bisweilen aber zu ihrer Bezeichnung Attribute von Thieren hergeholt, um ihre niedere Stufe gegen Gott anzudeuten. Doch ist das bis jetzt Angeführte keinesweges der einzige Grund für die mannigfachen bildlichen Wendungen der prophetischen Diktion, vielmehr kommen wir hier zu der andern Nothwendigkeit, sich bildlich auszudrücken, die erst in dem eigentümlichen Wesen der Prophetie ihre letzte Erklärung findet. In der Untersuchung über diesen Punkt aber ist Maimoni der Wichtigkeit des Gegenstandes gemäss ausführlich 1), zumal da er innerhalb seines philosophischen Standpunktes die Mittel fand, die Prophetie befriedigend zu erklären, insofern nach der uns bereits bekannten psychologischen Ansicht der Arabischen Aristoteliker nicht blos das prophetische, sondern auch unser reines Denken allererst durch Vermittelung der ausserhalb unser befindlichen zehnten Intelligenz von der blossen Anlage zur Wirklichkeit übergeführt wird. In der That gesteht auch Maimoni, dass seine Ansicht in der Hauptsache die der Philosophen sei 2), welche die Prophetie für eine in der Menschennatur begründete Stufe der Vollkommenheit halten, und dass er nur in einem Punkte, durch die Bibel veranlasst, abweiche. Nach den Philosophen nämlich ist es gerade so nothwendig, dass ein Mensch bei allen Vorbedingungen für die Prophetie prophezeie, als es nothwendig ist, dass ein gesunder Mensch nach Aufnahme gesunder Nahrungsmittel auch gesundes Blut producire, während die biblischen Aeusserungen auf göttliche Wahl oder göttliche Verwerfung führen. Thöricht aber auf jeden Fall, meint M., ist die Ansicht derer, welche glauben, dass die göttliche Wahl auch einen treffen könne, der bis dahin böse oder unwissend gewesen sei. Für diese Ansicht scheine freilich die Offenbarung am Sinai zu sprechen, da ihrer das ganze Volk theilhaftig geworden. In Wahrheit jedoch erging die Kede an Moses, durch dessen Vermittelung sie dann das Volk überkam, und das Volk war gewissermassen nur der Zeuge, dass Gott mit Moses geredet habe. Deutlich gehe das hervor aus den Versen: „Ich stand zwischen dem Ewigen und Euch," und: „Moses sprach und Gott antwortete durch eine Stimme," und: „damit das Volk höre, wenn ich mit Dir rede" und; „den Schall von Worten vernähmet Ihr," nicht Worte. Der häufig vorkommende midraschische Satz aber, der mit dieser Erklärung nicht übereinzustimmen und sagen zu wollen scheint, dass die beiden ersten Aussprüche dem Volke ohne Mosis Vermittelung von Gott selbst kamen 3), hat wohl den Sinn, dass für das Dasein und die Einzigkeit Gottes es darum keiner prophetischen Vermittelung bedurft hätte, weil in Dingen, die von der philosophischen Spekulation erreicht werden können, zwischen einem Propheten und einem andern Denker kein Unterschied sei. Im Uebrigen aber sprechen auch die talmudischen Weisen sich dahin aus, dass das Volk wohl eine Stimme, aber keine artikulirte Rede vernommen hätte, und selbst in Anhörung dieser Stimme nehmen sie, wie aus Onkelos 4) hervorgeht, einen Gradunterschied zwischen Moses und dem Volke an. Was nun das Wesen der Prophetie selbst betrifft, so ist vor Allem die des Moses von der der übrigen Propheten ganz bestimmt auseinanderzuhalten, und es kann vorläufig nur von der letztern 1) More II, 32—48. Das in Jesode hathora und in der Einleitung zu skv darüber Gesagte enthält zum Theil nur die dogmatische Quintessenz des hier philosophisch Entwickelten, zum Theil ist es rein halachischer Natur. 2) Interessant ist, lbn-Sina bei Scharastani zu vergleichen. 3) dü'Ou? miajn "«ao -\b 'w nSi 4) Die More II, 23 aus Onkelos citirte Uebersetzung ist vielmehr aus dem Targum des Jonathan. 4*